Nervosität vor dem Bewerbungsgespräch – Nützliche Anregungen und Tipps für Bewerbungsunerfahrene

Wie kann ich in einer Drucksituation die Ruhe bewahren? Was erwartet mich? Wie sollte ich mich verhalten? Dos und Don’ts für Jobsuchende.

Die erste Stufe ist geschafft. Sie wurden zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, dem sicherlich anspruchsvollsten Teil des Bewerbungszyklus. Für viele ist dies der Anlass zu absoluter Panik. Sie werden nervös, aufgeregt, schlafen gar schlecht vor lauter Stress. Woher kommt diese Anspannung?

Warum haben Sie Angst?

Paradoxerweise ist der Grund für diese unangenehmen Symptome in einem der wirkungsvollsten Schutzmechanismen des Körpers: der Fight or Flight – oder Kampf-oder-Flucht-Reaktion. Diese besagt, dass man in einer lebensbedrohlichen Situation blitzschnell entscheiden muss, ob man kämpft oder flüchtet – daher die Unruhe und all das Adrenalin. Was bei unseren Vorfahren wichtig war, wenn sie zum Beispiel einem wilden Tier gegenüberstanden, ist heute meistens eine unpassende und übertriebene Reaktion.

Aber wir können in der Regel selbst unseren Stress vermindern, indem wir Klarheit gewinnen, uns gut vorbereiten (auch mental), verantwortlich handeln und nicht zuletzt auch Entspannung und Sicherheit suchen.

Menschen reagieren unterschiedlich auf Drucksituationen. Angenommen, bei diesem Bewerbungsgespräch geht es um den Job, welchen sie sich seit Jahren über alles wünschen. Ein falsches Auftreten würde diesen Traum wie eine Seifenblase zerplatzen lassen. Doch das Denken ans Scheitern ist Gift für das Selbstvertrauen. Machen Sie sich Mut! Sie haben sich nicht umsonst trotz der großen Anzahl von Bewerbern für die nächste Stufe qualifiziert. Sie haben überzeugt. Das Unternehmen will sie!

Das größte Problem stellt für die meisten Leute die Tatsache dar, dass man sich im Gespräch auf dem Präsentierteller befindet, man sich ständig im Fokus einer oder mehrerer Personen befindet. Gesamtauftritt, Kommunikation, Körpersprache und Aussehen werden bewertet.

Der erste Eindruck zählt

Ein sicheres, selbstbewusstes Auftreten ist das allerwichtigste. Sind Sie zu unruhig und aufgedreht, erwecken Sie eher einen negativen Eindruck. Arroganz und Überheblichkeit sind natürlich genauso unangebracht. Der Mensch gewinnt den ersten Eindruck von einem anderen innerhalb der ersten Sekunden. Schlurfen Sie deshalb nicht wie ein Waschlappen in den Konferenzraum hinein, aber meiden Sie auch einen zu energischen, nervös wirkenden Gang. Ein nettes Lächeln, Augenkontakt und ein solider, nicht zu stark und auch nicht zu schwacher Händedruck ebnen den Weg für einen guten Start des Gesprächs. Sie wollen eine starke Persönlichkeit darstellen. Sprechen Sie deshalb nicht zu leise und sehen Sie Ihre Gegenüber an. Ein nervöses Umher- oder auf-den-Boden-Gestarre erweckt natürlich keine Begeisterung.

Eine gesunde Selbstreflektion ist ein absolutes Muss. Sie müsssen sich darüber im Klaren sein, wer Sie sind und was Sie wollen. Ich kam einmal in eine unerwartete Situation. Nachdem ich mich mit dem Personalchef über meine Qualifikationen und berufliche Laufbahn unterhalten hatte, klappte er auf einmal meine Bewerbungsmappe zu, schob sie in eine entfernte Ecke seine Schreibtisches und fragte einfach: „So Herr Reinsdorf, wer sind Sie?“ Mit diesem plötzlichen Umbruch rechnet man natürlich nicht. Da ich allerdings schon viele Bewerbungsgespräche hinter mir hatte und somit Erfahrung mitbrachte, wusste ich, was ich zu tun hatte. Ein schlichtes: „Ich bin Matthias Mustermann, 130 Jahre alt, geboren in… möchte an dieser Stelle keiner hören.“ Der Fragesteller möchte herausfinden, wie man in einer solchen Situation, quasi unter unerwartetem Stress umgeht.

Nun geht es darum, Werbung für sich selbst zu machen

Das fällt nicht jedem leicht. Man erleichtert es sich allerdings durch eine optimale Vorbereitung auf das Gespräch. Sie müssen das Unternehmen und ihre kommenden Aufgaben kennen. Auch diese, die vielleicht über Ihr Tätigkeitsfeld hinausgehen. Der Arbeitgeber will Engagement erkennen. Seien Sie außerdem nett, humorvoll aber nicht aufgesetzt. Sie zeigen, warum gerade SIE und nicht irgendjemand anderer diesen Job beherrschen würde. Offenbaren Sie Motivation und beschreiben Sie ehrlich, wieso Sie dieses Unternehmen reizt.

„Meines Erachtens erwarten mich im Unternehmen xy hervorragende Arbeitsbedingungen …“

„Ich hatte bereits während des Betrachtens ihrer Online-Präsentation einen sympathischen Eindruck …“

„Ich glaube, dass ich (aus diesen und jenen Gründen) bei ihnen meine beruflichen Ziele mit denen des Unternehmens verbinden kann …“

Seien Sie ganz Sie selbst

Ihre Aussagen und Ihr Auftreten müssen glaubwürdig erscheinen. Heutzutage werden 60 bis 70 Prozent der Jobs aufgrund der Persönlichkeit vergeben. Die fachliche Kompetenz ist nur in 15 Prozent der Fälle entscheidend. Die Schilderung der Motivation beeinflusst die Annahme laut Studien zu etwa 25 Prozent.

Das Wichtigste ist somit, Sympathie zu wecken. Das ist auch logisch, da Sie als Arbeitnehmer in den meisten Fällen in ein Team integriert werden und somit das Unternehmen nur durch einen sympathischen Menschen bereichert werden kann. Motivierte Angestellte können zudem die Kollegen mitreißen und steigern somit nicht nur die eigene Produktivität, sondern die des gesamten Unternehmens. Wenn Sie Ihrem Arbeitgeber außerdem schildern, dass diese neue Arbeit für Sie eine große Herausforderung und die Möglichkeit der Weiterentwicklung darstelle, wird er das gerne hören. Zumeist werden Sie schon während des Gespräches merken, ob der Funken überspringt.

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