Onanie ist nicht krankhaft

Selbstbefriedigung, Autoerotik oder Masturbation sind nicht pervers.

Trotz sexueller Revolution und Aufklärung gibt es immer noch viele Missverständnisse zum Thema Onanie. Ein paar Worte zur Beruhigung aufgeregter Eltern.

 

Erschreckt beobachten Eltern bei ihren Kindern die Entdeckung des eigenen Körpers – des Nachwuchses. Und doch handelt es sich um ein natürliches Geschehen: Veraltete Moralbegriffe und Unkenntnis tyrannisierten ganze Generationen. Erfahrene Ärzte sind der Meinung, dass jedes Kind diese Periode der gespielten oder gelungenen kindlichen Selbstbefriedigung erlebt.

Kindliche Onanie

Manche Eltern merken gar nicht, dass es sich um Lustempfinden handelt, oft reagieren sie falsch, indem sie dem Kind beim zufälligen und unschuldigen Berühren seiner Geschlechtsregion auf die Finger schlagen und damit seine Neugier erst recht erwecken. Es ist natürliche Neugier, wenn ein Kleinkind bei gewissen mechanischen Bewegungen mit jener Befriedigung bekannt wird, die später sein ganzes Leben beeinflussen soll.

Jugendliche Selbstbefriedigung bei Jungen

Mit zunehmendem Alter verknüpft der junge Mensch die wachsende Spannung und nachfolgende Entspannung mit fantasiereichen Pubertätsvorstellungen. Während man früher den Jungen oder das Mädchen bestrafte, in ein dunkles Zimmer einschloss und den heranwachsenden Teenager vor fürchterlichen Folgen der „Selbstbefleckung“ warnte, rät der Arzt heute den Eltern, kein Aufheben von diesen Fingerspielereien zu machen.

Eltern sollten ihren Kindern durch natürliche Erklärungen die Angst nehmen: Um das zehnte, zwölfte Lebensjahr herum haben viele Jungen in der Pubertät spontane, meist nächtliche Samenentleerungen, die völlig normal sind, auch wenn der medizin-lateinische Fachbegriff Pollutionen übersetzt soviel wie Besudelung oder Verschmutzung heißt. Auf jeden Fall ist es falsch zu drohen und von schrecklichen Krankheiten zu sprechen. Solche Vorhaltungen haben psychische Fehlentwicklungen zur Folge, weil sich der junge Mensch nicht zu enthalten vermag.

Autoerotik bei Mädchen

Beim Mädchen hielt man die Autoerotik früher für eine Ausnahme, da die Geschlechtsteile weniger zu Spielereien Anlass gäben. Sicher übersah man die meisten Fälle. Bei der Frau spielt die hohe Empfindlichkeit der Klitoris die provozierende Rolle. Der damit verbundene Orgasmus erhöht angeblich Chancen, im ehelichen Verkehr befriedigt zu werden.

Onanie ethisch wertvoll

Früher rieten Ärzte bei außergewöhnlichen Lebensumständen, die besonders im Leben des Mannes eine lange Abstinenzperiode zur Folge haben (langjährige Trennung der Ehepartner durch Krieg, Forschungsreisen), zum Autoerotismus als triebdämpfendem und befreiendem Mittel. Der Hypnoseforscher Albert Moll prägte für diese Art von Selbstregulierung des Sex den Ausdruck „ethische Onanie“.

Onanie im Liebesspiel?

Die Bezeichnung Onanie hat manches Missverständnis hervorgerufen. Sie geht auf ein Kapitel des Alten Testaments zurück (1. Mose 38,8-10). Danach sollte Onan auf seines Vaters Geheiß dem Weibe seines Bruders beiwohnen. Der Bruder war von Gott getötet worden, und Onan wusste, dass der Same nicht sein eigen sein sollte, wenn er einging in seines Bruders Weib. Da ließ er ihn auf die Erde fallen und verderben. Für seinen Trotz tötete auch ihn der Herr, nicht aber für die Selbstbefleckung. Onans Tat wurde von den Kirchenvätern als Verbrechen abgestempelt. Während man im christlichen Mittelalter die Selbstbefriedigung mit Kirchenbußen belegte, betrachteten die Griechen die Onanie als ein von der Natur geschaffenes Ventil. Deshalb sollte man nicht von Selbstbefriedigung sprechen, wenn die Erregung des Mannes, durch die Frau manuell gesteuert, mit oder ohne Absicht frühzeitig den Samen verströmen lässt.

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