Neue Medien: Facebook-Partys, Flashmobs und digitaler Protest

Über soziale Netzwerke organisieren sich ganze Menschenmassen in kürzester Zeit zum Feiern, zum Vergnügen oder zum Protest – oft mit ungewöhnlichen Folgen.

Dieser Tage häufen sich wieder Meldungen über spontan entstehende Massenzusammenkünfte, deren Ursprung sich in der Ankündigung einer Veranstaltung über häufig frequentierte Netzwerke wie Facebook findet. Ein Paradebeispiel ist die Geburtstagsparty der 16-jährigen Thessa, zu der nach einer fehlerhaften Einladung unplanmäßig weit über 1000 Gäste erschienen. Diese Party musste von der Polizei aufgelöst werden. Facebook-Partys sind keine Seltenheit mehr und zeigen ganz eindrucksvoll, wie enorm der Einfluss des Internets auf das alltägliche Leben geworden ist.

Wie entsteht eine Facebook-Party?

Facebook bietet ein komfortables Tool, mit dem zu Veranstaltungen und Feiern eingeladen werden kann. Dieser Vorgang sollte nur wenige Minuten dauern und ermöglicht zum Beispiel das Verschicken von Einladungen zu einer Geburtstagsfeier ganz ohne Papier, ohne Ausdrucken und ohne „manuelles“ Zustellen der Einladungen. Eines sollte jedoch in jedem Fall beachtet werden: Eine Checkbox entscheidet darüber, ob jeder Facebook-User Zugang zu der Einladung erhält und die Veranstaltung damit eine öffentliche ist oder eben nicht. Ob diese Checkbox markiert wird oder nicht kann also recht schicksalhafte Bedeutung für den Einladenden haben. Denn wann rechnet ein normaler User auf seiner Party schon mit mehreren tausend Gästen?

Nicht nur bei Partys: Spontane Massenzusammenkünfte gibt es überall

Neben den ungewollten Entgleisungen bei den sogenannten Facebook-Partys existieren auch durchaus bewusste Anwendungen dieser Form der digitalen Gruppendynamik. Unter dem Stichwort „Flashmob“ werden über das Internet oder spezieller über soziale Netzwerke spontane Zusammenkünfte organisiert. Dies dient häufig der Belustigung. So staunten die Passanten auf der Kölner Domplatte sicher nicht schlecht, als es dort eines Tages urplötzlich zu einer spontanen Kissenschlacht mit tausenden Teilnehmern kam. Ebenso ist sicher selbst das professionellste Fast-Food-Restaurant kaum darauf vorbereitet, dass plötzlich Hunderte „Flashmobber“ einströmen und nach leckeren Hamburgern gieren. Das Besondere am Flashmob: Im Normalfall wissen nur die Teilnehmer selbst, dass es zum jeweiligen Event kommen wird. Der Rest der Menschen wird also vor vollendete Tatsachen gestellt. Im Vergleich zu eskalierenden Partys sind echte Flashmobs jedoch grundsätzlich gewollt.

Digitaler Protest: Flashmobs als Mittel im Kampf gegen Unterdrückung

Zu Beginn des Jahres 2011 hielt die Welt den Atem an, als in mehreren nordafrikanischen und arabischen Ländern unerwartet schwere öffentliche Proteste begannen, die von großer Gewalt geprägt waren, in offenen Bürgerkriegen mündeten und zum Teil mit einem Machtwechsel endeten. Auch hierzulande war man zum Teil sehr überrascht, wie effektiv und vor allem rasant die unterdrückte Bevölkerung in den betroffenen Ländern sich im Kampf gegen das Regime organisierte. Mittlerweile ist klar, dass die Menschen dabei vor allem auch auf Dienste wie Facebook und Twitter zurückgegriffen haben, die von staatlicher Seite bisweilen eher schlecht kontrollierbar sind, so weit diese Dienste verfügbar waren. Schließlich liegt es im Wesen eines Flashmobs, dass dieser kaum vorhersehbar ist, sich meist urplötzlich bildet und einen eher ungewissen Verlauf nimmt. Zwischen der Idee zu einem Flashmob und der tatsächlichen Zusammenkunft zahlreicher Menschen, sei es auch zum Protest, liegen mitunter wenige Minuten.

Der Mensch reorganisiert sich, die Gesellschaft wandelt sich rasant – auch durch Facebook, Twitter & Co.

Egal ob Facebook-Party, Spontan-Kissenschlacht oder Protest-Kundgebung: Letztlich handelt es sich um eine plötzliche Zusammenkunft von Menschen, die es in ihrer Spontaneität und Kurzfristigkeit so nur durch das Internet geben kann. Das Internet ermöglicht menschliche Kommunikation über alle zeitlichen und räumlichen Grenzen hinweg, und fördert so auch völlig neue Formen der Organisation und damit neuartige Aktivitäten. Je nach Situation kann so etwas entsetzlich (Geburtstagsparty), skurril (öffentliche Kissenschlacht) oder historisch relevant erscheinen (Arabischer Frühling). In jedem Fall ist aber mit weiteren spontanen Großereignissen zu rechnen. Das Internet und speziell soziale Netzwerke dienen eben nicht nur der Unterhaltung und Freizeitgestaltung, sondern sie gehören mittlerweile zum sozialen Leben dazu, beeinflussen die Gesellschaft und werden von ihr aktiv genutzt.

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