Kleine Museen am Rande des Luganer Sees

Kunst und Kultur in den Lepontiner Voralpen – Tipps für Bergwanderer. Wenn die Badesaison vorüber ist, zieht es viele in die Bergregionen um den Luganer See. Hier kann der Wanderer in kleinen Museen Geschichte und Brauchtum studieren.

Wenn am Südhang der Alpen, beispielsweise im Bereich der Lepontiner Voralpen oberhalb des Luganer und Teilen des Comer Sees, in den Kastanienwäldern die Früchte fast reif sind und sich die Menschen auf die örtlichen Kastanienfeste vorbereiten, kommt auch die Zeit der Bergwanderer. Hier, östlich der Schweizer Landesgrenze, ab Lugano/Gandria, gibt es eine Vielzahl Wanderwege mit leichtem und mittlerem Schwierigkeitsgrad. Richtig alpin ist es hier nicht. Für den Bergwanderer, der zur Natur aber auch Volkstum und Geschichte der ihn umgebenden Landschaft entdecken und erforschen will, hat die Comunità Montana Alpi Lepontine – eine Art halbstaatlicher Alpenverein – Wanderrouten mit Museumsangeboten verknüpft, Natur und Kultur sozusagen miteinander verzahnt.

Entdeckungsreise zwischen Lugano und Menaggio

Entlang des Nordtteils des Luganer Sees, der zu Italien gehört, zieht sich die Staatsstrasse 340, gemeinhin Regina (Königin) genannt. Sie führt von der schweizerischen Landesgrenze bei Lugano/Gandria nach Nordosten und berührt die Kommunen Valsolda und Porlezza; sie führt dann weiter nach Menaggio zum oberen Teil des Comer Sees. Wer aus Richtung Lugano kommt, hat rechts den Luganer See neben sich, während links die Lepontiner Voralpen hochsteigen. Und hier lohnt sich der Einstieg in die Berge – und in kulturelle Vergangenheit. Etliche meist kleinere Museen empfiehlt der Alpenverein zum Besuch; zur Rast während der Wanderung:

Museum der Baumeister und Maler

Museo Casa Pagani heißt das erst im September 2008 eröffnete Kunstmuseum in dem kastellartig auf einem Bergkegel gelegene Örtchen Castello, das zur Großgemeinde Valsolda zählt. Hier findet der Besucher Werke von Künstlern aus dem Valsolda vom 14. bis zum 19. Jahrhundert. Die „Casa Pagani“ ist das Haus des Malers Paolo Pagani (17. Jahrhundert), der wie viele andere Maler, Freskenmaler und Baumeister (Pellegrino Pellegrini beispielsweise) im gesamten mitteleuropäischen Raum wirkte, aber dann, nach Hause zurückgekehrt, die heimischen Kirchen mit reichen Gemälden, die Hauswände mit Fresken schmückte. Das Museo Casa Pagani bietet einen eindrucksvollen Querschnitt solcher Arbeiten. (Via Jamucci 8-10, Castello di Valsolda)

Vegetation und Tierwelt hautnah

Gut drei Kilometer hinter dem Städtchen Porlezza schließt sich an den Luganer See der kleine „Lago di Piano“ an. Er ist ein Naturschutzgebiet, und hier erlebt der interessierte Wanderer Flora und Fauna sozusagen hautnah. Ein kleines Museum am Seeufer gibt in Vitrinen und auf Schautafeln einen Überblick über Vegetation und Tierwelt. Beeindruckend ist die Sammlung von Hirschgeweihen an den Wänden.(Via Statale Regina, Carlazzo, fraz. Piano di Porlezza)

Der Druck vom beweglichen Buchstaben bis zum Computer

Nicht weit davon entfernt findet der Wanderer ein Druckereimuseum, das ein Stück industrieller Entwicklung in dieser Region und darüber hinaus vorführt. Thema des Museums ist also der „Druck“ von alter Zeit bis in die Moderne, die Entwicklung vom ersten beweglichen Buchstaben bis zur Computertechnik. Stellwände mit Texten (in italienischer und englischer Sprache) verdeutlichen die verschiedenen Techniken und Funktionsweisen der ausgestellten Maschinen. (Via degli Artigiani, Carlazzo)

Die Geschichte der Landwirtschaft

In der „Casa Rurale“ von Carente, oberhalb von Menaggio, geht es um die Geschichte der lokalen Landwirtschaft. Hier sind Gerätschaften der Bauern aus früherer Zeit zusammengetragen: Sicheln, Dreschflegel, Kornsiebe, Geräte zur Herstellung von Butter und Käse, Webstühle, auch Werkzeuge zur Holzverarbeitung (San Siro, fraz. Carente).

Landwirtschaft, und hier vor allem die Milchwirtschaft, ist auch Thema des Milchmuseums, (Museo Etnografico del latte) wiederum in Carlazzo, und dort in der ehemaligen Molkerei. Hier werden dem Besucher die verschiedensten Gerätschaften zur Gewinnung, Herstellung und Konservierung von Milch vorgeführt. Dosierungsapparaturen, Milcheimer, Waagen und Butterfässer sind ausgestellt. (Via Val Cavargna 32a, Carlazzo).

Die Schmuggler an der Grenze zur Schweiz

Hinauf in die Berge nach Cavargna muß der Wanderer, um dort das Museo della Valle zu besichtigen. Dieses Museum gewinnt seinen besonderen Reiz nicht allein durch die ausgestellten alten Trachten der Bergregion, sondern auch durch eine Darstellung der Schmugglerei an der Nahtstelle zur Schweiz. Hier blühte der Schmuggel über die Jahrhunderte, bis hin zur Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Schließlich gibt das Museum auch Einblicke in die Eisenerzgewinnung in dieser Gegend während der vergangenen Jahrhunderte.

Fogazzaros „Kleine alte Welt“

Das Gebiet zwischen dem schweizerischen Lugano, also zwischen dem Tessin und dem oberen Teil des Comer Sees wird häufig ein „vergessener Winkel“ genannt. Es ist in Wirklichkeit ein Erholungsgebiet für Mitteleuropäer, vor allem für Schwaben und Badener, geworden. Immer gut zum Wandern und zu Entdeckungsreisen abseits der großen Touristenströme. Nicht umsonst hat der berühmte italienische Schriftsteller Antonio Fogazzaro seine Heimat, das Valsolda, zum Mittelpunkt seines berühmtesten Romans gemacht. Der Titel: „Piccolo mondo antico“ – Kleine alte Welt. Das kleine Museum im Haus der Mutter neben der Kirche in Oria/Valsolda direkt am Luganer See ist allerdings geschlossen: Die Besucher hatten in der Vergangenheit zu viel Souvenirs „mitgehen“ lassen.

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