Urtinkturen versus Extrakt, Tee und Essenz

Die Wirkung, Anwendung und Zubereitung von Heilpflanzen. Pflanzliche Heilmittel können unterschiedlich zubereitet werden: Vom Unterschied zwischen Urtinkturen und anderen Herstellungsmöglichkeiten.

Pflanzen gehören zu den Lebensgrundlagen des Menschen. Er vermag sie nicht allein zur unmittelbaren Erhaltung seines Lebens zu nutzen, sondern auch als Quell der Freude und Kraft. Vor allem in den Heilpflanzen sind große Kräfte vorhanden, die dem Menschen behilflich sein können.

Zubereitung von Heilpflanzen

Entscheidend dafür ist die Art und Weise der Verarbeitung der Heilpflanze zu einer Arznei. Urtinkturen sind Frischpflanzenpräparate, die die Pflanze selbst zu erhalten wissen und auch ideal sind, um aufgrund der Gesamtheit des verwendeten Krautes auf seelischer und physischer Ebene zu agieren.

Nicht alle Krankheiten können allein mit Pflanzen geheilt oder behandelt werden, als Basis oder Zusatzbehandlung jedoch sind sie Teil einer ganzheitlichen Therapie: Ein pflanzliches Heilmittel vermag den Menschen dreifach zu erreichen – seelisch, körperlich und als Regulation.

Immer mehr Menschen greifen auf die Phytotherapie und auf die Heilkunst der Natur zurück. Die meisten wissen, dass Ginkgo das Gedächtnis verbessert, Weißdorn das Herz zu stärken weiß, Mariendistel die Leber anregt, Sonnenhut Abwehr steigernd wirkt und Rosskastanie die Venen unterstützt. Die Kamille ist genauso bekannt, auch Baldrian und Wermut. Doch wie werden diese Pflanzen eigentlich zubereitet?

Tee und Aufguss

Der Tee, auch Heißwasseraufguss, fachlich korrekt Infus genannt, ist die bekannteste und wohl auch einfachste Zubereitung. Arzneilich wirksame Pflanzenteile wie das Kraut oder die Blüten, Wurzeln oder Blätter werden zur Haltbarmachung und zur Entfaltung der Wirkungen getrocknet oder auch frisch mit heißem Wasser übergossen und abgeseiht. Kraut bedeutet übrigens, dass alle überirdisch wachsenden Teile verwendet werden! Dieser Auszug enthält zum einen die Wirkstoffe des Wassers, welches auch sehr positive Eigenschaften aufzuweisen hat, des weiteren die Wirkstoffmenge der Pflanze selbst. Ein Tee wirkt in akuten Fällen zügig und hilft vor allem auch bei Erkrankungen, die durch Zuführung von Wärme und Flüssigkeit gelindert werden können.

Tinkturen und Extrakte

Tinkturen sind wässrig-alkoholische Auszüge aus getrockneten Arzneipflanzen, die auch Droge genannt werden. Das Verhältnis von Droge zu Tinktur besteht meistens aus einem Teil zu fünf Teilen. Tinkturen sind heutzutage weniger gebräuchlich, Urtinkturen hingegen schon. Das Wort Droge hat im übrigen nichts mit dem im allgemeinen Sprachgebrauch benutzten Sinn zu tun, sondern bedeutet letztlich nichts als „getrocknetes Kraut“. Der Name Drogerie ist davon abgeleitet, war diese doch einst die Apotheke des Volkes, bevor gewisse Kräuter unter das Arzneimittelgesetz fielen und die Drogerie sich auch auf Putzmittel und anders erweitern musste.

Extrakte, zu denen auch Fluid-, Spissum- und Trockenextrakte gehören – erstere sind flüssig, zweitere zähflüssig – sind Auszüge, die auf einem Gemisch aus Alkohol und Wasser oder anderen Lösungsmitteln basieren. Sie sind konzentrierter als Tinkturen, das Verhältnis von Droge zu Extrakt reicht von einem zu zwei bis fünf zu einem Teil. Mit Extrakten kann so eine große Menge an Wirkstoffen aufgenommen werden.

Die hochdosierten und standardisierten Arzneimittelpräparate in Form von Dragees oder Kapseln beispielsweise enthalten meistens Trockenextrakte. Vorteilhaft ist hier die große Wirkkraft, nachteilig ist, dass sich Nebenwirkungen zeigen können, die bei „normaler“ und natürlicher Anwendung nicht entstanden wären: Die Dosis macht das Gift, wusste bekanntlich schon Paracelsus.

Ätherische Öle und Essenzen

Ätherische Öle bestehen aus flüchtigen, fettlöslichen Stoffen der Pflanzen und sind meistens Geruchsträger. Sie werden in der Regel durch Wasserdampfdestillation und andere Verfahren aus frischen oder getrockneten Pflanzenbestandteilen gewonnen und werden häufig in Salben und anderen äußerlichen Anwendungsmöglichkeiten verwendet, ebenso in der Aromatherapie eingesetzt.

Spagyrische Essenzen gehen auf alchemistische Traditionen zurück und werden durch komplizierte Verfahren aus Pflanzenteilen hergestellt: Fermationsprozesse, Destillation, Veraschung und viele andere Herstellungsverfahren, die oft in mehrere Schritte untergliedert sind, seien nur als Beispiele genannt. Dabei soll die Pflanze bereits eine Wesensveränderung erfahren, wodurch die Wirkung dieser Essenzen als mild gilt.

Urtinkturen

Urtinkturen werden zumeist mit dem lateinischen Pflanzennamen bezeichnet und mit einem Symbol versehen, welches einer von links unten nach rechts oben durchgestrichenen Null ähnelt. Sie werden meistens aus frischen Pflanzen durch Extraktion mit Alkohol hergestellt und sind halb so konzentriert wie Tinkturen. Sind sie qualitativ hochwertig, sagt man ihnen dennoch nach, dass eine stärkere Wirkung als bei diesen vorliegt. Sie werden daher häufig bei akuten und chronischen Erkrankungen eingesetzt und entfalten ihre Vorteile vor allem in Bezug auf das Wesen der Pflanze. Zudem werden sie oft als Ausgangssubstanz für die Herstellung von homöopathischen Verdünnungen eingesetzt.

Homöopathische Mittel

Homöopathische Dilutionen werden aus Urtinkturen durch stufenweise Verschüttelung oder Verdünnung erzeugt. Bei tiefen Potenzen bis etwas D12 bestehen schätzungsweise die gleichen Wirkungen und Indikationen (Anwendungsgebiete) wie bei Urtinkturen. Bei höheren Potenzen (Verdünnungen) wird das Spektrum der Wirkung, das Arzneimittelbild, umfassender und differenzierter. Dann treten zumeist auch die psychischen Aspekte in den Vordergrund.

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