Kinderleiden Phimose – Wie entsteht eine Phimose

Fast jedes männliche Kleinkind ist von Vorhautverengung betroffen. Der Anteil der Betroffenen bei den über 16-Jährigen reduziert sich auf etwa ein Prozent.

Bei einer Phimose kann die aus einem äußeren und einem inneren Blatt bestehende Penisvorhaut nicht oder nur zum geringen Teil über die Eichel gezogen werden. Die Dehnbarkeit der Vorhautöffnung steht im Missverhältnis zur Größe der Eichel.

Typische Symptome der Phimose

Schmerzen oder sogar Einrisse bei einer Erektion oder beim Versuch, die Vorhaut über die Eichel zu bringen, können Hinweise auf das Vorliegen einer Phimose sein.

Auch weißlich-gelbe Smegma-Teilchen könnten auf Phimose hinweisen. Smegma ( griechisch: „Seife“) ist eine vor allem aus Talgdrüsensekret , Spermaresten und Hautpartikeln bestehende Ablagerungsmischung. Wenn die Vorhaut zu eng ist, bleibt Smegma oft trotz Körperreinigung an der Eichel kleben. Smegma steht im Verdacht, ein möglicher Verursacher von Peniskrebs zu sein.

Angeborene und erworbene Vorhautverengung

Die Vorhautverengung tritt in zwei Grundvarianten auf : Der angeborenen (primären) und der erworbenen (sekundären) Phimose. Bei der primären Phimose ist die Vorhaut von Geburt an zu eng und verhindert oder behindert dadurch das Zurückschieben.

Bei der erworbenen Phimose führen durch Entzündungen oder Einrisse verursachte Vernarbungen zu einer Verringerung von Fläche und Elastizität des Gewebes. Auch in diesen Fällen kann die Vorhaut nicht oder nur unter Schwierigkeiten über die Eichel gezogen werden. Narbige Phimosen können auch gewaltsames Zurückstreifen der Vorhaut zur Ursache haben.

Vorhautverklebung

Keine Phimose im eigentlichen Sinn liegt bei der Vorhautverklebung (physiologische Phimose) vor. Die Verklebung des inneren Vorhautblattes an der Eichel löst sich in der Regel während der kindlichen und jugendlichen Körperentwicklung . Wachstum und Erektionen spielen dabei eine wesentliche Rolle.

Frenulum breve

Manchmal tritt die Phimose aber auch zusammen mit einer Verkürzung des Vorhautbändchens (Frenulum ) auf. Das Frenulum verbindet die Unterseite der Eichel mit der inneren Vorhaut. Bei zu kurzem Bändchen (Frenulum breve) spannt sich die Vorhaut bei Erektion und beim Zurückschieben. Oft reißt das zu kurze Frenulum von allein ein.

Vollständige und unvollständige Phimose

Es wird bei der Ausformung des Leidens zwischen einer vollständigen und einer unvollständigen Phimose unterschieden. Von einer unvollständigen Vorhautverengung wird gesprochen, wenn sich die Vorhaut lediglich beim erigierten Glied nicht zurückschieben lässt; bei der vollständigen Phimose ist das Zurückschieben auch beim erschlafften Penis nicht möglich.

„Spanischer Kragen“ – Paraphimose

Unter Umständen kann eine unbehandelte Phimose zur Paraphimose führen. Bei der auch „Spanischer Kragen“ genannten Paraphimose kann die eigentlich zu enge Vorhaut zwar über die Eichel gezogen werden, sie wirkt dann aber im Eichelkranz als schmerzhaft einschnürender Ring. Gelingt es nicht, die Vorhaut wieder in ihre alte Position zu bringen, wird der Blutabfluss unterbrochen und es droht eine massive Schädigung des Gewebes, die bei Unterlassung sofortiger Behandlung im Extremfall zum Absterben der Eichel führen kann.

Kindtypische Erscheinung

Vorhautverengung ist zunächst keine ungewöhnliche Erscheinung. Fast alle neugeborenen Jungen haben eine natürliche Vorhautverengung beziehungsweise -verklebung. Mit der Zeit nimmt dann die Dehnbarkeit der Vorhaut zu.

Bei etwa der Hälfte der Einjährigen ist die Verengung der Vorhaut verschwunden . Im vierten Lebensjahr hat sich diese Vorhautverengung auch bei den meisten übrigen Jungen gegeben. Weniger als zehn Prozent der männlichen Erstklässler sind noch von Phimose betroffen. Eine dauerhafte Phimose ist bei etwa einem Prozent der 16-Jährigen und Älteren festzustellen.

Behandlung der Phimose

In den ersten Lebensjahren wird die in der Regel vorübergehende Vorhautverengung nur dann behandelt, wenn es wiederholt zu Entzündungen gekommen ist . Auch wird der Arzt eingreifen müssen, wenn sich beim Wasserlassen Urin in der Vorhaut sammelt und sie aufbläht.

Nicht-operative Methoden zur Behandlung der Vorhautverengung

Die Behandlung kann konservativ sein, in den meisten Fällen aber wird sie in Form eines operativen Eingriffs durchgeführt. Eine nicht-operative Behandlung zur Erweiterung der Vorhaut ist meist nur bei geringfügiger Phimose Erfolg versprechend. Durch die Gabe von Kortisonsalben auf die Penisspitze kann das Problem in solchen Fällen oft beseitigt werden.

Beschneidung

In der Regel wird die Vorhautverengung aber durch Beschneidung korrigiert. Dabei bleibt zumeist ein Teil der Vorhaut erhalten. Lediglich ausnahmsweise ist eine Entfernung der gesamten Vorhaut mit dem Ergebnis einer danach völlig freiliegenden Eichel notwendig.

Der Eingriff kann grundsätzlich unter örtlicher Betäubung vorgenommen werden. Bei Kindern wird aber fast immer die Vollnarkose vorgezogen Bis auf wenige Ausnahmen dauert der Eingriff nur einige Minuten, ist fast immer erfolgreich und gilt unter Vorbehalt als Eingriff mit geringem Risiko . Vor allem Komplikationen im Zusammenhang mit bewussten oder unbewussten Operationstraumata sind nicht ausgeschlossen. In der Fachwelt gibt es nicht zuletzt deshalb zur Zeit die Neigung, die Beschneidung nicht vor dem 10. Lebensjahr vorzunehmen, zumal sich viele Phimosen bis dahin auf natürlichem Weg erledigt haben. .

Operationsalternativen zur Beschneidungsmethode

Als Alternative zur Beschneidung wird die Vorhautöffnung durch spezielle Schnitt- und Nahttechniken praktiziert. Dabei bleibt die Vorhaut fast vollkommen erhalten. Säuglinge werden oft in einem Verfahren behandelt, bei dem die so genannte Plastibell-Glocke angelegt wird. Ein um die Vorhaut gezogener Plastikring fällt nach einigen Tagen zusammen mit der Vorhaut ab.

Ludwig XVI. : War er der

Ob der unglückliche auf dem Schafott hingerichtete französische König Ludwig XVI. (1754-1793) tatsächlich unter Phimose gelitten hat ist umstritten.

Zumindest wird die Verengung der bourbonischen Vorhaut spätestens seit 1932 allgemein behauptet. Damals erschien Stefan Zweigs berühmte Marie Antoinette-Biographie. Der Autor unterstellte dem dermaligen Dauphin Ludwig eine Vorhautverengung, die ihm den Sex-Vollzug unmöglich gemacht haben soll. Zweig könnte dem schüchternen Prinzen, der als15-Jähriger mit der lebenslustigen Österreicherin Marie Antoinette verheiratet worden war, aber auch Unrecht getan haben. Jedenfalls gibt es keinen endgültigen Beleg für Ludwigs angebliche Phimose und eine damit in Verbindung stehende Beschneidung.

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