Glucosamin, Chondroitin und das kranke Gelenk

Arzneimittelkommission: Auch Hyaluronsäure ohne Wirksamkeitsnachweis. Arzneimittelkommission: Ohne Wirksamkeitsnachweis für Arthrose-Patienten bleiben neben Glucosamin und Chondroitin auch Ademetionin, Hyaluronsäure, Oxaceprol & Vitamin E.

Ein glückliches, älteres und schon ergrautes Paar vor sonnigen Himmel mit Wolkenspiel in einer Werbeanzeige für Glucosaminsulfat und Chondroitinsulfat. Er lächelt in die Kamera und trägt seine lachende Angebetete scheinbar mühelos huckepack auf dem Rücken: „Großes Marktpotential im Segment der Muskel- und Gelenkprodukte mit über 48 Mio. € Umsatz in deutschen Apotheken im Jahr 2007“ steht in der Werbeanzeige des Supplements „Muskeln und Gelenke“ einer der auflagenstärksten Fachzeitschriften für Apotheker und Pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA). Weiter heißt es: „Gezielte Printwerbung unterstützt Ihre Verkäufe – mit über 150 Mio. Werbekontakten im Jahr 2008“. „Zusammenfassend kann die Wirksamkeit von Glukosamin bislang nicht als hinreichend gesichert angesehen werden, um eine Behandlungsempfehlung abgeben zu können“, heißt es nun in den aktuellen Therapieempfehlungen für „Degenerative Gelenkerkrankungen“ der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft.

Glucosamin & Chondroitin: Chondroprotektiva oder „Disease Modifying Osteo-Arthritis Drugs“ – DMOAD

Chondroprotektiva wie Glucosamin und Chondroitin werden nach der „Osteoarthritis Research Society International“ (OARSI) als Substanzen definiert, die klinisch nachweisbar die sich entwickelnde Zersetzung des erkrankten, arthrotischen Gelenkes verlangsamen, abstoppen oder überdies noch zusätzlich rückgängig machen können. Nach einem Vorschlag der OARSI setzt sich für die Chondroprotektiva international immer mehr der Begriff „Disease Modifying Osteo-Arthritis Drugs“ durch (DMOAD). Die Zersetzung des Knorpels zu verhindern und die Schmerzen zu lindern wäre das primäre Ziel einer jeden Arthrose-Therapie und scheint weiterhin ein therapeutischer Wunschtraum zu sein. Durch die Nahrungsergänzungsmittel mit den Knorpelbestandteilen Glucosamin und Chondroitin erhoffen Arthrose-Patienten die zersetzenden Prozesse im Gelenkknorpel aufhalten zu können. Doch gibt es weiterhin wie bei homöopathischen Heilmitteln keinen Wirksamkeitsnachweis gegenüber Scheinpräparaten.

Ohne Wirksamkeitsnachweis: Ademetionin, Chondroitinsulfat, Glucosamin, Hyaluronsäure, Oxaceprol, Vitamin E

Die Ende 2008 erschienen Therapieempfehlungen „Degenerative Gelenkerkrankungen“ aus der Reihe „Arzneiverordnung in der Praxis“ gehen nunmehr in die dritte Auflage, seit wenigen Tagen sind sie für jedermann auch frei verfügbar im Internet einzusehen. Neben Glucosamin und Chondroitin sind auch weitere Chondroprotektiva oder Vitamine immer noch ohne Wirksamkeitsnachweis; dazu gehören Ademetionin, Hyaluronsäure, Oxaceprol und Vitamin E. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft zeigt in ihren Therapieempfehlungen den aktuellen Stand der medizinischen Diskussion mit der Angabe von 318 Literaturstellen. Dabei repräsentiert die Arzneimittelkommission „den Konsens der entsprechenden Fachmitglieder und allgemeinmedizinischen Kommissionsmitglieder.“

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