Plagiocephalie: Wenn Babys Kopf asymmetrisch ist

Bei Kopfverformungen können Krankengymnastik und Helmtherapie helfen. Babys mit Plagiocephalie kann geholfen werden. Über Möglichkeiten der Behandlung und was Eltern selbst tun können.

Wenn die neun Monate alte Mathilda durch die Wohnung robbt, stützt sie sich mit dem rechten Fuß ab, der linke ist nur selten im Einsatz. Mama Julia krabbelt dann auf allen Vieren hinterher und gibt links Hilfestellung. Mathildas einseitige Vorliebe hat jedoch überhaupt nichts mit ihren Füßen zu tun, sondern mit der Diagnose Plagiocephalie. Die stellte ihr Kinderarzt, als die Kleine acht Wochen alt war. Mathilda hatte beim Liegen auf dem Rücken stets eine Lieblingsseite. Die Folge: Ein asymmetrischer Kopf – die eine Seite ist normal gerundet, die andere abgeflacht.

Ursachen von Plagiocephalie und Brachycephalie

Die Zahl der Kinder in Deutschland, bei denen Plagiocephalie (eine einseitige Abflachung des Kopfes) oder Brachycephalie (eine Abflachung des ganzen Hinterkopfes) diagnostiziert wird, ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Ein Grund dafür ist, dass Kinderärzte seit Mitte der 1990er Jahre den Säuglingsschlaf auf dem Rücken propagieren, um die Gefahr des plötzlichen Kindstods zu minimieren. Die Rechnung ging auf, allerdings auf Kosten schön geformter Kinderköpfe. Doch Schädelasymmetrien sind nicht immer lagebedingt. Sie können auch im Mutterleib oder während der Geburt entstehen. Unbehandelt führen Asymmetrien in manchen Fällen zu Fehlstellungen der Wirbelsäule, auch die Motorik wird beeinflusst.

Behandlung durch Krankengymnastik

Kinder mit Kopfverformungen sollten möglichst früh behandelt werden. Darüber, wie die Behandlung aussieht, sind sich Kinderärzte jedoch nicht einig. Einige empfehlen die sogenannte Helmtherapie, andere halten davon nichts und verschreiben stattdessen physiotherapeutische Übungen, die Wahrnehmung, Fingerfertigkeit und Motorik verbessern sollen. Auch Mathilda ist regelmäßiger Gast bei einer Krankengymnastin. „Die Übungen, die dort gemacht werden, zielen darauf ab, Mathildas „schwache Seite“ zu stärken“, erklärt die Mutter der Kleinen. Das langsame „Symmetrisch-Werden“ des Kopfes soll so unterstützt werden. Auch ein Helm war bei Mathilda kurz im Gespräch. Die Asymmetrie des Mädchens war jedoch grenzwertig. Eine eindeutige Empfehlung für den Helm wollten die Spezialisten nicht abgeben.

Behandlung durch Helmtherapie

Mit der Helmtherapie, auch „dynamische Cranio-Orthese“ genannt, werden stark abgeflachte Kopfformen behandelt. Schädelverformungen lassen sich besonders im ersten Lebensjahr sehr gut behandeln. In diesem Zeitraum sind die Strukturen des Kopfes noch nicht vollständig verknöchert. Er ist noch weich und formbar. Ein Kunststoffhelm bietet im Bereich der Verformung einen Freiraum, in den der Kopf „hineinwachsen“ kann um so nach einiger Zeit seine natürliche Form zu erhalten. Kritiker erklären jedoch, die Wahrnehmung sowie die Entwicklung der Sinne würden mit einem Helm empfindlich gestört.

Ergänzende Maßnahme Osteopathie

Mittels osteopathischer Techniken können bei Schädelasymmetrien Spannungen und Blockaden gelöst werden. Kinderärzte helfen in der Regel bei der Suche nach einem auf Kinderosteopathie spezialisierten Osteopathen weiter.

Lagerung und Lagerungshilfen

Kann sich das Baby noch nicht alleine drehen, hilft, es tagsüber so oft wie möglich auf den Bauch zu legen – in dieser Position wird kein Druck auf den Kopf ausgeübt. Die Seite, die Baby nicht mag, sollte ihm „schmackhaft gemacht“ werden. Wenn dort die Fingerpuppen tanzen, oder aus dieser Richtung vorgesungen wird, ist der Anreiz, das Köpfchen zu drehen umso größer. Auch eine Handtuchrolle im Rücken zur Unterstützung der Seitenlage, die das Baby sonst meidet, kann helfen. Wenig tun können Eltern in der Nacht, in der weder Bauchlage noch ein Handtuch im Bett Alternativen sind. Ein erst vor Kurzem entwickeltes Kissen namens BabyDorm, das Tag und Nacht einsetzbar ist, verspricht Besserung. Bei ihm ruht der Schädel auf einer Membran, um so Druck zu vermeiden. Alle flankierenden Maßnahmen sollten mit dem Kinderarzt abgesprochen werden.

Die Entwicklung des Kopfes auf Fotos dokumentieren

Egal wie Babys flacher Kopf behandelt wird: Bis er wieder symmetrisch ist, geht einige Zeit ins Land. Deshalb gilt für alle betroffenen Eltern: Nicht ungeduldig werden! Fortschritte lassen sich gut auf Fotos erkennen. Fotografiert werden sollte etwa alle vier Wochen aus der gleichen Perspektive.

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