Morbus Parkinson, Diagnosestellung

In über 30% der Fälle verfehlen Ärzte die korrekte Diagnosestellung bei der Parkinson-Erkrankung!

Nach den Zahlen aus der Fachliteratur zu urteilen, wird die Diagnose eines Morbus Parkinson leider nur in etwa 70% der Erkrankten korrekt gestellt. Einen guten Überblick über die Geschichte, Ursachen und Symptome dieser Krankheit können Sie in diesem Artikel entnehmen.

Ein möglicher Grund für das schlechte Abschneiden der effektiven Diagnosestellung scheint das Fehlen des prominenten Ruhetremors als Frühsymptom in etwa der Hälfte aller Betroffenen zu sein, sowie die Interpretation anderer Beschwerden als rheumatischer Art zugehörig. So werden lange Zeit Nacken-, und Schulterbeschwerden als „Schulter-Arm-Syndrom“, oder „chronischer Lumbago“ behandelt, der zugrunde liegende Rigor dagegen bleibt unbeachtet. Weitere Schwierigkeiten ergeben sich bei der Abgrenzung des Morbus Parkinson zu anderen neurodegenerativen Erkrankungen. Diese Krankheiten gehen mit einem Untergang weiterer Teile des zentralen Nervensystem einher und können ebenso Parkinson-Symptome verursachen. Um zwischen einem „echten“ Morbus Parkinson und einer anderen Ursache zu differenzieren, müssen weitere Kriterien beachtet werden.

Zunächst aber sollte lediglich die Diagnose eines „Parkinson-Syndroms“ erstmal klinisch beim Vorliegen von Unterbeweglichkeit und mindestens einem der weiteren Symptome Tremor, Rigor und/oder posturaler Instabilität bei Störungen der Stell-, und Haltereflexe gestellt werden. Erst ab diesem Zeitpunkt geht es um die Sicherstellung der Diagnose eines Morbus Parkinson. Hierzu müssen andere seltenere Ursachen ausgeschlossen, oder zumindest für unwahrscheinlich gehalten werden. Ein asymmetrischer Beginn der Erkrankung, sowie das Fehlen anderer neurologischer Defizite sprechen für einen „echten“ Morbus Parkinson. Ebenfalls bestätigend ist ein Ansprechen in dem Apomorphin-, oder L-Dopa-Test:

Ein Ansprechen im L-Dopa Test bestätigt die Diagnose eines idiopathischen Parkinson-Syndroms!

hierzu wird dem Patienten in einem standardisierten Verfahren wird L-Dopa verabreicht. Das Medikament gelangt als Vorstufe des Botenstoffes Dopamin in die Basalganglien und wird dort eben zu diesem verstoffwechselt. Bei Morbus Parkinson mit einem Mangel an Dopamin kommt es innerhalb von 2 Stunden zu einer Verbesserung der klinischen Symptomatik um mindestens 20%. Dieses Ergebnis kann als diagnostische Bestätigung einer Parkinson Krankheit aufgefasst werden.

Mittlerweile stehen darüber hinaus an universitären Einrichtungen auch nuklearmedizinische Verfahren wie der DaTSCAN zur Diagnosesicherung eines Morbus Parkinson zur Verfügung. Hierbei werden die besprochenen dopaminergen Nervenzellen mit einer radioaktiv markierten Substanz spezifisch dargestellt. Erniedrigte Anreicherung in entsprechenden Hirnregionen kann im Kontext mit der klinischen Symptomatik ebenfalls die Diagnose einer Parkinson Erkrankung sehr wahrscheinlich machen. Diese „Beweise“ dienen letztlich dem Ausschluss anderer, seltener Erkrankungen als Ursache für die vorgetragenen Beschwerden der Patienten. Einen kurzen Überblick weiterer Erkrankungen mit einer Parkinson-Symptomatik soll dem Leser nicht vorenthalten werden. Es kommen u.a. in Frage:

-symptomatische Parkinson-Syndromebei Infektionen des Nervensystems, Neuroleptika-Behandlung, Einnahme der Droge MPTP, Unfälle mit Hirnbeteiligung, Vergiftungen, sowie Durchblutungsstörungen in den Basalganglien, das sogenannte „vaskuläre Parkinsonsyndrom„,

-der Normaldruck Hydrozephalus mit kleinschrittigem Gangbild, Muskelsteifigkeit, Blaseninkontinenz und Demenz,

-und neurodegenerative Erkrankungen mit dem Untergang weiter Teile des Nervensystems: progressive supranukläre Blickparese (PSP), Multisystematrophie (MSA) und die kortikobasale Degeneration (CBD). Die Krankheiten aus dieser Gruppe haben leider eine schlechte Prognose.

Atypische Parkinson-Syndrome werden neurodegenerative Erkrankungen des Nervensystems benannt, die eine Parkinsonsymptomatik verursachen können.

Sogenannte „red flags“, also Warnhinweise auf das Vorliegen einer Erkrankung aus der letztgenannten Gruppe neurodegenerativer Erkrankungen können unter anderem sein: ein symmetrischer Beginn der Beschwerden, im Krankheitsverlauf früh auftretende Gang-, und Standunsicherheit mit häufigen Stürzen, sehr früh im Vordergrund stehende Körperfunktionsbeschwerden wie Erektionsstörungen, Harninkontinenz und Blutdruckabfälle.Störungen der Augenbeweglichkeit sind hinweisend auf die progressive supranukläre Blickparese. Das Nicht-Ansprechen auf L-Dopa sollte ebenfalls als Hinweis auf das Vorliegen einer anderen Erkrankung ernstgenommen und abgeklärt werden.

Erst beim Fehlen solcher Warnhinweise und/oder Ansprechen bei den Bestätigungstests darf die Diagnose eines Morbus Parkinson endgültig gestellt und der Patient entsprechend behandelt werden! In diesem Zusammenhang ist zu nennen, dass die Therapie des Morbus Parkinson in den letzten Jahren zunehmend komplexer geworden ist. Neben der medikamentösen Behandlung mit einer Vielzahl von Wirksubstanzen steht seit 15 Jahren mit der Tiefen Hirnstimulation ebenfalls ein effektives chirurgisches Verfahren bei der Behandlung komplizierter Fälle zur Verfügung. Genaueres hierzu lesen Sie im folgenden Artikel über den Morbus Parkinson!

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