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Reflektorische Atemtherapie – Wie sieht eine Behandlung aus?

Welche Techniken werden bei der Reflektorischen Atemtherapie (RAT) eingesetzt und wer darf sie am Patienten anwenden?

Die Reflektorische Atemtherapie ist vielfältig anzuwenden: hilfreich für Säuglinge, Menschen auf der Intensivstation, bei Atemproblemen, in der Psychosomatik bis hin zur Schulung der Körperwahrnehmung im Rahmen von Körperarbeit. Das Besondere dieser Technik liegt in ihrem ganzheitlichen Ansatz, obwohl sie schon viele Jahrzehnte alt ist.

Was findet in einer Behandlung mit Reflektorischer Atemtherapie statt und wer kann und darf die Technik anwenden?

Was passiert in einer Behandlung mit Reflektorischer Atemtherapie?

Der zu Behandelnde ist meist nur mit einer Unterhose bekleidet und wird nach der Befunderhebung so gelagert, dass er bequem liegt oder sitzt und sein Gewicht möglichst gut an die Unterlage abgeben kann. Eine Behandlung ist in jeder Ausgangsstellung möglich: Sitz mit Abstützung des Oberkörpers, Rücken- und Bauchlage oder auch Seitlage – je nach Lagerungsmöglichkeit des Patienten und Behandlungsziel.

Die Reflektorische Atemtherapie setzt sich aus drei Teilen zusammen: den Heißen Kompressen, den Manuellen Techniken und den Therapeutischen Übungen – Körperstellungen, die meist aus dem Yoga entlehnt sind. Je nach Zielsetzung und Erfordernis in der Behandlung werden diese drei Teile vollständig in der genannten Reihenfolge angewendet oder nur Teile davon. Die Auswahl dessen trifft der Therapeut, der nach Beobachtung der Reaktion des Behandelten auf die Behandlung diejenigen Techniken und Griffe auswählt, die hilfreich erscheinen. Es gibt also kein festes Konzept am Anfang der Behandlung, das wie geplant umgesetzt wird, vielmehr befinden sich Behandler und Behandelter in einem permanenten nonverbalen Dialog, wodurch die Technik sehr effektiv wird.

Die Heißen Kompressen in der Reflektorischen Atemtherapie

Zu Beginn der Behandlung werden Heiße Kompressen verwendet: Handtücher, die in heißes Wasser eingetaucht und dann ausgewrungen werden. Nachdem der Therapeut den Behandelten vorsichtig an die Wärme gewöhnt hat, wird das Handtuch auf den Körper aufgelegt, ein zweites heißes Handtuch wird auf das erste gelegt, dann werden beide Tücher umgedreht, das obere wird wieder ins heiße Wasser getaucht. Dieser Vorgang wiederholt sich einige Male. Bei aufliegenden Tüchern werden parallel noch Dehnungen oder Abziehgriffe angewendet.

Mittels der heißen Tücher wird ein Atemreiz gesetzt, der sich auf die Atembewegung auswirkt, Durchblutung und Stoffwechsel werden angeregt und durch die Wärme der muskuläre Tonus des Rumpfes reguliert. Außerdem kann die Wärme vorhandenes Sekret in den Lungen lösen. Auf den nun zu behandelnden Stellen wird meist ein Körperöl verwendet, um die Haut nicht unnötig zu reizen. Mit der Auswahl der Öle und des Aromas kann man ebenfalls in die gewünschte Therapierichtung unterstützen.

Die Manuellen Techniken in der Reflektorischen Atemtherapie

Dem Behandler steht eine Vielzahl von Techniken zur Verfügung, die je nach Reaktion des Behandelten situativ eingesetzt werden. Begonnen wird mit einleitenden und dehnenden Streichungen und Druckverschiebungen von der Seite über den Muskelbauch der Strecker auf die Wirbelsäule zu. Darüber hinaus gibt es Abzieh- und Lösungsgriffe in der Muskulatur, Zirkelgriffe, Atemreizgriffe, Klopfungen auf knöchernen Strukturen, mobilisierenden Druck auf die Wirbelsäule und Vibrationen.

Diese Techniken sind am ganzen Körper möglich und werden individuell kombiniert und eingesetzt. Mit ihnen werden Bindegewebe, Faszien, Haut und Gelenke mobilisiert und die Muskulatur quer und längs gedehnt. Die Auswahl orientiert sich an den anatomischen Gegebenheiten und den Veränderungen im Atemablauf.

Der Therapeut setzt die manuellen Reize mit den Fingerspitzen oder Knöcheln, die je nach Intensität aktivierend bis beruhigend wirken, wobei eine Reizstärke bis hin zu Schmerzempfindungen möglich ist. Nach der Reizsetzung wird eine Pause eingefügt, in dieser beobachtet der Therapeut aufmerksam die Reaktion des Patienten und plant daraufhin abgestimmt den nächsten Griff.

Die therapeutischen Körperstellungen in der Reflektorischen Atemtherapie

Nun schließen sich, wenn es hilfreich ist, die therapeutischen Körperstellungen an, die aus dem Yoga entlehnt sind. Die neu gewonnene Freiheit der Atembewegung soll hiermit aktiv stabilisiert, die insuffiziente Muskulatur gestärkt, die kontrakte gedehnt werden. Gleichzeitig werden Kraft und Ausdauer trainiert. Außerdem ist das bewusste Ausführen dieser Stellungen geeignet, auch die vegetative Entspannung zu verankern. Die Übungen werden individuell ausgewählt, von Patient und Therapeut gemeinsam erarbeitet und sollen dann vom Patienten auch in Eigenarbeit zu Hause ausgeführt werden.

Nach dem Einnehmen der Körperstellung wird der Atem aktiv gelenkt, entweder auf gedehnte Stellen des Körpers oder auf Atemrichtungen. Über mehrere Atemzüge werden die Stellungen gehalten, anschließend wird eine Ruhestellung eingenommen, in der bewusst die vertiefte reflektorische Nachatmung erfahren werden kann und soll.

Wie wird man Therapeut für Reflektorische Atemtherapie?

Die Ausbildung zum Therapeuten für Reflektorische Atemtherapie steht jedem staatlich anerkannten Physiotherapeuten offen. Der Verein für Reflektorische Atemtherapie e.V. regelt und organisiert bundesweit die Ausbildung in einem Kurssystem. Grund-, Aufbau- und Therapiekurs umfassen jeweils 32 bis 38 Unterrichtsstunden. Hier wird das gesamte Handwerkszeug gelernt und vertieft. Therapeuten, die ein Zertifikat anstreben, müssen alle Kurse absolvieren. Zusätzlich sind sie verpflichtet, sich selber behandeln zu lassen und auch andere Menschen zu behandeln, worüber Behandlungsprotokolle anzufertigen sind.

Bei Erfüllen aller Bedingungen und vorhandenem therapeutischen Können wird ein Zertifikat „Therapeut/in für Reflektorische Atemtherapie“ verliehen. Wer seine Kenntnisse vertiefen will, kann das in Refresherkursen tun. Wer sich darüber hinaus in der Technik ausbilden will, kann den Weg zum Lehrtherapeuten einschlagen.

Die Kosten für derartige Zusatzausbildungen tragen in der Physiotherapie die Therapeuten in der Regel selbst, gelegentlich beteiligen sich die Arbeitnehmer an den Gebühren der Ausbildungen.

Wer bezahlt die Reflektorische Atemtherapie?

Die Reflektorische Atemtherapie ist als physiotherapeutische Technik verordnungsfähig, die Kosten werden von den Krankenkassen übernommen. Auf der vom Arzt ausgestellten Heilmittelverordnung über Physikalische Therapie muss Krankengymnastik verordnet sein. Die Reflektorische Atemtherapie stellt keine Extraposition innerhalb der krankengymnastischen Leistungen dar, muss also als Krankengymnastik (Atemtherapie) verschrieben werden und wird auch wie diese vergütet. Zusätzlich sollten Wärmeanwendungen verordnet sein, da diese erheblich zum Erfolg der Reflektorischen Atemtherapie beitragen. Seit der Neufassung der Heilmittelrichtlinie zum 1.Juli 2011 ist die Position Krankengymnastik-Mukoviszidose auch bei anderen schweren Erkrankungen der Lunge verordnungsfähig, der Vorteil für die Patienten liegt in größeren Verordnungsmengen pro Diagnose und Regelfall.

Da für einige Erkrankungen nach dem Heilmittelkatalog Physiotherapie eigentlich keine Physiotherapie verordnet werden kann – zum Beispiel bei psychosomatischen Beschwerden – muss der Indikationsschlüssel an die Symptome angepasst werden. Wenn der Regelfall für diesen Schlüssel aufgebraucht ist, können Langfristverordnungen ausgestellt werden.