Naturheilkunde: Blutegeltherapie hat Biss

Die Blutegeltherapie gehört nicht gerade zu den beliebtesten naturheilkundlichen Verfahren. Bei Schmerzen können die Egel jedoch wahre Wunder bewirken.

Blutegel werden schon seit Jahrtausenden zu Heilzwecken eingesetzt. Blutegel sind wurmähnliche Parasiten, die von einem einzigen Biss beziehungsweise einer „Mahlzeit“ bis zu zwei Jahre überleben können. Wie beim Aderlass hat man die Anwendung mit Blutegeln in Europa in den vergangenen Jahrhunderten maßlos übertrieben. Der übermäßige Einsatz der Blutegel hat letztendlich dazu geführt, dass die Therapie fast in Vergessenheit geraten ist, weil die Egel in Mitteleuropa praktisch ausgestorben sind. Auch Kenntnisse über Infektionen und Bakterien trugen dazu bei, dass die Blutegeltherapie verdrängt wurde. Heute werden Blutegel jedoch wieder für medizinische Zwecke gezüchtet und von Ärzten und Heilpraktikern mit entsprechender Spezialisierung eingesetzt. Gezüchtete Blutegel sind hygienisch unbedenklich.

Kurzes Zwicken beim Biss

Die Blutegeltherapie gehört zur der Gruppe der ausleitenden Verfahren. Bei der medizinischen Blutegelbehandlung werden die Tiere gezielt auf bestimmte Hautareale gesetzt, zum Beispiel um das Knie. Dort beißen sie sich fest, was jedoch keine starken Schmerzen verursacht. Vielmehr zwickt es kurz wie bei einem Mückenstich, der jedoch schnell wieder abklingt. Anschließend saugt der Blutegel etwa 10 bis 40 Minuten lang Blut an, wobei eine ganze Reihe von schmerzstillenden, entzündungshemmenden und gerinnungsaktiven Stoffen freigesetzt wird.

Blutegel können heute auf Rezept verordnet werden und sind in Apotheken erhältlich. Allerdings erfordert die Behandlung und auch die Nachbehandlung einige Zeit, Geduld und Ruhe. Am besten ist es, wenn man sich einen ganzen Tag Zeit nimmt. Blutegel benötigen für ihre „Arbeit“ Ruhe und einen halbdunklen Standort. Nachdem sich der Egel vollgesogen hat (es können je nach Anwendungsgebiet und Ort auch 2 bis 12 Tiere sein), fällt er von alleine ab. Aus der Wunde sickert nun über mehrere Stunden Blut und Lympfe nach. Dieser Effekt ist erwünscht und entspricht einem verlängerten Aderlass. Erst nach mehreren Stunden nach der Behandlung wird ein Verband aufgelegt, der regelmäßig (1-mal am Tag) gewechselt wird. Um den Heilungsprozess nicht zu stören, sollte die entsprechende Stelle erst eine Woche nach der Behandlung wieder gewaschen werden.

Blutegel statt Pillen?!

Die Blutegeltherapie wird von vielen Personen als außerordentlich ekelig empfunden. Wegen des relativ starken und langen Blutflusses ist dieses ausleitende Verfahren daher sicher nichts für schwache Gemüter. Studien zeigen jedoch, dass 80% der Patienten mit Kniegelenkarthrose (schmerzhafte Verschleißerscheinungen am Knie) nach der Anwendung der Blutegel bis zu drei Monate lang weniger Schmerzen hatten! Darüber hinaus kann die Blutegeltherapie auch bei anderen Erkrankungen hilfreich sein:

  • Venöse Erkrankungen wie Krampfadern
  • Akuter Gichtanfall
  • Infektionen wie Insektenstiche
  • Akute und chronische Mittelohrentzündung

Seit einiger Zeit wird die Blutegeltherapie auch bei Tinnitus direkt am Ohr eingesetzt.

Grenzen der Blutegeltherapie

Nach der Therapie kommt es üblicherweise zu einem mehr oder weniger starken Juckreiz an der entsprechenden Stelle, der unangenehm sein kann. Bei starken Nachblutungen sollte zudem mit dem behandelnden Arzt oder Heilpraktiker die Weiterführung oder Wiederholung der Therapie abgewogen werden. Nicht angewendet werden darf die Blutegeltherapie bei Gerinnungsstörungen, wie Bluter, bei Hauterkrankungen an den Anwendungsorten und bei manchen arteriellen Verschlusskrankheiten, die auch bei Diabetes auftreten können.

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