Was ist das Stockholm-Syndrom?

Die positive emotionale Bindung zum eigenen Entführer. Ursprünge und Hintergründe und Merkmale des Stockholm-Syndroms.

Das Stockholm-Syndrom beschreibt ein positives Gefühl der Geisel gegenüber seimem Entführer oder Geiselnehmer. Dabei kann es auch zu negativen Gefühlsregungen gegenüber der Polizei kommen.

Das Opfer befindet sich während einer Geiselnahme in einer Extremsituation. Somit geschieht der Aufbau einer positiven emotionalen Beziehung zum Täter nicht aus einer freien Entscheidung heraus. Die positiv erlebten Erfahrungen der Geisel mit dem Täter spielen hierbei eine wichtige Rolle. Wird der Geiselnehmer von der Geisel als ein Mitmensch wahrgenommen, der durch die Außenwelt in seine jetzige Lage gebracht wurde, kann das Opfer die Handlungsweisen des Täters eher nachvollziehen. Das heißt, ein gegenseitiger Sympathiegewinn ist umso wahrscheinlicher, umso mehr menschliche Züge beim Gegenüber wahrgenommen werden.

Nicht nur die Geisel, sondern auch der Geiselnehmer steckt in einer Extremsituation. Daher ist das Stockholm-Syndrom auch beim Geiselnehmer vorzufinden, wenn Mechanismen der negativen Verstärkung ausgeübt werden. Für die Polizei kann die Entstehung eines Stockholm-Syndroms mitunter positiv sein, da die Hemmschwelle des Täters, dem Opfer Leid zuzufügen, erhöht wird.

Definitionskriterien für das Stockholm-Syndrom können sein:

  • Die Geisel entwickelt eine positive emotionale Beziehung zum Täter.
  • Die Geisel entwickelt gleichzeitig negative Gefühle gegenüber der Polizei.
  • Der Geiselnehmer kann ebenso positive Gefühle zu den Geiseln oder einer Geisel aufbauen.

Ursprung und Hintergrund des Stockholm-Syndroms

Ursprung ist der Banküberfall in der Sveriges Kreditbank in Stockholm am 23. August 1973, der 131 Stunden, von 10:15 Uhr des 23. August bis 21 Uhr des 28. August, dauerte. Der mehrfach vorbestrafte 32-Jährige Jan-Erik Olsson nahm drei weibliche Bankangestellte im Alter zwischen 21 und 32 Jahren und einen 19-Jährigen männlichen Bankangestellten als Geiseln, mit denen er sich im Tresorraum der Bank (ca. 3,50 x 14 m) verschanzte.

Olsson forderte im Austausch gegen die Geiseln die Freilassung des inhaftierten 26-Jährigen Clark Olofsson, seinem früheren Zellengenossen, sowie mehrere tausend schwedische Kronen. Die schwedische Polizei zeigte sich äußerst geduldig in ihrem Vorgehen und konnte die Geiselhaft unblutig, durch das Einströmen lassen von Gas über die Decke des Tresorraumes, beenden.

Die Besonderheit dieses Falles waren nicht die Ängste der Geiseln vor dem Täter, sondern vor der als vermeintlich bedrohlich wahrgenommenen schwedischen Polizei. Merkwürdig war auch das Verhalten der Geiseln gegenüber dem Geiselnehmer. Obwohl Olsson mit der Erschießung der Geiseln gedroht hatte, baten diese nach ihrer Befreiung um Haftverschonung beziehungsweise eine mildere Bestrafung für den Täter und besuchten ihn unter anderem im Gefängnis.

Mögliche psychologische Erklärungen für die Entstehung eines Stockholm-Syndroms

Es sind mehrere Faktoren für die Entstehung eines Stockholm-Syndroms ausschlaggebend. Als Voraussetzungen für das Stockholm-Syndroms gelten:

  • eine ausreichend lange Dauer der Geiselnahme,
  • ausreichender Kontakt der Geisel zum Geiselnehmer,
  • ein extrem hoher Stresspegel
  • und eine positive Interaktion zwischen Geiselnehmer und Geisel.

Wesentlich sind vor allem Zeit und Interaktion. Je länger eine Geiselnahme andauert und je positiver die Beziehung zwischen Geiselnehmer und Geisel ist, das heißt, je weniger Misshandlungen vom Täter ausgeführt werden, desto wahrscheinlicher bilden sich positiv ausgerichtete Beziehungsmuster zwischen Täter und Opfer.

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