Pornostar Belladonna im Interview: „Ich wollte Geld, Ruhm & Sex“

Fünf Tattoos, eine Zahnlücke und silikonfreie Brüste. Das sind nicht unbedingt die gängigen Schönheitsmerkmale von Sexfilm-Darstellerinnen. Michelle Sinclair hat es trotzdem, oder sogar deswegen, zu einer der erfolgreichsten Protagonistinnen der Adult-Entertainment-Branche gebracht: Unter dem Pseudonym Belladonna wirkte die 29-Jährige in über 200 Pornos mit, führt heute eine eigene Produktionsfirma – und orientiert langsam ins „seriöse“ Fach. Nachdem sie in der Doku „9to5: Days In Porn“ mitwirkte, spielt sie auch eine Rolle in dem Horrorfilm „Stripped“, der 2011 in die Kinos kommt. WF interviewte die US-Amerikanerin über ihre Erfahrungen in der Sex-Industrie.

Hätten Sie sich jemals träumen lassen, Pornostar zu werden?

Belladonna: Nein – ehrlich gesagt, hatte ich noch nicht einmal einen Porno gesehen, als ich das erste Mal in einem mitgespielt habe.

Wie sind Sie dann in dieser Branche gelandet?

Belladonna: Mich hat irgendwann eine Bekannte angerufen und meinte, sie wäre jetzt bei einer Porno-Agentur in Los Angeles. Und ob ich mir vorstellen könnte, das einmal auszuprobieren. Am nächsten Tag bin ich von Utah nach L.A. geflogen, um zu drehen.

Warum?

Belladonna: Ich war damals 18 und mich hat seinerzeit nichts interessiert außer Geld, Ruhm und sexueller Zuwendung.

Sie sind als Mormonin erzogen worden und aufgewachsen. Hatte das keinen Einfluss auf Ihre berufliche Entscheidung?

Belladonna: Diese Religion hatte definitiv großen Einfluss auf mich, vor allem in sexueller Hinsicht. Ich hatte jahrelang Schuldgefühle, wenn ich masturbiert habe. Und ich habe mich schuldig gefühlt, Pornos zu drehen. Aber gerade der Beruf hat mir dabei geholfen, mich davon zu befreien. Ich habe gelernt, dass es völlig okay ist, sich selbst – und andere – zu befriedigen. Hauptsache, man fühlt sich dabei wohl und mag die Menschen, mit denen man es tut. Wenn Sie sich meine Filme in chronologischer Reihenfolge angucken, können Sie erkennen, welche Entwicklung ich über die Jahre vollzogen habe.

Gibt es etwas in Ihrer Karriere, worauf Sie besonders stolz sind?

Belladonna: Da fallen mir so viele Sachen ein… Ich bin stolz darauf, nichts auf Leute gegeben zu haben, die mir dauerhaften Erfolg absprechen wollten oder meine Tattoos unsexy fanden. Ich bin stolz darauf, meine Sexualität entdeckt zu haben und andere sexuell positiv zu beeinflussen. Ich bin stolz auf meine 35 Auszeichnungen und darauf, dass ich zwei Häuser besitze, um die Welt reisen kann und ein schönes Leben habe.

Apropos Tattoos – Sie entsprechen nicht gerade den üblichen Schönheitsidealen der Branche. War es für Sie deshalb schwerer, Erfolg zu haben?

Belladonna: Anfangs hatte ich es wegen meiner Tätowierungen bei vielen Produktionsfirmen tatsächlich schwer, gebucht zu werden. Während der Drehs wurde ich dann so positioniert, dass die Tattoos nicht zu sehen waren. Oder ich musste sie irgendwie bedecken. Die Pornobranche war damals noch nicht bereit für ein Mädchen wie mich. Die Welt da draußen aber schon – weshalb ich bis heute erfolgreich bin!

Waren diese Startschwierigkeiten der Grund, warum Sie sich auf bestimmte Genres konzentriert haben, oder müssen heutige Pornostars generell solche Spezialgebiete haben?

Belladonna: Nein, obwohl es sicher auch nichts schadet. Ich glaube aber, bei mir finden die Leute gut, dass ich immer wieder neue Dinge ausprobiere, die mich anmachen.

In „9to5: Days in Porn“ machen Sie in einer Dokumentation über die Pornoindustrie mit. Ist Ihnen der Blick hinter deren Kulissen ein besonderes Anliegen?

Belladonna: Der Kontakt zu den Machern kam eigentlich nur zustande, weil ich Katja Kassin für eine Lesben-Szene in meinem Film „Fetish Fanatic 3“ gebucht hatte. Sie machte bei „9to5“ mit und mit meiner Erlaubnis durfte das Drehteam der Doku sie an unser Set begleiten. Am Ende des Tages hatten sie mich überredet, auch dabeizusein. Mir ist bei solchen Dokumentationen wichtig, dass man zeigt, was wirklich los ist. Leider wollen die meisten nur die negativen Aspekte der Branche beleuchten. Dabei ist Porno wie das Leben: Es gibt gute und schlechte Seiten.

Die Karriere eines Pornostars dauert nicht ewig. Wie soll es bei Ihnen weitergehen?

Belladonna: Ich bin inzwischen ja schon Produzentin und Regisseurin, drehe einen Streifen pro Monat. Außerdem fahre ich mindestens einmal monatlich zu Fan-Treffen. Aber ich werde auch noch mit anderen Projekten von mir hören lassen.

Wenn eine junge Frau Pornos drehen will, was raten Sie ihr?

Belladonna: Recherche ist das A und O! Stelle vorab jede Frage, die Dir in den Sinn kommt. Und informiere Dich über diese Branche und diesen Job so genau und ausführlich, wie Du es bei jedem „seriösen“ Beruf tun würdest.

Eine Frage zum Schluss: Tun Pornodarstellerinnen immer nur so, als hätten sie Spaß am Sex?

Belladonna: Natürlich gibt es viele, die das Ganze nur des Geldes wegen machen. Ich gebe mir als Produzentin aber Mühe, Darstellerinnen zu verpflichten, denen es auch um den Sex geht. Man kann nämlich beides genießen: die Bezahlung und den Spaß. Wenn einem das gelingt, dann ist dieser Job wirklich großartig!

Mehr Informationen zu Belladonna

Unter ihrem richtigen Namen Michelle Sinclair wuchs die 29-Jährige in der Mormonen-Metropole Salt Lake City im US-Bundesstaat Utah auf. Mit 15 schmiss sie die Schule hin und zog von zuhause aus. Drei Jahre und einige Aushilfsjobs später stieg sie ins Pornobusiness ein und legte sich das Pseudonym Belladonna zu. Als Pornodarstellerin machte sie in über 200 Produktionen mit und erhielt dafür zahlreiche Branchen-Preise. Seit Ende 2003 arbeitet sie als Regisseurin ihrer eigenen Produktionsfirma Belladonna Entertainment und wirkt nur noch gelegentlich in lesbischen Szenen mit. Sie ist verheiratet und seit Januar 2005 Mutter einer Tochter. In der Dokumentation „9to5: Days in Porn“ ist sie eine der Hauptdarstellerinnen. Der Münchner Regisseur Jens Hoffmann wirft darin in mehreren Episoden ebenso lebensnah wie nüchtern einen Blick hinter die Kulissen der Pornoindustrie. Demnächst steht sie für den Horrorfilm „Stripped“ vor der Kamera.

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