Hilft Sport auch gegen Schizophrenie?

Das Sport gegen Depressionen hilft, insbesondere Ausdauersport, gilt bereits als wissenschaftlich belegt. Doch kann Sport auch gegen schizophrene Psychosen helfen?

Durch das Gummihand-Experiment wurde festgestellt, dass Schizophrene im Vergleich zu Gesunden eine schwächere Körperwahrnehmung haben. Diese könne durch Sport gestärkt werden. Da viele Schizophrene auch unter depressiven Symptomen leiden, lässt das den Schluss zu, dass sich Sport auch bei ihnen positiv auf die Stimmung auswirkt.

Das Gummihand-Experiments

Bei dem Gummihand-Experiment legt eine Testperson ihre rechte Hand auf einen Tisch, die dann abgedeckt wird, so das die Versuchsperson sie nicht sehen kann. Stattdessen sieht sie nur eine Gummihand vor sich liegen. Wenn der Versuchsleiter gleichzeitig mit einem Pinsel über die eigene und über die Gummihand streicht, nehmen viele Testpersonen die Gummihand anschließend als ihre eigene wahr. Die Gehirne der Versuchsteilnehmer wurden während des Versuchs mit Hilfe eines Magnetresonanztomographen beobachtet, mit dem die Gehirnaktivität in den verschiedenen Bereichen des Gehirns festgestellt werden kann. Versuchsteilnehmer deren Sinne sich besonders stark täuschen ließen, zeigten eine stärkere Aktivität im prämotorischen Cortex.

Bei Schizophrenen wirkte die Gummihand-Illusion stärker als bei gesunden Versuchsteilnehmern. Gesunde Versuchsteilnehmer erliegen zwar teilweise auch dieser Illusion und halten die Gummihand für ihre eigene, aber bei ihnen ist diese Illusion nicht so stark ausgeprägt wie bei Schizophrenen. Ein Schizophreniepatient erlebte sogar während des Experiments eine außerkörperliche Wahrnemung. Er habe sich für 15 Minuten lang so gefühlt, als schwebe er über seinem eigenen Körper. Interessanterweise gab es auch Versuchsteilnehmer, die nicht auf die Gummihand-Illusion hereinfielen.

Positive Effekte sportlicher Betätigung

Inwieweit Sport sich positiv auf schizophrene Patienten auswirkt, untersuchten Deutsche Forscher 2008. Sie konnten beobachten, dass sich nach einem 12-wöchigen Trainingsprogramm die Symptome der Erkrankung verringern. Veränderungen durch das Training ließen sich sogar in Gehirnregionen der schizophrenen Patienten nachweisen. Der Hippocampus, der bei unter Schizophrenie leidenden Patienten normalerweise verkleinert ist, zeigte sich nach dem Training leicht vergrößert.

Welche Sportarten sind besonders empfehlenswert?

Besonders gut sollen Sportarten an Schizophrenie Erkrankten helfen, für die man eine präzise Kontrolle des Körpers benötigt und die auch ein besseres Körpergefühl vermitteln. Hierzu eignen sich zum Beispiel Tanzen, Yoga und Pilates. Ansonsten eignen sich auch Ausdauersportarten wie zum Bespiel Joggen oder Schwimmen, die auch psychisch Kranken empfohlen werden, die unter Depressionen oder Angststörungen leiden.

Welche Risiken gibt es?

Zwar führen Psychopharmaka besonders aus der Gruppe der Neuroleptika teilweise zu psychomotorischen Einschränkungen, indem sie sich negativ auf Schnelligkeit und Koordinationsvermögen auswirken, doch der Berufsverband der Rehalibitationsärzte betrachtet das nicht als Hinderungsgrund. Sport kann sogar helfen, diese unerwünschten Nebenwirkungen von Psychopharmaka wieder zu reduzieren, da er sich ja wieder positiv auf Beweglichkeit und Koordination auswirkt. Bisher würden jedoch Sport und Bewegungstherapie noch zu wenig in der Therapie von schizophrenen Störungen und auch anderen psychischen Erkrankungen eingesetzt. Allerdings sollte man bei dem Einsatz von Sport als Therapie auf die individuellen Belastungsgrenzen des Patienten achten und übermäßige Wettkampforientierung vermieden werden.

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