Schlank durch Wölbspiegel – das Einkaufserlebnis

Kleine Spiegel-Mogeleien in den Geschäften sorgen dafür, dass der Kunde in der anprobierten Kleidung schlank wirkt – und das modische Stück dann kauft.

Ist es Ihnen auch schon so ergangen: Sie probieren in einem Geschäft eine Jeans an und sie sitzt wirklich gut. Ein Blick in den Spiegel zeigt, dass Sie glatt auf die nächste Diät verzichten können, so schlank macht diese Jeans. Zu Hause sieht die Welt allerdings anders aus: Die Jeans passt immer noch gut, aber so schlank wie in Ihrer Erinnerung sind Sie nicht mehr.

Anprobe im Spiegelkabinett?

Diese Sache hat leider System, wie die Autorin in zahlreichen Geschäften feststellen konnte. Wie in einem Spiegelkabinett gibt es Spiegel, die runder erscheinen lassen, und Spiegel, die Sie schlanker wiedergeben. In vielen (wahrscheinlich sogar allen) Umkleidekabinen sind die Spiegel nicht mehr plan, sondern leicht nach außen gewölbt, das heißt, die Mitte des Spiegels liegt näher zu Ihnen als der Rand. Physiker nennen solche Spiegel Zylinder- oder Wölbspiegel, da man sie sich als Teil eines Zylindermantels bzw. einer Kugel vorstellen kann. Natürlich sind die Verhältnisse nicht so extrem wie in einem Spiegelkabinett, aber bemerkbar.

Fahren Sie einfach das nächste Mal beim Anprobieren mit den Fingern über die obere Spiegelkante und Sie werden ins Staunen kommen. Es sind meist schon einige Zentimeter, die der Spiegel abweicht… und die haben ihre Wirkung auf die Figur! Schließlich sollen Sie die schlankmachende Jeans ja auch kaufen. In einigen Geschäften werden die mehr oder weniger deutlichen Wölbspiegel mit einer Zierleiste oben kaschiert, man spürt es aber immer noch.

Der Wölbspiegel – So funktioniert der Schlankeffekt

Aber wie lässt ein Wölbspiegel die abgebildete Person schlanker erscheinen? Ein normales Spiegelbild entsteht, indem Lichtstrahlen an der ebenen Spiegelfläche reflektiert werden und in Ihr Auge treffen (wo sie einen Sehreiz auslösen). Diese Reflexion folgt genauen physikalischen Gesetzen: Parallele Lichtstrahlen sind auch nach der Reflexion am Spiegel wieder parallel. So ist beim ebenen Spiegel das Bild und das Original (nahezu) identisch.

Ist der Spiegel jedoch gekrümmt, befolgen die Lichtstrahlen zwar immer noch die physikalischen Gesetze, aber die Lichtstrahlen werden durch die Krümmung in unterschiedliche Richtungen reflektiert. So sind parallele Lichtstrahlen nach der Reflexion nicht mehr parallel, sondern divergieren leicht nach außen. Von einem Hohlspiegel, einem nach innen gewölbten Spiegel, ist Ihnen wahrscheinlich bekannt, dass er – ähnlich wie eine Sammellinse – die Lichtstrahlen in einem Punkt, dem Brennpunkt, sammelt. Das Abbild eines Gegenstandes oder einer Person erhält man, indem man es aus Parallel- und Brennstrahlen konstruiert. Beim Hohlspiegel entstehen so Abbilder unterschiedlicher Größe, teilweise auch auf dem Kopf stehend.

Genauso stört auch ein gewölbter Spiegel das originalgetreue Abbild, es entsteht ein Zerrbild, das unabhängig von der Entfernung aufrecht und verkleinert ist. Hat man nur eine einfach vorgewölbte Fläche und wählt Krümmung und Abstand im richtigen Verhältnis, erscheinen die abgebildeten Personen zusammengepresst, eben schlanker.

Eigene Experimente mit Suppenlöffel oder Spiegelfolie

Schon mit einem einfachen gerundeten Suppenlöffel oder einer Spiegelfolie können Sie Ihr Gesicht verändern, also vergrößern, aber auch verkleinern und verschlanken. Natürlich müssen Sie mit dem Abstand etwas variieren, um die einzelnen Effekte herauszufinden. Wenn Sie jedoch auf die gewölbte Fläche des Suppenlöffels oder auf die zu einem Zylinder zusammengerollte Spiegelfolie schauen, entstehen unabhängig von der Entfernung nur aufrechte und verkleinerte Bilder. Hat man keine kugelförmige Wölbung, sondern wie beim Kaufhausspiegel nur eine Wölbung in der Senkrechten, entsteht ein schmaleres Abbild, also genau der Effekt, der beim Schlankmogeln erwünscht ist. Auch eine glänzende Christbaumkugel ist ein guter Experimentiergegenstand, nur sind hier die Verhältnisse natürlich extrem.

Fazit?

Sie sollten immer eine weitere Person zum Einkaufen mitnehmen, auf deren Urteil Sie vertrauen können. Einem Spiegel kann man eindeutig nicht trauen. Und auch die Männer können ja einmal in den Herren-Abteilungen nachsehen, ob die Spiegel dort auch gewölbt sind.

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