Neue Erkenntnisse in der Aids-Forschung

Entschlüsselung des HI-Virus und die Gen-Variante bei Frauen. Aids bleibt eine Krankheit mit tödlichem Verlauf. Die Aids-Forschung bemüht sich um neue Erkenntnisse und bessere Medikamente. Zwei wichtige Schritte sind getan!

Der Wissenschaft sind zwei weitere Schritte auf dem Weg zu einer besseren Bekämpfung von AIDS gelungen. 30 Jahre, nachdem die Immunschwächekrankheit Aids erstmals auftauchte, ist es Wissenschaftlern jetzt gelungen, das Erbgut des HIV-Erregers zu entschlüsseln. Durch das Wissen um die Zusammensetzung und Funktionsweise des HI-Virus (HIV) ist der Medizin ein weiterer, wichtiger Schlüssel in die Hand gegeben, der es ermöglicht, bei der Entwicklung neuer, wirksamer Medikamente schneller voranzukommen. Die neuen Erkenntnisse wurden von Forschern der Universität von North Carolina erbracht.

Das Erbgut des HIV-Erregers ist entschlüsselt

Die Schwierigkeit bei der Entwicklung wirksamer Medikamente lag bisher darin begründet, dass das HI-Virus seine Erbinformationen in einer komplizierteren und damit sehr viel schwieriger lesbaren Struktur verbarg, als dies beim Erbgut des Menschen der Fall ist. Diese ist in einem DNA-Doppelstrang angelegt, das HI-Virus hingegen verfügt nur über einen RNA-Strang, welcher sich dann in die DNA der menschlichen Zelle einbaut und gut gegen die frühzeitige Entdeckung durch den menschlichen Organismus geschützt ist.

Die Forscher konnten nun eine Aufnahme des Genoms machen, die einen besseren Blick auf die Struktur gewährt und damit neue Informationen über die Funktionsweise des HI-Virus ermöglichen könnte. Durch die neuen Erkenntnisse erhoffen sich die Forscher Aufschluss darüber, ob und in welcher Form das HI-Virus auf am Genom vorgenommene Veränderungen reagiert.

Mutationen auf der Spur

Da das HI-Virus ein so genanntes Retrovirus ist, ist es in der Lage, sich immer aufs Neue zu verändern, das heißt sich durch Mutation gegen Medikamente zur Wehr zu setzen. Um den Kampf gegen solche Mutationen zu gewinnen, ist es notwendig, die Gen-Sequenz in ihrer Ganzheit zu kennen. Denn je präziser das Wissen über die Struktur und Mutationsmöglichkeiten des Genoms ist, desto intensiver lassen sich die Mutationen studieren. Dadurch können schließlich die Therapien effizienter eingesetzt werden.

Durch die neu gewonnenen Kenntnisse ist zwar die Frage nach der Heilung von AIDS noch nicht beantwortet, aber mit der Entschlüsselung des HIV-Erbguts ist auf jeden Fall ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer besseren Bekämpfung der Immunschwächekrankheit getan worden. Immerhin sind bisher weltweit über 25 Millionen Menschen infolge einer HIV-Infektion gestorben und weit über 30 Millionen sind an AIDS erkrankt beziehungsweise sind Träger des HI-Virus. Die momentan verwendeten Medikamente sind zwar in der Lage, die Ausbreitung des Virus im menschlichen Körper zu verzögern und die Symptomatik zu bekämpfen, aber eine vollständige Heilung ist nicht möglich.

Gen-Variante bei Frauen kann den Ausbruch von AIDS verzögern

Eine weitere, wichtige Erkenntnis ist Forschern des Fritz-Lipmann-Instituts im Rahmen einer internationalen Studie gelungen. Dabei wurde festgestellt, dass bei manchen Frauen zwischen dem Zeitpunkt der Infizierung mit dem HI-Virus und dem Ausbruch der Immunschwächekrankheit Aids ein größerer Zeitraum lag, als bei anderen. Als Ursache dieses Umstandes konnte eine Veränderung im X-Chromosom bei diesen Frauen ausgemacht werden.

Scheinbar wird der Erreger durch das Immunsystem von Frauen sehr viel länger unterdrückt, als dies beim männlichen Immunsystem der Fall ist. Die Studie belegt, dass eine Gen-Variante im Geschlechtschromosom X den Verlauf der Krankheit verlangsamt. Die Studie zeigt, dass bei HIV-Patientinnen nach der Infizierung über zehn Jahre vergehen können, bis eine Behandlung mit Medikamenten notwendig wird. Allerdings wird eine solche Behandlung bei circa der Hälfte der Patientinnen bereits nach ungefähr zwei Jahren nötig. Patientinnen mit der jetzt entdeckten Gen-Variante allerdings brauchen erst nach durchschnittlich acht Jahren mit der medikamentösen Behandlung zu beginnen. Laut der Studie sind in Afrika lediglich drei Prozent aller Frauen im Besitz dieser besonderen Gen-Veränderung, in Europa sind etwa 15 Prozent der Frauen Trägerinnen dieser Gen-Variante, in Asien aber über 50 Prozent.

Die Ergebnisse der Studie sind in sofern nützlich, dass sie helfen könnten, genauere Vorhersagen über den Krankheitsverlauf von Aids-Patientinnen abzugeben. Zudem besteht die Möglichkeit, dass die jetzt entdeckte Gen-Variante auf lange Sicht bei der Entwicklung neuer Medikamente gegen die Immunschwächekrankheit hilfreich sein könnte. Dennoch wird aber betont, dass immer noch etwa 85 Prozent der genetischen Faktoren, die den Krankheitsverlauf von AIDS bestimmen, unerforscht sind.

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