Wie entsteht Adipositas?

Adipositas, die Fettsucht.

Wenn der eigene Körper aus der Bahn gerät. Übergewicht und Fettleibigkeit nehmen in Deutschland mehr und mehr zu. Die Ursachen dafür sind vielseitig, die Therapien langfristig hiflreich.

Die Fettsucht (Adipositas) wird definiert als eine Einlagerung von Fett in verschiedene Teile des Körpers durch eine den Kalorienbedarf dauernd übersteigende Kalorienzufuhr. Man spricht von Übergewicht, wenn der BMI ≥ 25 kg/m² beträgt.

Symptomatik nach der DSM-IV

Es treten wiederholte Episoden von Fressanfällen auf. Ein Fressanfall ist gekennzeichnet durch:

  1. Essen einer großen Nahrungsmenge in einem abgrenzbaren Zeitraum, die definitiv größer ist, als die, die die meisten Menschen essen würden
  2. Gefühl des Kontrollverlustes über das Essen

Die Fressanfälle treten gemeinsam mit mindestens drei der folgenden Symptome auf:

  1. Wesentlich schneller essen als normal
  2. Essen bis zu einem unangenehmen Völlegefühl
  3. Essen großer Mengen ohne körperliches Hungergefühl
  4. Alleine essen aus Verlegenheit / Scham über die Essensmenge
  5. Deprimiertheit, Ekel- und Schuldgefühle nach dem Fressanfall

Es besteht ein deutlicher Leidensdruck wegen der Fressanfälle.

Die Fressanfälle treten durchschnittlich an mindestens zwei Tagen in der Woche für sechs Monate auf.

Fressanfälle kommen nicht ausschließlich im Verlauf einer Magersucht oder Bulimie vor.

Ursachen der Adipositas

  • Sitzende Tätigkeit
  • Geringe Bewegung dank Auto, Fahrstuhl, Rolltreppe
  • Passive Freizeit (Fernsehen, Computer)
  • Frust, Langeweile, Stress: Essen als Übersprungshandlung
  • Waren-Überangebot
  • Essen als Ersatz für emotionale und persönliche Zuwendung
  • Erziehung: „Der Teller wird leer gegessen“, „Iss was, dann wirst du was!“
  • keine gemeinsamen Mahlzeiten
  • negative Vorbilder: übergewichtige Eltern haben oft übergewichtige Kinder
  • Fastfood: Portionsgröße, Essgeschwindigkeit, zu hoher Fett-, Salz- und Zuckergehalt, dabei nicht ausreichend sättigend.
  • Geschmacksverstärker Glutamat (kann Appetit anregen)
  • Farb- und Geruchsstoffe, die das Essen appetitlicher erscheinen lassen
  • Werbung für zucker- und fetthaltige Lebensmittel
  • Geschmacksprägung durch Zuckerzusatz (Softdrinks, Babynahrung, gesüßter Tee, gesüßte Fleischwaren)
  • Jo-Jo-Effekt nach einer Diät (durch Rückfall in alte Essgewohnheiten)
  • Übergewicht als Schönheitsideal bzw. Zeichen für Wohlstand in manchen Kulturen
  • fehlende Aufklärung, Mangel an alternativen Produkten

Folgeerkrankungen

Folgekrankheiten, vor allem degenerative und Stoffwechselerkrankungen, erhöhen den Leidensdruck und stellen erhebliche Risikofaktoren dar, zum Beispiel vorzeitige Arteriosklerose (Arterienverkalkung), Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus, Hypertonie (Bluthochdruck). Häufig bestehen Bindegewebeschwächen, die zu Leistenbruch, Krampfadern (Varikosis), Hämorrhoiden, Senk-, Spreiz- und Knickfuss, Arthrosen und degenerativen Beschwerden an der Wirbelsäule führen können. Das Krankheitsbild der Adipositas führt zu einer erhöhten Rate postoperativer (Heilungs-)Komplikationen und insgesamt zu einer signifikanten Lebensverkürzung.

Therapie

Die multidimensionale Behandlung geht von folgenden Punkten aus:

  • Vom Patienten(!) kontrollierte Regelmäßigkeit der Kalorienzufuhr. Eine forcierte Diät erscheint nicht sinnvoll, da alle Langzeitstudien nach Reduktionskost beziehungsweise Nulldiät unter stationären Bedingungen, Formuladiät und so weiter enttäuschend schlechte Ergebnisse zeigen. Anzustreben ist eine gleichmäßige aber langsame Gewichtsabnahme, da forcierte Diäten oft nur den bekannten Jo-Jo-Effekt des Gewichtsverlaufes provozieren. Dabei senkt bereits eine Gewichtsreduktion von 10% die Adipositas-assoziierten Risikofaktoren.
  • Regulierung des Essrhythmus: Verhaltenstherapeutisch wird versucht, eine bleibende Veränderung des Essverhaltens zu erreichen. Insbesondere werden Methoden angewandt, die dem Patienten eine Selbstkontrolle seines Essverhaltens ermöglichen und ihnen von seinen unmittelbaren Umweltbedingungen unabhängiger machen sollen, welche die gesteigerten Essbedingung stimulieren (Berücksichtigung des mangelnden Sättigungsgefühls, Augenkontrolle statt Magenkontrolle, Essprotokoll, Kontingenztraining).
  • Bearbeitung etwaiger psychodynamisch zugänglicher Konflikte und Belastungssituationen, insbesondere der Enttäuschungen und Kränkungen, die häufig die Nahrungsaufnahme auslösen.
  • Förderung der körperlichen Aktivität.
  • Einführung in die Ernährungslehre (Kochkurse, Kalorientabellen).
  • Adipositas-Chirurgie: Nach den Leitlinien der Deutschen Adipositas Gesellschaft (2007) besteht die Indikation zu einer chirurgischen Intervention nach Scheitern einer konservativen Therapie bei Adipositas Grad III und bei Grad II mit erheblicher Komorbidität: Reduzierung des Magenvolumens, sowie als kombiniertes Verfahren den Magenbypass und die Malabsorptionstechniken.
  • Pharmakotherapie: Sibutramin und Orlistat stellen eine Option nach erfolgloser Basistherapie dar. (dies sind verschreibungspflichtige Medikamente und gehören deshalb nur in die Hand eines erfahrenen Arztes)
  • Selbsthilfegruppen

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