Trennungskrisen besser meistern – Wie Sie den Schmerz annehmen und dabei wachsen?

Wenn eine Partnerschaft in die Brüche geht, dann bricht meist eine Welt zusammen. Doch diese schwierige Zeit bietet auch eine große Chance für persönliches Wachstum.

Gescheiterte Liebesbeziehungen gehören zu unseren schmerzhaftesten Lebenserfahrungen. Kaum einer, dem nicht wenigstens einmal im Leben vor Liebeskummer das Herz zu brechen drohte. Doch wenn es uns trifft, dann stehen wir plötzlich vor dem Aus.

Die Phasen einer Trennungskrise

Wenn die Trennung nicht durch einen Unfall oder den plötzlichen Tod verursacht wird, dann haben sich die meisten Krisen angekündigt. Meist haben wir die Vorzeichen durchaus bemerkt, aber lieber weggesehen und gehofft, dass sich alles von selbst regeln wird.

Trotz aller Vorahnungen, kommt die Trennung dann doch wie ein Schock. Wir lehnen uns auf. Ein mächtiges „Nein!“ bestimmt unser Denken und Handeln. Wir verweigern uns den Tatsachen, weil eine Bewusstmachung zu schmerzhaft wäre. Nach und nach allerdings realisieren wir, was geschieht und verlieren mehr und mehr an Stabilität. Trotzdem versuchen wir meist in dieser ersten Phase noch gegen die Krise anzukämpfen, etwas zu tun. Manchmal ist diese Zeit sogar noch geprägt von Optimismus und dem Gefühl, dass die Trennung auch Vorteile haben könnte.

Wir haben Angst, noch tiefer in die Krise zu geraten und versuchen möglichst schnell wieder zur Normalität zurückzukehren – und unsere Außenwelt erwartet das auch von uns. Wir flüchten uns in Ablenkung und Aktivität. Manchen Menschen gelingt es tatsächlich, so ihre Krise zu stoppen. Menschen mit mehr Tiefgang werden jetzt meist noch tiefer in die Krise kommen. Und das ist auch gut so, denn nur dann wird die Trennung wirklich verarbeitet und man kann daran wachsen und sogar davon profitieren. Verdrängte Krisen brechen früher oder später gewaltsam wieder hervor. Sie suchen sich ihren Weg auf ihre Weise.

Nun kommt die schlimmste, aber auch die wichtigste Phase: Wir fühlen uns ohnmächtig und unseren Gefühlen ausgeliefert. Aber dadurch, dass sich die Trennungskrise nun nicht mehr länger leugnen lässt, haben wir nur eine Wahl: Wir müssen sie akzeptieren. Darin liegt unsere große Chance: Im Annehmen, was ist. Wenn wir verstehen, dass wir vollkommen und vollständig durch unseren Schmerz hindurch müssen, dann sind wir auf dem Weg, der uns Heilung bringen wird. Jetzt erst beginnt die Verarbeitung, der Lernprozess, das persönliche Wachstum. Erst dann kann der Prozess des Loslassens beginnen.

Chancen der Krise

  • Die Chance, der liebevollen Zuwendung: Meist haben wir vor der Krise nicht allzu sehr auf unsere eigenen Bedürfnisse geachtet, haben uns vielleicht angepasst, um die Beziehung zu retten. Und durch die Krise hat unser Selbstwert noch mehr gelitten. Nun ist die Zeit gekommen, gut für uns zu sorgen: Was ist für mich jetzt wichtig? Was kann ich mir Gutes tun? Mit was kann ich meineverwundete Seele ein bisschen streicheln?
  • Die Chance, aufzuräumen: Alles, was uns ständig an unsere Vergangenheit mit unserem Partner erinnert, ist Seelenballast. Entfernen Sie rigoros sämtliche Erinnerungsstücke. Was Ihnen lieb und wichtig ist, bewahren Sie in einem Karton im Keller auf, den Rest spenden Sie einer karitativen Einrichtung. Wenn Sie es sich leisten können, gestalten Sie Ihre Umgebung neu: Vielleicht ein neues Sofa oder ein neues Bett? Oder eine neue warme Wandfarbe? Nehmen Sie Ihr Heim für sich in Besitz. Raus mit den Erinnerungen, rein mit neuem Leben.
  • Die Chance, zur Neuorientierung: Wo will ich eigentlich hin in diesem Leben? Welche Ziele habe ich? Es müssen keine hochgesteckten, heroischen Ziele sein. Der Kinder wegen das eigene Leben wieder in den Griff zu bekommen, ist zunächst Lebensziel genug. Notieren Sie sich weitere Ziele: Was könnte noch spannend sein? Eine Fortbildung machen? Sich einer Theatergruppe anschließen? Sammeln Sie Ihre Ideen und bewahren Sie Ihre Notizen auf. Ziele geben uns Kraft, was nicht heißt, dass wir nun alles auf einmal anpacken müssen. Wichtig ist, zu erkennen, dass es ein Leben nach der Krise gibt.
  • Die Chance, Beziehungen zu pflegen: Sind in der Partnerschaft, Freundschaften zu kurz gekommen? Welche Menschen haben uns in den dunkelsten Zeiten der Krise ausgehalten und uns Kraft gegeben? Eine gescheiterte Beziehung hinterlässt nicht nur eine Leere in der Herzgegend, sondern meist auch ganz konkret im Terminkalender. Mit wem wollen wir in Zukunft mehr Zeit verbringen? Ist es Zeit, vielleicht alte Freundschaften wieder aufleben zu lassen?
  • Die große Chance, besseren Zugang zu den eigenen Gefühlen zu finden: Eine Krise ist eine Zeit, in der unsere Gefühle außer Kontrolle geraten. Auch wenn sich die Trennung so schmerzhaft anfühlt, dass wir manchmal meinen, es nicht länger aushalten zu können: genau so ist es gut. Gefühle machen uns lebendig und die Krise bringt uns unseren Gefühlen wieder näher. Gefühle zu unterdrücken bedeutet paradoxerweise, ihnen Macht zu geben, denn sie werden uns an anderer Stelle doch wieder einholen.
  • Die Chance, destruktive Verhaltensweisen zu ändern: Wenn wir den Höhepunkt der Krise überschritten haben, dann ist es Zeit, uns ehrlich mit unserem Verhalten auseinanderzusetzen. Haben wir in der Beziehung zu häufig „ja“ gesagt und unsere eigenen Bedürfnisse hinten angestellt? Oder waren wir zu dominant, haben versucht den Partner zu dominieren? Jetzt ist Zeit für radikale Ehrlichkeit, uns selbst gegenüber. Was wollen Sie verändern? Packen Sie es an!

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