Hilfe, ich bin selbstmordgefährdet!

Was können Sie tun, befürchten sie, jemanden zu kennen, der sich das Leben nehmen möchte? Hier finden sie Anregungen, Möglichkeiten und konkrete Hilfe!

Woran liegt es, dass suizidale Menschen häufig keine Hilfe erhalten, oder gar, keine in Anspruch nehmen? Oftmals schämen sich Betroffene für die Probleme, derer sie sich entziehen möchten, sie glauben, dass sie nicht wichtig genug seien, um sich mit ihnen an Freunde, die Familie, oder professionelle Helfer zu wenden. Dass es allerdings alles anderer, als peinlich ist, sich selbst das Leben nehmen zu wollen, verdrängen sie und befürchten, nicht ernst genommen zu werden.

An erster Stelle steht also das Wahr- und Ernstnehmen von Ankündigungen, seien sie noch so schwach, oder unsicher, in keinem Fall dürfen diese übersehen werden. Wie im vorhergehenden Artikel beschrieben, wird ein Suizid selten durchgeführt, ohne dass es vorher zu direkten, aber auch indirekten Hilferufen und Ankündigungen kam!

Zuhören, eine unterschätzte Hilfeleistung

Wird ein Versuch, oder die Absicht also befürchtet, gibt es nicht nur für Psychologen, Ärzte, oder Pflegepersonal zielstrebige Möglichkeiten, auf den lebensmüden Menschen zuzugehen.

Anders, als häufig angenommen, benötigen betroffene Personen, unabhängig vom Alter, vor allem jemanden, der ihnen ZUHÖRT. Angehörige fühlen sich bei dieser Thematik oft überfordert, rat- und hilflos, doch müssen sie das nicht. Suizidale Menschen brauchen in jedem Fall eine Umgebung, in der sie sich sicher fühlen, dem eigenen Wesen keine Grenze setzen brauchen, sowie sich Scham- und ausnahmslos mitteilen können. Ungeteilte Aufmerksamkeit durch Angehörige ergibt ein Gefühl von Geborgenheit und hiermit lebensnotwendigem Vertrauen!

Barriere von Schuldgefühle akzeptieren

Natürlich kann es vorkommen, dass ausgerechnet der feste Partner, die beste Freundin, oder die harmonische Familie, statt ein befreiendes Gefühl, bedrückende Gewissensbisse hervorrufen, denn oftmals möchten Betroffene genau diesen Personen nicht weh tun. Schuldgefühle treten somit ins Bewusstsein, man würde die geliebten Menschen vor den Kopf stoßen und sie im Stich lassen, also wird gerade vor ihnen nicht gezeigt, wie es innerlich in Einem aussieht. Umso wichtiger ist es, dass genau diese nahestehenden Menschen deutlich zeigen, wie viel Verständnis und Geduld sie haben. Man sollte nicht unmittelbar versuchen, nach Lösungen, Ratschlägen, oder schlimmer, Urteilen zu suchen, sondern zu allererst ZUHÖREN. Auch das Ausreden und Beschwichtigen der Suizidgedanken wäre an dieser Stelle fatal.

Das Gefühl der Einsamkeit, als Teil der Thematik, verstehen

Suizidale Menschen fühlen sich zumeist einsam und allein gelassen, sogleich die Situation von außen kaum derartig eingeschätzt wird. Häufig entspringt dieses Empfinden nicht der objektiv eingeschätzten Situation, sondern dem Fliehen aus der Realität. Gewissensbisse entstehen somit augenblicklich an dieser Stelle; die Schuld an der Isolation gibt der Betroffene zwar manches Mal den Personen der unmittelbaren Umgebung, aber ist er dennoch nicht in der Lage, Verbindungen zwischen diesen Emotionen und tatsächlichen Situationen herzustellen. Angehörige sind somit aufgefordert, sich von diesen Emotionen erschüttern zu lassen, sondern obige Möglichkeiten auszuschöpfen.

Eingehende Methode; Gezielte Fragen stellen, um dann kommentarlos zuzuhören

In dieser Lage hilft es, entgegen der allgemeinen, öffentlichen Meinung, gezielte Fragen zu stellen. Der betroffene Mensch setzt sich dann der Ambivalenz auseinander, spielt der gewählte Ausweg tatsächlich eine Rolle, oder ist das Verlangen nach dem Leben, mit all seinem Hintergrund stärker?

1.) Zur Gefährdung:

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, sich das Leben zu nehmen?

2.) Vorbereitung:

Wie würden Sie es tun? Haben Sie schon Vorbereitungen getroffen?

(Je konkreter die Vorstellungen, desto größer das Risiko)

3.) Zwangsgedanken:

Denken sie bewusst daran, oder drängen sich derartige Gedanken auf, auch wenn sie es nicht wollen? (Sich passiv aufdrängende Gedanken sind gefährlicher)

4.) Ankündigung:

Haben sie schon mit jemandem über ihre Absichten gesprochen?

(Ankündigungen und Hilferufe immer ernst nehmen)

5.) Aggressionshemmungen:

Haben sie Aggressionen gegen jemanden, die sie unterdrücken müssen?

(Unterdrückte Aggressionen richten sich dann gegen die eigene Person)

6.) Einengung:

Haben sie ihre Interessen, Gedanken und zwischenmenschlichen Beziehungen gegenüber früher eingeschränkt, oder reduziert?

(Fragen an suizidale Patienten, nach W. PÖLDINGER, 1982)

Wenn Angehörige nicht weiterhelfen können

Für gefährdete Menschen ist es zwar häufig schwerer, sich neutralen, fremden Personen zuzuwenden, dennoch kann von verschiedenen Stellen Hilfe eingeholt werden. Zu weil klingen Telefonseelsorge (24 Stunden erreichbar, unter der 111/ 102/101), oder gar die Polizei und der Notruf (110 und 112) nach drastischen Mitteln, doch können diese auf geschultes Personal zurückgreifen, weiterführende Fragen zum Betroffenen und seiner Situation stellen, aber auch Maßnahmen einleiten, die unterstützend weiterhelfen.

Und was dann? Das Leben wieder als wertvoll erleben

Die Nutzung einer Therapiemaßnahme, auch kurzweilige, sollte dennoch in Betracht gezogen werden, denn hat der suizidale Mensch erst einmal begriffen, dass er sich des Versuches und den Gründen nicht sicher ist, oder dem Suizidgedanken abschwört, benötigt er Hilfe, die eigene Person zu erhalten, bzw. langfristig aufzubauen. Wie aus verschiedenen Symptomen hervorgeht, ist die Frage nach den eigenen Wünschen und Träumen für viele Betroffene schwierig, zu beantworten. Ursache dafür ist der Verlust der Wahrnehmung des eigenen Ichs. Geht man nun gründlich auf diese Problematik ein, wobei Psychologen und Lebenscoaches durchaus hilfreich sein können, baut sich auch das Selbstbewusstsein und die Freude am Leben elementar auf.

Ehemalig gefährdete Menschen äußerten nach diesem Verfahren, dass sie ihr Leben nun selbst in die Hand genommen haben und sich nie tatsächlich das Leben, sondern nur den Kummer nehmen wollten! Der Gedanke an den herbeigeführten Tod hat ihnen zwar diese Einsicht geschenkt, doch würden sie ihn heute nie wieder derartig ins Auge fassen.

Hierfür gibt es zahlreiche, weiterführende Literatur, die dem Leben den Sinn und vor allem die Rolle des eigenen Selbst in dieser Welt zurückgeben können! Alleinige Befassung mit solchen Helfern können Motivation, Neugierde, Interesse und facettenreiche lebensfrohe Begeisterung hervorrufen; ist es denn dann nicht dieses Ziel wert? (Beispielsweise ben sie, statt zu funktionieren“, von Gallan Abend; für kreative Geister aber auch r Weg des Künstlers“, von Julia Cameron).

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