Wenn der Vulkan Asche speit – wie verletzlich ist die Moderne?

Ein Vulkan spuckt Asche und Flugzeuge können nicht starten. Die Moderne ist verletzlicher, als es dem Menschen mitunter lieb ist.

Bis zum fünfzehnten April 2010 hätten viele Deutsche wohl mit den Schultern gezuckt, wenn sie jemand nach dem „Eyjafjalla“ gefragt hätte. Doch spätestens als der isländische Vulkan mit seiner Vulkanasche für die Schließung deutscher Flughäfen sorgte, wurde er zur Berühmtheit. Lieben wird ihn wohl nicht jeder. Zwei Dinge hat er den Menschen der Moderne vor Augen geführt: Lava mag als Folge eines Vulkanausbruchs spektakulärer als Asche sein, aber Vulkanasche hat oft weitaus größere globale Auswirkungen. Und mitunter reicht Asche aus, um auf vielen Flughäfen Europas ein kleines bis größeres Chaos zu produzieren. Da wird die Moderne plötzlich ganz schwach und verletzlich.

Der Vulkan, die Asche und die Flugzeuge

Etwa zweihundert Jahre lang gab der isländische Vulkan Ruhe. An den Ostertagen des Jahres 2009 registrierten Seismographen jedoch erstmals den Beginn vieler kleiner Erdbeben rund um den „Eyjafjalla“, dessen korrekter Name eigentlich „Eyjafjallajökull“ lautet. Das auszusprechen, würde die meisten Menschen außerhalb Islands aber wahrscheinlich überfordern. Es dauerte über ein Jahr lang, ehe den ersten Anzeichen neuer Aktivität der erste Ausbruch folgte. Spiegel Online berichtete am 21. März: in der Wissenschaftsrubrik. Etwa fünfhundert bis sechshundert Menschen seien evakuiert worden, schrieb das Magazin, die Flughäfen Keflavik (international) sowie Reykjavík und Akureyri (national) seien gesperrt. Weniger als einen Monat später schlossen Flughäfen in ganz Europa und diese Nachricht landete nicht nur in der Wissenschaftsrubrik.

Warum ist Vulkanasche gefährlich für Flugzeuge?

Vulkanasche ist gleich in mehrfacher Hinsicht für den Flugverkehr gefährlich. Ist die Konzentration der Asche hoch, stört die wenig Sauerstoff enthaltende Asche möglicherweise die Verbrennung innerhalb der Triebwerke. Auch eine geringere Konzentration von Asche ist nicht ungefährlich: Sie kann die Triebwerke verstopfen. Der Effekt ist derselbe: Die Triebwerke fallen aus. Geschehen ist so etwas beispielsweise Ende des Jahres 1989. Damals brach in Alaska der Vulkan Mount Redoubt aus und seine Asche sorgte für den kilometerlangen Sturz eines Passagierflugzeugs mit über zweihundert Passagieren. Der Pilot schaffte es rechtzeitig, die Maschine wieder zu starten und verhinderte so eine Katastrophe.

Ein Vulkan und ein Jahr ohne Sommer

Deutschland ist in Bezug auf Naturgewalten ein glückliches Land. Kräftige Erdbeben, Tsunamis, Tornados, Vulkanausbrüche – all das kennt man hierzulande in erster Linie aus TV-Sendungen und Zeitungsberichten. Insofern mag der „Eyjafjalla“ gerade den Westeuropäern wie uns Deutschen gezeigt haben: Der Mensch als selbst ernannte Krone der Schöpfung ist doch weniger gefeit gegen die Gewalten der Natur, als er bisweilen denkt. Vulkanasche stoppt Flugzeuge. Und Vulkanasche kann das Wetter und – je nach Stärke eines Vulkanausbruchs – auch das Klima beeinflussen. So erlebte etwa die österreichische Stadt Salzburg das Jahr 1816 als ein „Jahr ohne Sommer“. Grund dafür war der ein Jahr zuvor ausgebrochene indonesische Vulkan Tamboro (auch: Tambora). Was er in die Atmosphäre spie, reichte für eine kräftige Abkühlung der Atmosphäre aus, die nicht nur Salzburg betraf. Ausfallende Ernten und Hungersnöte waren Folgen, die indirekt vielen Tausend Menschen das Leben gekostet haben sollen. In jüngerer Zeit war es etwa der 1991 ausgebrochene philippinische Vulkan Pinatubo, der die globale Temperatur schätzungsweise um ein halbes Grad Celsius abgekühlt hat.

Ein Blick Millionen Jahre zurück

Einer nach wie vor heiß diskutierten These zufolge sind heftige Vulkanausbrüche letztlich auch für das Aussterben der Dinosaurier verantwortlich gewesen. Eine andere und junge These stammt aus der Brown University in Providence (USA): Ihr zufolge sollen 200 Millionen Jahre vor unserer Zeit ausbrechende Vulkane und ein sich veränderndes Klima die so genannten Crurotarsi stark dezimiert haben. Die waren mit den heutigen Krokodilen verwandt und im Kampf ums Überleben wohl auch Konkurrenten der Dinosaurier. Ihre Dezimierung durch vulkanische Aktivitäten wäre damit ein Vorteil für die faszinierenden und in Filmen wie Jurassic Park verewigten Urzeitbewohner gewesen. Der Streit um richtige oder falsche Thesen ist jedoch weiter offen. Und so kehrt der Blick zurück ins Jetzt. Nach wie vor brodelt es in der Erde. Asche sorgt dafür, dass Flugzeuge bisweilen nicht starten. Und wir Menschen können die Natur zwar verwandeln wie kein anderes Wesen dieses Planeten, wir können sie vielfach umgestalten, Flora und Fauna bisweilen zerstören. Letztlich sind und bleiben wir aber ein Teil der Natur: mitunter ein sehr machtloser Teil, wie uns der Vulkan Eyjafjalla bewiesen hat. Wie verletzlich ist die Moderne? Manchmal ist sie schon sehr verletzlich!

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