Was ist eine Kompetenz?

Der Begriff der Kompetenz wird in Politik, Wirtschaft, Schule oder Coaching gerne genutzt. Definiert wird er selten.

Dabei helfen Definitionen, einen Begriff klarer zu fassen und die Probleme besser zu verstehen, die in der Praxis auftreten. Man kann hier, wenn man bösartig ist, vermuten, dass eine unklare Begrifflichkeit hilft, Probleme und Schwächen zu verdecken. Stattdessen kann man die Kompetenz umso besser zu Werbezwecken einsetzen. Hier also eine Definition, die sich genauso gut auf den Bereich der Softskills anwenden lässt. Wie man Kompetenzen trainiert, findet sich im Artikel Wie trainiert man Kompetenzen?

Können und Handeln

Die Kompetenz ist, und daran sollte man nicht rütteln, ein psychologischer Begriff. Er bezeichnet die Fähigkeit, ein bestimmtes Handeln auszuüben. Ob dieses Handeln dann gezeigt wird, ist eine andere Frage. Das zu einer Kompetenz zugehörige Handeln nennt man Performanz.

Nimmt man an, dass Humor eine Kompetenz ist, dann ist der witzige Spruch die Performanz (oder zumindest eine Form davon). Es wäre aber unsinnig zu erwarten, dass ein humorvoller Mensch ständig witzige Sprüche macht.

Beobachten

Überdenkt man den Unterschied zwischen Kompetenz und Performanz, dann wird klar, dass man nicht Kompetenzen, sondern „nur“ Performanzen sieht. Mit anderen Worten: Performanzen werden beobachtet, Kompetenzen erschlossen. Oder noch ganz anders gesagt: Kompetenzen muss man in einen Menschen hineinbeobachten. Es sind Konstruktionen.

Trotzdem haben Kompetenzen einen gewissen Halt. Ein Mensch, der viel liest, hat mit Sicherheit eine hohe Lesekompetenz. Ein Mensch, der mit vielen verschiedenen Menschen gut und angenehm kommunizieren kann, hat mindestens eine hohe Kompetenz im Smalltalk. Man kann also formulieren: Eine Kompetenz ist dann vorhanden, wenn gewisse Performanzen regelmäßig wiederholt werden können.

Das Problem der Situation

Nicht jede Situation eignet sich für bestimmte Kompetenzen. Zwischen der Kompetenz und der Situation gibt es eine Art Resonanz, die das Handeln aufgrund einer Kompetenz ermöglichen oder behindern. Von der Gesellschaft her betrachtet muss Kompetenz doppelt ermöglicht werden. Zum einen muss man den Menschen die Möglichkeit geben, Kompetenzen zu erlernen, zum anderen muss man ihnen die Möglichkeit geben, sie zu zeigen.

Bereichsspezifische Kompetenzen

Je differenzierter ein Mensch wird, umso feiner und differenzierter ist sein Handeln. Dem entspricht die differenzierte Gesellschaft. Jeder Mensch nutzt in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen unterschiedliche Kompetenzen.

Hier spielt neben dem Aufbau von Kompetenzen auch die Abgrenzung gegeneinander eine große Rolle. Wünschenswert wäre, dass der entscheidungskompetente Geschäftsmann zuhause trotzdem der liebende Ehemann und Vater ist. In der Praxis sieht das leider ganz anders aus. Hier werden häufig bereichsspezifische Kompetenzen vermischt.

Ist kompetentes Handeln zugleich gutes Handeln?

Psychologisch gesehen sollte man sich von moralischen Urteilen fernhalten. Psychologie ist eine Wissenschaft, keine Ethik. Für die Kompetenzen gilt, dass diese zunächst moralfrei erfasst werden müssen. Zwar liest man nur über „gute“ Kompetenzen, selten aber in diesem Zusammenhang über unerwünschte Kompetenzen, etwa Lügen oder Gewalttätigkeit.

Doch natürlich fallen auch solche Negativbeispiele unter den Bereich der Kompetenzen. Erst wenn man eine Kompetenz hinreichend abgegrenzt und dann auch noch wissenschaftlich „bestätigt“ hat, kann man sich über Sinn und Zweck der Folgen Gedanken machen.

Ein anderer Grund, warum man sich bei Kompetenzen von moralischen Urteilen erstmal fernhalten sollte, liegt darin, dass viele „unangenehme“ Kompetenzen entweder einfach nur im falschen Bereich eingesetzt werden, oder etwa durch Vertiefung und Erweiterung wieder zu gutem, das heißt erwünschtem Handeln führen können.

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