Sprudel, Käse und Sonne statt Tabletten mit Kalzium und Vitamin D

Kalziumtabletten können das Herzinfarktrisiko erhöhen, auch wenn sie Vitamin D enthalten. Nahrungskalzium und Sonne scheinen die beste Lösung zu sein.

Kalzium ist gut für die Knochen. So lautet die einhellige Meinung. Wenn in späteren Lebensjahren, besonders bei Frauen, die Knochen an Festigkeit verlieren, dann muss man eben zusätzlich Kalzium zu sich nehmen. Dieses einfache Denkschema führte dazu, dass viele Frauen, entweder vom Arzt verordnet oder auf eigene Faust Kalzium in Form von Tabletten nahmen.

Bereits im Jahr 2010 erregte eine australische Studie Aufsehen, die zu dem Ergebnis kam, dass Kalziumtabletten das Herzinfarktrisiko erhöhen. Diese Auswertung vieler verschiedener Untersuchungen ließ jedoch noch viele Fragen offen und die Studie stand in der Kritik. Jetzt hat die Arbeitsgruppe nachgelegt und kommt zu Ergebnissen, die in dieselbe Richtung weisen. Dieses Mal waren Frauen dabei, die außer Kalzium auch Vitamin D einnahmen.

Vitamin D hat viele, noch unbekannte Wirkungen

Vitamin D wirkt nach Umwandlung in der Niere als Hormon, beispielsweise, um im Blut eine bestimmte Menge an Kalzium zu erhalten. Dazu kann es die Aufnahme von Kalzium im Darm steigern, aber auch Kalzium aus den Knochen herauslösen. Neben diesen schon länger bekannten Wirkungen hat Vitamin D aber auch Einfluss auf die Entwicklung von Hautzellen, das Immunsystem, die Ausschüttung von Insulin und den Einfluss der Nerven auf die Muskeln. Inzwischen wird klar, dass die meisten Körperzellen Andockstellen für Vitamin D haben und damit wahrscheinlich von ihm beeinflusst werden. Nur wie, das ist noch unbekannt.

Schnell viel Kalzium schadet

In die Berechnungen der Australier einbezogen waren über 36 000 Frauen aus der Woman’s-Health-Initiative (WHI)-Studie. In dieser großen amerikanischen Studie war bisher kein erhöhtes Herzinfarktrisiko aufgefallen, nachdem Frauen nach den Wechseljahren Präparate mit einem Gramm Kalzium und 400 internationalen Einheiten Vitamin D täglich verschrieben bekommen hatten. Die australischen Wissenschaftler schauten jetzt, wie sich die Zahl der Herzerkrankungen entwickelte, wenn man zum einen auf Frauen schaute, die vorher bereits Kalziumpräparate genommen hatten und solche, die keine eingenommen hatten. Wiederum errechneten sie aus den Daten ein erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen, aber nur für Frauen, die vorher keine Tabletten genommen hatten. Ihrer Meinung nach könnte die Wirkung auf das Herz durch den plötzlichen Anstieg der Kalziumkonzentration im Blut wegen der Tabletten verursacht sein. Trotz alledem bleibt Kalzium fester Bestandteil in der Therapie der Osteoporose, da es erwiesenermaßen viele Menschenleben gerettet hat. Die Autoren fügen an, dass eben die genauen Modalitäten überdacht werden sollten.

Natürliche Vitamin D- und Kalzium-Quellen bevorzugt

Professor Wilhelm Krone vom Universitätsklinikum Köln setzt daher eher auf Kalzium aus der Nahrung – z.B. in Käse und Sprudel -, wobei es ein Gramm täglich schon sein sollte. Überdies plädiert er zur Therapie von Osteoporose für ausreichende Mengen von Vitamin D im Blut. Wer nicht genug Sonne abbekommt oder schon etwas älter ist, kann mit diesem Vitamin unterversorgt sein. Daten des Robert-Koch-Instituts zeigen, dass über vierzig Prozent der Deutschen eine leichte Unterversorgung aufweisen. Nach Angeben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung liegt der tägliche Bedarf bei fünf Mikrogramm pro Tag, bis zum Alter von einem Jahr und ab 65 Jahren bei zehn Mikrogramm, das sind 200 bis 400 internationale Einheiten. Da der Körper diesen Stoff durch Sonnenbestrahlung der Haut selbst herstellen kann, genügen bereits 15 bis 20 Minuten Sonne auf Gesicht und Armen. Üblicherweise steigen in den Sommermonaten die Vitaminspiegel und reichen über den Winter bis zur nächsten Saison.

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