Warum sind echte Freunde so wichtig?

Wer ehrlich von sich sagen kann, zwei oder drei echte Freunde zu haben, ist emotional sehr reich. Dafür ist es nötig, selbst ein guter Freund zu sein.

Robby ist ein Straßenmusiker, der immer nur wenige Euro in der Tasche und kein festes Dach über dem Kopf hat. Doch er sagt jedem, er sei Millionär der Herzen. Sein Reichtum wären seine Freunde, drei ehrliche Freundschaften, die sich schon unter härtesten Umständen bewährten. Einige Menschen irritiert diese Ansicht. Trotzdem scheint Robby mit seinen Empfindungen gar nicht so falsch zu liegen. Auch Psychologen beschreiben, wie wichtig echte Freundschaften für Glück und Zufriedenheit sind.

Freundschaften sind das beste Geschenk an sich selbst

Viele Menschen würden nach Erfahrungen des Therapeutenteams Lazarus ihr Bedürfnis nach Freundschaft stillen, indem sie viele Bekannte haben. Bekanntschaften erklären sie als Beziehungen, in denen man einen freundlichen Umgang pflegt, jedoch wichtige Eigenschaften einer Freundschaft vernachlässigt. Sicher wären viele Bekannte hilfreich, da man mit ihnen seine Freizeit abwechslungsreich gestalten kann. Wer jedoch dadurch der Ansicht sei, er habe eine Vielzahl von Freunden, hätte vermutlich nicht verstanden, was echte Freundschaft überhaupt bedeutet. Menschen wären nur in der Lage, eine begrenzte Anzahl so tiefer Beziehungen zu pflegen. Echte Freundschaften bauen sich langsam auf und kosten viel Zeit und Mühe. Sie entwickeln sich durch ehrliche Sympathie und gemeinsame Erfahrungen. In echten Freundschaften existiert ein loyales Einfühlungsvermögen, Rücksichtnahme, gegenseitige Achtung und ein ausgewogenes Verhältnis von Geben und Nehmen – ohne Rivalitäten oder Wettbewerbsverhalten. Freunde sind zuverlässig, gute Zuhörer, enge Weggefährten und somit ein wahres Geschenk an sich selbst.

Freunde stärken den Lebensmut und das seelische Gleichgewicht

Antoine Saint-Exupèry beschrieb anhand des Fliegers Henri Guillaumet (Terre des Hommes, 1939), wie er trotz widrigster Umstände nach einem Absturz überleben konnte. Die Gedanken an nahestehendste Menschen gaben ihm die Kraft, um “mehr zu tun, als jedes Tier der Welt getan hätte”. Freundschaften seien mehr als ein Gefühl, wertet auch der Mediziner David Servan-Schreiber. Die enge Verbundenheit zu anderen Menschen kann deutlich mehr Lebensenergie freisetzen, als ein isolierter Einzelner aufbringen könne. Der Spezialist für Emotionale Medizin warnt vor den Schattenseiten des gesellschaftlichen Individualismus. Autonomie und Selbstverwirklichung hätten sich zu derart zentralen Werten entwickelt, so dass die erstrebte Unabhängigkeit einen hohen Preis einfordern würde – Isolation, Leiden und Sinnverlust. Wenn die Wissenschaft der Frage nachgeht, warum einige Menschen glücklicher sind als andere, würden nach Erkenntnissen von Servan-Schreiber immer zwei Faktoren den Ausschlag geben: Glücklichere Menschen pflegen enge Freundschaften und sind fest in einer sozialen Gemeinschaft verankert. Deshalb würden sie eine stabilere Psyche besitzen und mehr Lebenszufriedenheit erreichen.

Freundschaften können den Lebenssinn erhalten

Der Psychiater Victor Frankl (1905-1997) war österreichischer Psychiater und Überlebender eines nationalsozialistischen Konzentrationslagers. Er beobachtete, warum manche KZ-Häftlinge trotz allem besser standhalten konnten. Im Ergebnis seien es die emotional engen Verbindungen zu anderen Menschen gewesen, die deutlich mehr Lebenssinn gaben, um in einem kalten und gleichgültigen Universum zu überleben. Frankl riet Menschen in verzweifelten Situationen, nicht immer nur zu fragen, was das Leben für sie tun kann. Gegenteilig eher zu überlegen, was man selbst für das Leben tun könne. Sich mit anderen Menschen als Herzensangelegenheit zu beschäftigen und enge Freundschaften zu pflegen, erhalte die Gesundheit der Psyche. Auch der humanistische Psychologe Abraham Maslow (1908-1970) kam in seinen Studien zu dem Ergebnis, dass die erstrebenswerteste Form der persönlichen Entwicklung dann erreicht wäre, wenn man selbst ein guter Freund sein könnte. Es sei möglich, sich selbst zu verwirklichen und gleichzeitig anderen zu “dienen”. Nachweisbar mache es glücklich, uneigennützig Zeit und Persönlichkeit in enge soziale Bindungen einzubringen, ohne einen materiellen Vorteil daraus ziehen zu wollen.

Es seien nicht die spektakulären Taten, um die man sich bemühen sollte, sagte die für tätige Nächstenliebe bekannte Mutter Theresa (1910-1997). Die schlimmste Armut war es nach ihrer Ansicht, einsam und unbeachtet leben zu müssen. Deshalb sei es besser sich selbst zu geben, als nur zu nehmen. Ehrliche Freundschaften verdiene, wer sich selbst wie ein echter Freund verhält, auf den man sich in allen Lebenssituationen verlassen kann.

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