Senioren beraten und helfen – Rezept gegen das Altern: Senioren engagieren sich für andere

Unsere Gesellschaft braucht bürgerschaftliches Engagement und ehrenamtliche Arbeit. Immer mehr rüstige Rentner setzen ihre Lebens- und Berufserfahrung dafür ein.

Wem es nicht genügt, seine Rolle als Oma oder Opa zu erfüllen, dem bieten sich im Rentenalter eine Fülle von Möglichkeiten, die neue Freizeit und Freiheit zu nutzen. Vor allem gut ausgebildete Fachkräfte oder Menschen in Führungspositionen, die ein Leben lang viel geleistet haben, die selbst ausgebildet haben, Abteilungen geleitet, Unternehmen geführt haben, empfinden das Ende ihres Erwerbslebens nicht selten als Schock – von dem sich manche nicht erholen.

Rentner verfügen über spezifisches berufsbezogenes Wissen, effektive Handlungsstrategien, besondere kommunikative Fähigkeiten, Offenheit für neue Anforderungen und nicht zuletzt über eine Menge Lebenserfahrung. Aber von einem Tag auf den anderen sind Berufserfahrung, Fach- und Branchenwissen, Menschenkenntnis und geschulte Instinkte plötzlich nicht mehr gefragt.

Wer sich rührt, rostet nicht

Statt in ein Lamento über solche Art von Ressourcenverschwendung auszubrechen, entscheiden sich immer mehr Senioren, ihre Fähigkeiten und Erfahrungen weiterzugeben an Menschen, die bezahlbaren, unabhängigen Rat dringend brauchen. Inzwischen schon bundesweit unterstützen die Senior-Experten in Vereinen wie „Senioren helfen Existenzgründern“, „Alt hilft Jung“ oder „Wirtschaftssenioren“ z.B. Existenzgründern bei ihren ersten Schritten in die Selbständigkeit: Sie prüfen Geschäftsideen, erarbeiten Bussinesspläne oder entwickeln Finanzierungsmodelle, beraten bei der Standortwahl oder helfen bei der Suche nach Investoren.

Aber nicht nur Unternehmer in der Gründungsphase, auch Betriebe, die in wirtschaftliche Schieflage geraten sind, profitieren von der Erfahrung, Branchenkenntnis und dem Spürsinn der „alten Hasen“: Ihr Knowhow ist gefragt bei der Beschaffung von Bürgschaften oder Krediten ebenso wie bei Unternehmensumgestaltungen und Neuorientierungen – getreu dem Motto: Den Jungen auf die Sprünge helfen und dabei selbst jung bleiben.“

Einsatz auch im Ausland

Das Engagement der rüstigen Rentner beschränkt sich nicht nur auf Wirtschaftsberatung. „Senioren helfen nach Katastrophen (SeheKa)“ ist eine Plattform, entstanden in Zusammenarbeit zwischen dem Institut für Gerontologie der Universität Heidelberg und der Robert Bosch Stiftung. Der Arbeitsschwerpunkt der eingesetzten Senioren liegt hier im psychosozialen und betreuenden Bereich. Hilfsorganisationen brauchen Seelsorger und Psychologen für die Leitung von Selbsthilfegruppen und für Suchdienste nach Katastrophen wie etwa dem Tsunami. Die lebenserfahrenen Spezialisten arbeiten für Hilfsprojekte im In- und Ausland.

Senioren helfen aber auch ehrenamtlich Kranken oder betagten Menschen, die bei der Bewältigung ihres Alltags Schwierigkeiten haben. Sie übernehmen kleine Reparaturen im Haushaltsbereich, beraten bei Anschaffung eines neuen Gerätes und seiner Inbetriebnahme, unterstützen beim Briefeschreiben, beim Ausfüllen von Formularen oder bieten ihre Begleitung bei Behördengängen an.

Hilfestellung im Alltag

Die Möglichkeiten bürgerschaftlichen oder ehrenamtlichen Engagements sind schon jetzt zahlreich und können jene inspirieren, die noch keine Lust aufs Altwerden haben. Denn jeder hat besondere Fähigkeiten, die er/sie in neue Ideen und Aktivitäten umsetzen kann. Wie wäre es mit einem Vorlese-Service für jene, die vielleicht nicht in der Lage sind selbst zu lesen – zu Hause, in Krankenhäusern oder Seniorenheimen? Ebenso denkbar: ein Begleitservice bei Spaziergängen, Ausflügen oder für Konzert- und Theaterbesuche. Auch eine lohnenswerte Aufgabe: die Bildung und Entwicklung eines gut funktionierenden Nachbarschaftsnetzwerks.

Aktiv zu bleiben, ist das beste Rezept gegen das Altwerden, gegen Langeweile und geistigen Abbau. Und das beste Rezept fürs Glücklichwerden? Anderen zu helfen.

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