Mordopfer im Hunsrückschiefer

Zwei Trilobiten mit tötlichen Bissverletzungen gefunden. Täter unbekannt.

Fossilien mit „Mordspuren“ gelten in der Paläontologie vielfach als Raritäten. Dies bedeutet aber nicht, dass sie sehr selten sind, sie werden nur nicht als solche erkannt und manchmal wohl sogar wegen ihrer Unvollständigkeit ausgesondert.

Eindeutige Bissverletzungen

Die beiden Trilobiten der Gattung Chotecops aus dem Hunsrückschiefer wurden vor der Präparation für Häutungshemden (Exuvien) gehalten. Während der Präparation stellte sich bei beiden Tieren heraus, dass es Bissverletzungen waren, und somit keine Häutungshemden, sondern komplette Tiere. Sie waren also durch einen Fressfeind zu Tode gekommen. Präparationsfehler konnte man bei der 30jährigen Bundenbacherfahrung des Präparators ausschließen.

Die zwei Opfer

Beim ersten Chotecops-Exemplar (Abb.1) fehlt das Schwanzschild (Pygidium). Das Besondere an diesem Trilobiten ist das, was noch vom Brustabschnitt (Thorax ) erhalten ist. Auf dessen linker Seite sind zwei Pleuren abgetrennt und seitlich verschoben. Der letzte Teil der Mittelachse ist zusammengedrückt. Auf der hintersten rechten Pleure sind deutliche Brüche zu erkennen.

Diese Merkmale deuten auf Gewalteinwirkung infolge eines Bisses von hinten hin. Wer aber war der Verursacher dieser Verletzung? Es könnte vielleicht ein Panzerfisch der Ordnung Arthrodiriformes gewesen sein, die im Hunsrückschiefer nachgewiesen sind. Ein Stachelhai (Acanthodii) käme auch als Täter in Betracht. Man hat zwar noch nie einen Stachelhai im Hunsrückschiefermeer gefunden, da sich Knorpelfische nur sehr selten erhalten haben. Ein Merkmal der Stachelhaie konnte jedoch im Hunsrück nachgewiesen werden, ab und zu findet man einen Stachel, der eindeutig von diesen Haien stammt.

Das Opfer Nummer zwei

Das zweite Chotecops-Exemplar (Abb.2) ist bis auf eine dreieckige Bissverletzung auf der rechten Körperseite komplett. Der hintere rechte Teil der Wange wirkt zurückgezogen und zeigt einen Durchbiss. Die ersten drei Segmente der Mittelachse sind eingedrückt und etwas verschoben. die dazugehörigen Pleuren fehlen bis auf Reste ganz. Die vierte Pleure ist nach hinten verschoben und etwas beschädigt.

Wer war diesmal der Verursacher? Die dreieckige Form der Verletzung sieht aus, als habe eine Zange zugebissen. Hierbei könnte man an den Pantopoden Palaeoisopus problematikus Broili oder an einen phyllocarieden Krebs (Nahecaris oder Heroldina) denken. Der jüngst im Hunsrückschiefer neu entdeckte Anomalocaris-Verwandte Schinderhannes bartelsi kommt wohl wegen seines eigentümlichen Beißapparates als Täter weniger in Frage.

Schlußfolgerung

Wie bei einem gut ausgeführten Mord, geben zwar die Indizien, in diesem paläontologischen Fall die Form der Verletzung, gewisse Hinweise auf den Täter. Um einen Prozess zu gewinnen, braucht man aber mehr Beweise. Es gibt Fälle in der Paläontologie, da hat man die Beweise, und kein Anwalt kann dem Angeklagten helfen. Man hat, gar nicht so selten, Raubfische gefunden, die gerade dabei waren, ihre Beute zu verschlucken, daran erstickt sind und mit dem Opfer zusammen eingebettet wurden.

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