Plötzlicher Kindstod – Häufigste Todesursache im Kleinkindalter

Die häufigste Todesursache im Kleinkindalter: Täglich stirbt ein Kind in Deutschland am „Sudden Infant Death Syndrom“ – Prävention durch einfache Maßnahmen.

Der plötzliche Kindstod ist ein sensibles Thema, mit dem sich kaum jemand zu beschäftigen vermag. Das „Sudden Infant Death Syndrom“ (SIDS), so heißt es im medizinischen Sprachgebrauch (auch Krippentod genannt), bringt Eltern unerwartet an ihre emotionalen Grenzen.

Häufigste Todesursache im Kleinkindalter

Jeden Tag stirbt in Deutschland ein Baby – in den allermeisten Fällen innerhalb des ersten Lebensjahres – am plötzlichen Kindstod. Trotz des starken Rückganges in den vergangenen Jahren, ist er weiterhin die häufigste Todesursache im Kleinkindalter. Im Jahr 2003 etwa, so gibt es das Bundesamt für Statistik an, starben in Deutschland noch immer 372 Kinder am Krippentod, darunter waren 223 Jungen (60%).

Über 8400 verschiedene medizinische und wissenschaftliche Studien wurden in den letzten 50 Jahren zu dieser Thematik geführt. Kontrovers diskutiert, gibt es mittlerweile über 200 verschiedene Theorien, die das Phänomen des plötzlichen Kindstodes zu erklären versuchen.

Was ist SIDS?

Das Sudden Infant Death Syndrom bezeichnet den unerwarteten Tod eines Säuglings, vorrangig im ersten Lebensjahr, dessen Todesursache weder anhand einer Anamneseerhebung (Vorgeschichte), noch durch gründliche Obduktion genau festgestellt werden kann. Der plötzliche Kindstod wird also dann diagnostiziert, wenn durch pathologische und rechtsmedizinische Untersuchungen, Krankheiten und Unfälle ausgeschlossen werden können.

Wissenschaft und ihre Grenzen

Trotz zahlreicher Studien ist es nach wie vor nicht möglich, endgültige Aussagen über den Grund des plötzlichen Kindstodes zu treffen. Denkbar erscheint, dass ein Zusammentreffen von äußeren (Umgebung) und inneren Faktoren das Risiko des Sudden Infant Death Syndrom erhöht. Laut diverser Theorien können ein gestörter Blutfluss zum Hirnstamm, Störungen im Stoffwechsel, Krankheitserreger, toxische Gase und/oder Impfungen Verursacher des unerwarteten Todes sein.

Aufgrund der nach wie vor ungeklärten Mechanismen, welche verantwortlich sind für den plötzlichen Kindstod, konnten nur anhand von Statistiken und Befragungen Risikofaktoren und daraus zu schließende Gegenmaßnahmen ermittelt werden. Jene sind dennoch keine Garantie und stellen lediglich eine Minderung des Risikos dar.

Risikofaktoren

Rechtsmedizinische Untersuchungen haben ergeben, dass Säuglinge in den meisten Fällen in ihrer Schlafumgebung verstorben sind. Daher ist es umso wichtiger, genau hier die Ansätze der Risikominimierung zu suchen.

  • Rauchen

Unbestritten ist es, dass eine rauchbelastete Umgebung schädlich für Kinder ist. Es gilt das Gesetz des absoluten Rauchverbotes während und nach der Schwangerschaft. Der Nikotinkonsum als Einzelfaktor hat somit die höchste Bedeutung. Drastische Einschätzungen besagen, dass jede Stunde, die ein Kind in einem verrauchten Raum verbringt, dass Risiko erhöht.

  • Schlafen

30 Prozent der verstorbenen Kinder werden durch Rechtsmediziner und ersteintreffende Helfer in Bauchlage aufgefunden. Statistiken und Untersuchungen haben ergeben, dass das Schlafen in Rückenlage das Risiko deutlich senken kann. Hingegen ist das Schlafen im Elternbett insofern bedenkenlos, solange es auf Phasen zum Stillen und Trösten eingeschränkt wird.

  • Temperatur und Schlafumgebung

Das Kind ist unbedingt vor Überwärmung zu schützen. Die optimale Raumtemperatur liegt bei 16°-18°C. Statistiken zeigen, dass besonders Kinder, welche durch Impfungen und Infektionen erhöhte Körpertemperaturen aufweisen, gefährdet sind. Die Benutzung von angepassten Säuglings-Schlafsäcken sollte Kopfkissen, Mütze und Decke ersetzen, welche strikt abzulehnen sind. Hier besteht zusätzlich die Gefahr des Erstickens.

  • Stress und Zuwendung

Ein nicht unerhebliches Restrisiko ist dem sozialen Umfeld des Kindes zuzuschreiben. Kinder, welche stressfrei, in einem harmonischen Umgang aufwachsen, versterben seltener am plötzlichen Kindstod.

Prävention durch einfache Maßnahmen

Die wohl einfachste und effektivste Maßnahme ist die detaillierte Aufklärung der Eltern. Spätestens wenn sie aus der Geburtsklinik mit ihrem Neugeborenen entlassen werden, sollten ausführliche Informationen über diese Thematik vorhanden sein. Leben gewährleisten und den Tod verhindern, sollte höchstes Gut der elterlichen Verantwortung sein. Folglich können einfache Maßnahmen dem gerecht werden:

  • Schlafen in Rückenlage
  • Co-Rooming (Schlafen im Zimmer der Eltern)
  • Feste, luftdurchlässige Matratze
  • Keine Kopfkissen, keine Federbetten, keine Mütze
  • Zimmertemperatur 16-18° C
  • Frische Luft – Überhitzung vermeiden
  • Rauchfreie Umgebung – Nikotinverbot während und nach der Schwangerschaft
  • Stillen

Reanimation eines Säuglings

Vor eine sehr schwierige Situation werden Eltern gestellt, die ihr Kind trotz aller Vorsichtsmaßnahmen plötzlich bewusstlos vorfinden. Hier gilt es schnell und effektiv zu handeln. Jede Sekunde, in der nichts getan wird, kann die Letalität steigern. Die Reanimation eines Säuglings, demnach des eigenen Kindes, ist eine emotional sehr schwierige Aufgabe. Diese ist dennoch sehr wichtig, da sie das Leben des Kindes retten kann. Zudem stellt deren Unterlassung sogar einen Straftatbestand der unterlassenen Hilfeleistung dar. So ist es wichtig, sich über die Erste-Hilfe-Maßnahmen bei einer Säuglings-Reanimation zu informieren.

Obduktion und Entlastung von der Schuldfrage

Immer gilt es zu bedenken, dass nicht jeder Säugling, der tot aufgefunden wird, am Sudden Infant Death Syndrom verstorben ist. Andere Ursachen, wie Infektionskrankheiten, Stoffwechselstörungen oder Fehlbildungen können Grund eines kindlichen Sterbens sein. Um eindeutig Klarheit zu schaffen und einen unnatürlichen Tod nachzuweisen oder auszuschließen, ist die medizinische Obduktion eine Möglichkeit, um die Todesursache genau festzustellen. Eltern können hier eindeutig von der Schuldfrage entlastet werden, neue Erkenntnisse über die Vermeidbarkeit des Todes gewonnen und Informationen über ein eventuelles Wiederholungsrisiko bei zukünftigen Kinder erschlossen werden.

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