Warum haben Zebras Streifen?

Schwedische Wissenschaftler wollen die Ursache für die schwarzen und weißen Streifen bei Zebras gefunden haben: Blutsaugende Pferdefliegen! Die schwarz-weißen Streifen des Zebras beschäftigen nicht nur die Fantasie von Kindern, sondern auch Wissenschaftler. Die Kapriolen der Natur zu verstehen, gehört zu den obersten Zielen des forschenden Menschen. Bislang kursierten allerhand Theorien, warum sich das afrikanische Huftier so modisch mit den Streifen tarnt. Bislang vermutete man einen Fall von Optischer Täuschung, die ein rennendes Zebra für ein verfolgendes Raubtier wie etwa Löwen oder Hyänen bedeutet. Bei hoher Geschwindigkeit verschwimmen die Streifen zu einer grauen Farbe und bieten so vor dem Hintergrund der staubigen Steppe eine gute Tarnung. Auch Frischlinge, die als Jungtiere der Wildschweine besonders gefährdet sind, haben Streifen, die sie in späterem wehrhaften Alter wieder verlieren. Müssen sich die gestreiften Tiere also besonders tarnen?

Streifen als Insektenbekämpfung?

Nun wollen ungarische und schwedische Wissenschaftler der aber der wahren Ursache der Zebrastreifen auf die Spur gekommen sein. Nicht optische Täuschung, sondern eine Art Insektenschutz sei die Ursache für die evolutionäre Entwicklung der Streifen. Zebras hätten ihr schwarz-weiß gestreiftes Fell zur Abwehr von den in Afrika weit verbreiteten blutsaugenden Fliegen entwickelt, den sogenannten Tabaniden, auch bekannt als Pferdebremsen. In der aktuellen Ausgabe (März 2012) der Zeitschrift Journal of Experimental Biology berichten die Forscher, dass ein Muster von engen Streifen bei Zebras auf diese Fliegen „abschreckend“ wirke. Der Grund sei, dass die Streifenmuster das Sonnenlicht auf besondere Weise reflektierten. Zebras mit Streifen schrecken mehr Fliegen ab, als Pferde mit dunklem oder hellem Fell. Und: Je enger die Streifen, umso weniger Blutsauger werden angelockt.

Schwarze und weiße Pferde reflektieren Licht unterschiedlich

Entwickelt wurde die Theorie nach der Auswertung von Tests, die man bei der Erforschung der Fellfarbe von Pferden auf einem ungarischen Reiterhof gewann. Die Forschergruppe um die Biologin Susanne Akesson von der Universität Lund in Schweden untersuchte Pferde, um herauszufinden, welches Muster und welche Fellfarbe die Blutsauger besonders anlockte. Dazu wurden Tafeln mit schwarzer, weißer, brauner und in Zebrastreifen bemalt. „Wir strichen Öl und Kleber auf die Tafeln und zählten die Anzahl der Fliegen, die jedes Brett anlockte“, erklärt die Biologin Susanne Akesson in einem aktuellen Bericht in BBC Nature.

„Wir konnten feststellen, dass schwarze und braune Pferde horizontales polarisiertes Licht reflektieren, das Pferdebremsen besonders anzieht“, sagt Forschungsleiterin Akesson, die sich mit Evolutionsökologie und Tierverhalten befasst. Dabei werde das Licht vom dunklen Fell zurückgeworfen und bewege sich in Wellen auf die Augen des blutsaugenden Insekts zu. Bei weißem Fell werde dagegen unpolarisiertes Licht reflektiert, das viel weniger anziehend auf die Blutsauer wirke. Schimmel werden – so die Forscher – weit seltener von Pferdefliegen attackiert als ihre Artgenossen mit dunklerem Fell.

Warum haben dann nicht alle Tiere Streifen?

Wie so oft werden bei neuen Erkenntnissen sofort neue Fragen aufgeworfen. Warum besitzen auch andere Tiere Streifen, obwohl sie nicht den Appetit der Pferdebremsen anregen? Warum ist die Wespentaille gestreift, die der Biene aber nicht? Warum trägt der Weißbüschelaffe einen langen gestreiften Schwanz, andere Affen nicht? Warum gibt es Streifenhörnchen und Eichhörnchen ohne Streifen?

Mehr Fragen als Antworten: Auslese beim Zebra muss bewiesen werden

Mittlerweile melden sich auch andere renommierte Biologen zu Wort und kommentieren die Aufsehen erregenden Ergebnisse der aktuellen Zebraforschung. Evolutionsbiologe Professor Matthew Cobb von der University of Manchester fand das Experiment „rigoros und faszinierend“, schließt aber nicht die Gültigkeit anderer Hypothesen über den Ursprung der Zebrastreifen aus. Damit die Erklärung hieb- und stichfest ist, müssten die Forscher nun nachweisen, warum die Bisse der Pferdebremsen einen derart großen Einfluss auf die Auslese der Zebras habe. Denn schließlich müssten sich ja auch Pferde und Esel (ohne Streifen) überall auf der Welt mit blutsaugenden Fliegen umherschlagen, gibt Cobb gegenüber BBC Nature zu Bedenken. Der Biologe vermutet deshalb, dass die Pferdebremsen nicht als einziger Faktor für die Entwicklung der Streifen bei Zebras in Frage kommen, sondern mehrere Faktoren eine Rolle spielten.

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