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Klaffende Tube mit Autophonie – was kann man tun?

Eine offene Tube, bei der die Patienten ihre eigene Stimme und die Atemgeräusche sehr laut hören, ist sehr unangenehm. Und leider schwer therapierbar.

Bei dem Krankheitsbild der klaffenden Tube handelt es sich um eine Funktionsstörung der Eustachischen Röhre. Dies ist ein Kanal zwischen dem Mittelohr und dem Rachenraum, der dem Druck-Ausgleich und der Drainage (Ableitung von Flüssigkeiten) dient. Im Normalfall ist er durch Fettkörper und Knorpel geschlossen, und kann sich nur durch Muskel-Bewegungen kurz öffnen. Bei der klaffenden Tube bleibt die Eustachische Röhre zeitweise offen. Dadurch hören die Betroffenen ihr eigenes Atmen und die eigene Stimme sehr laut. Dieses Phänomen nennt man Autophonie.

Welche Ursachen gibt es für eine klaffende Tube?

Neben anatomischen Fehlstellungen im Hals-, Nasen- und Rachenraum stehen auch Verspannungen des Kiefers oder der Halswirbelsäule im Verdacht, diese Symptome auszulösen. Weiters ist eine rasche Gewichtsabnahme als Ursache anerkannt: die Fett-Depots entlang der Tube schrumpfen, dadurch dichtet sie nicht mehr ab. Auch ein niedriger Blutdruck begünstigt das Auftreten der Beschwerden.

Hormonelle Faktoren werden ebenfalls als Auslöser diskutiert. So scheinen sich etwa Schwangerschaft oder hormonelle Empfängnisverhütung negativ auszuwirken. 63% der Betroffenen sind Frauen.

Situative Faktoren wie schlechte Luft, Klimaanlage, Anstrengung, Erschöpfung und häufiges Gähnen lösen oft bei den Patienten eine Öffnung der Tube aus, die üblicherweise mehrere Minuten bis mehrere Stunden lang anhält.

Symptome einer klaffenden Tube

Da dieses Krankheitsbild im medizinischen Sinne nicht wirklich gefährlich ist, wird es von Ärzten oft heruntergespielt und nicht ernst genommen. Doch die Betroffenen leiden sehr unter der offenen Tube und der Autophonie: Durch die laute Wahrnehmung der eigenen Stimme und die schlechtere Wahrnehmung von Geräuschen/Stimmen, die von außen kommen, ist die Kommunikation stark beeinträchtigt. Man wird unsicher, kann nicht einschätzen, wie laut man spricht, und versteht oft nicht, was andere sagen.

Auch finden viele Patienten mit der Zeit heraus, dass Sprechen und Kauen die Öffnung der Tube beschleunigen kann. All dies führt dazu, dass Gespräche mit Mitmenschen gerne vermieden werden. Vor allem, wenn beide Tuben betroffen sind. Zusätzlich tritt oft ein unangenehmer Druck im Ohr und/oder Rachenraum auf.

Therapiemöglichkeiten bei klaffender Tube und Autophonie

Typisch für die klaffende Tube ist, dass sie sich schließt, sobald der Patient sich hinlegt. Denn dadurch steigt der Druck im Schädel und das Gewebe rund um die Tube polstert sich etwas auf. Dies kann natürlich nicht als Lösung des Problems angesehen werden, sondern hilft maximal bei der Diagnose.

Therapie-Empfehlungen gliedern sich in drei Gruppen:

  • Aufpolstern des Gewebes entlang der Eustachischen Röhre
  • Steigerung des cranialen Drucks (das ist der Druck im Schädel)
  • Physiotherapie zur Lösung der Verspannungen im Hals-/Nacken-/Kiefer-Bereich

Eine OP, die der Aufpolsterung dienen soll, ist medizinisch umstritten, da es bislang keine eindeutig positiven Ergebnisse gibt. Entweder es wird zu wenig Material (Silikon, Hyaluronsäure, Gelatine, eigenes Körperfett oder ähnliches) eingespritzt und der Effekt tritt nicht ein oder hält nicht an. Oder es wird zu viel eingespritzt, und die Tube ist nicht mehr dazu in der Lage, ihre Funktion als Druckausgleich und Drainage auszuüben. Häufige Entzündung können die Folge sein. Die Schwierigkeit liegt darin, dass jede Tube auf die Aufpolsterung anders reagiert und es zu viele getestete Materialien mit zu wenigen Erfahrungswerten gibt. Eine natürliche Aufpolsterung durch Gewichtszunahme wird nur bei untergewichtigen Patienten empfohlen.

Maßnahmen zur Steigerung des Drucks umfassen etwa kreislaufanregende Medikamente und Homöopathika. Oder auch mechanische Mittel, die die Halsvenen einengen sollen, und somit den Druck im Schädel erhöhen. Möglichkeiten sind hierbei enge Krägen und Halstücher. Auch hilft es vielen Betroffenen, wenn sie bei Auftreten der klaffenden Tube mit den Fingern kurz selbst links und rechts vom Kehlkopf sachte und großflächig drücken.

Physio- und Sprachtherapie können langfristig sehr gute Ergebnisse erzielen. Hierbei werden durch gezielte Übungen die anatomischen Missverhältnisse im Hals-/Nasen-/Rachenbereich korrigiert.