Wenn unser Stress-System im Körper Amok läuft

Das Terrorwarnsystem in unserem Gehirn. Wenn das Stress-System im Körper Amok läuft, kann das schwere Krankheiten zur Folge haben. Tipps zur Prävention und Hilfe, wenn der Stress zur Belastung geworden ist.

Ein hoher Blutdruck, erhöhte Blutfettwerte und leichte Herzrhythmusstörungen – all diese Anzeichen sind Vorboten eines Schlaganfalls oder eines Herzinfarkts. Diese Symptome stellen sich ein, wenn ein System im Körpers Amok läuft – das Stress-System. Es funktioniert wie ein Gummi-Band, das irgendwann überdehnt ist. Der Organismus unterscheidet zwischen positivem und negativem Stress. Positiver Stress ist lebensnotwendig und hält die Schutztruppe des Körpers fit. Zudem fördert er Konzentration und Leistungsfähigkeit. Der Körper lernt so, Lösungen zu finden und Probleme zu bewältigen. Negativer Stress, der chronisch auftritt, bringt hingegen das fein aufeinander abgestimmte System dauerhaft aus dem Gleichgewicht. Dann besteht die Gefahr, dass das ausgeschüttete Stresshormon Cortisol die körpereigene Abwehr unterdrückt. Der Rezeptor GR im Gehirn wird blockiert und verhindert somit die Bildung eines wichtigen Proteins, das dafür sorgt, dass sich keine Fette in der Leber ablagern.

Zu viel Stress kann tödlich sein

Die ständige Produktion von Stresshormonen lässt Nervenzellen sterben, was zu einer Verkleinerung des Hippocampus führt und die Gedächtnisleistung schwächt. Der Thalamus ist die Schaltzentrale für Sinneseindrücke im Gehirn. Kommt es zu einer Stress-Situation, aktiviert der Thalamus auf dem Blitzweg die Amygdala (das Angstzentrum). Sie schaltet das Stress-System ein. Als Folge von chronischem Stress wird im Gehirn Glutamat ausgeschüttet. Der Transmitter aktiviert das Hörzentrum – ein Tinnitus kann entstehen. Der Stress-Express nimmt seine Abkürzung über die Amygdala. Auf dem Umweg gelangt der Stressauslöser ins Bewusstsein. Diese Stresshormone treiben den Blutdruck an und erhöhen den Blutzuckerspiegel, um dem Körper mehr Energie zu liefern. Eiweiße aus den Muskeln werden zu Glukose umgewandelt und Fette bilden sich. Hält der Stress an, werden diese Fette zu Plaque, was die Wände der Adern verstopft und Schlaganfall oder Herzinfarkt zur Folge haben kann.

Herzinfarkt durch Dauerstress

Das Herz ist ein faustgroßer Supermotor im Körper des Menschen. Er pumpt pro Minute etwa fünf Liter Blut. Wird der Körper einer Stress-Situation ausgesetzt, meldet der Hypothalamus im Gehirn den Nebennieren über einen Botenstoff, dass die Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol ausgeschüttet werden sollen. In diesem Moment erhöht sich der Herzschlag auf bis zu 400 Prozent. Das Fatale ist: Ohne diese Stresshormone könnte der menschliche Organismus mit den Stressreizen der Umwelt nicht fertig werden. Schüttet der Körper allerdings konstant zu viel dieser Stresshormone aus, kann dies zu Herzrhythmusstörungen, im schlimmsten Fall wieder zu Schlaganfall oder Herzinfarkt führen.

Die Stressreaktion als unbewusster Vorgang

In der menschlichen Evolution war dieses Stress-System ursprünglich dazu da, Gefahrensituationen besser zu meistern, anpassungsfähig und reaktionsschnell zu sein. Im Kampf ums Überleben ein hervorragendes Programm: Fight-or-flight oder auch Kampf- oder Fluchtreaktion genannt. Während dieser akuten Alarmphase läuft der Körper auf Hochtouren. Die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol steigert die Reaktionsfähigkeit noch um eine weitere Stufe, gibt aber gleichzeitig auch das Signal für den Rückzug und hemmt die Stressreaktion, um den Ruhezustand wieder herzustellen. Bei Dauerstress greift der Organismus so lange auf seine Reserven zurück, bis sein Limit erreicht ist. Im schlimmsten Fall kommt es zur völligen Erschöpfung und zu Folgekrankheiten. Dann wird das Stresshormon Cortisol nicht zum lebenswichtigen Hormon, sondern zum Körperfeind Nummer Eins. Anstatt Stress abzubauen, blockiert es die körpereigenen Abwehrreaktionen und schwächt somit den Organismus. Die Folge: Der Körper kämpft gegen sein eigenes Stressverarbeitungsprogramm.

Wenn Stress krank macht

Um diesem dauerhaften Stress rechtzeitig vorzubeugen, ist es ratsam, frühzeitig eigene Strategien zu entwickeln, mit ihm umzugehen. Auch ist es ratsam, überhöhte Leistungsansprüche an sich kritisch in Frage zu stellen. Ebenso sollten die eigenen Fähigkeiten bewusst wahrgenommen werden. Ein weiterer positiver Faktor ist, für eine ausgleichende Freizeitgestaltung zu sorgen. Eine gesunde Lebensweise mit genügend Schlaf, einer ausgewogenen Ernährung sowie Bewegung tragen dazu bei, dass der Körper besser mit den Stress-Situationen umgehen kann. Trotz allem wird Betroffenen geraten, zuerst den Allgemeinarzt aufzusuchen, um mögliche medizinische Ursachen auszuschließen. Erst dann sollte ein Psychotherapeut zu Rate gezogen werden, mit dem die Patienten gegebenenfalls eine Neuorientierung der Arbeits- und Lebensstrukturen ausarbeiten können.

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