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Schlafschulden – die Schuld zu schlafen

Schlafen macht eigentlich Spass, wenn es nicht das effiziente Arbeiten unterbrechen würde…Schlafschulden sorgen für zusätzliche Leistung.

Schulden sind heutzutage jedem ein Begriff; selbst Kinder schulden sich untereinander Stifte, Spiele, Geld oder Klamotten. Als verantwortungsvoller Mensch weiß jeder, dass er seine Schulden zurückzahlen muss und tut dies auch brav.

Das größte Defizit – die größte Schuld – entwickelt man meist gegenüber seinem eigenen Körper. Der sagt ja schließlich nichts. Und wenn doch, wird er meisterhaft ignoriert, gedopt und im Zweifelsfall mit einer kurzen aber heftigen Sporteinlage gepusht.

„Schlafen kann ich, wenn ich tot bin“, war die allseits bekannte Antwort von Rainer Werner Fassbinders, wenn er auf sein reichhaltiges Arbeitspensum angesprochen wurde. Die Aussage wurde Programm, starb er doch mit 37 Jahren. Der eigene Körper ist also keine Maschine, die mit vielen Tricks auf Dauer bei Laune gehalten werden kann.

Ein nächtlicher Schuldenberg

Schulden die nachts wachsen, sind nur in der Theorie ein Paradoxon; jeder Mensch schläft pro Tag bzw. Nacht eine Stunde zu wenig; das macht bei 7.057.608.000 Menschen (Stand 11. Juli 2012, Weltbevölkerungstag) genauso viele Stunden. Das ist eine gigantische Summe, die bestimmt nicht nur freiwillig von fetenden Jugendlichen entsteht.

So mancher plagt sich mit gezwungenen Arbeitsleistungen, Sorgen, die zu Schlaflosigkeit führen oder Krankheiten herum.Was mit der Zeit wirklich leidet, ist die Lebensqualität. Wer quält sich schon gerne zum nächsten Meeting, der Aufführung im Kindergarten oder dem eigentlich netten Besuch bei Freunden, wenn dauernd die Augen zufallen und vom Geschehen nicht viel wahrgenommen wird.

Schleichende Gefahren

Laut Schlafforscher Prof. W. Dement, sind schwere Augenlider die letzte Stufe vor dem Einschlafen, nicht die Erste. Es ist einfach hochgefährlich, wenn die Augenlider von jetzt auf gleich die Schwere eines Betonklotzes entwickeln, der durch nichts aufzuhalten ist. Sitzt der Besitzer der müden Lider im Sessel oder am Tisch, ist dies ein ärgerliches, aber kein gefährliches Problem.

Fährt derjenige jedoch mit einer Geschwindigkeit von 150 kmh über die Autobahn, kann man es fast schon lebensmüde nennen, nicht sofort auf einen Parkplatz zu fahren und seinem Körper die so dringend benötigte Ruhe zu gönnen.

Eigenkontrolle

Nichts ist so hart, wie das Gericht mit sich selbst. Und nichts wird so selten befragt, wie der eigene Körper. Will dieser jedoch auf lange Sicht gesund bleiben, ist Selbstkontrolle unumgänglich.

  • Schlafe ich regelmäßig bei sitzenden Tätigkeiten ein, egal ob Fernseher, lesen oder als Beifahrer?
  • Lässt meine Konzentration schnell nach, wenn ich mich mit Freunden unterhalte? Vor allem abends?
  • Werde ich regelmäßig nach dem Essen „hundemüde“ auch dann, wenn ich gerade erst aufgestanden bin?
  • Bin ich im Bett noch einige Minuten ohne Probleme wach, oder fällt mir das Licht ausknipsen schon schwer?
  • Weiß ich nach dem Kinofilm, worum es ging?

Ausblick

Schlafdefizite sind in der heutigen Gesellschaft fast schon In: wer wenig schläft, bringt eine hohe Arbeitsleistung und somit Geld. Hier geht es um Statussymbole, Ansehen und Erfolg. Doch der Körper sieht dies anders. Für ihn geht es um Raubbau, Stress und im Ernstfall psychische Störungen.

So sehr das eigene Ich auch in Mitleidenschaft gezogen ist; Schlafschulden können genauso zurückgeführt werden, wie ein klammes Bankkonto. Manchmal, wenn schon eine schwere Schlafstörung vorhanden ist, muss vielleicht ein Arzt hinzugezogen werden. Der Körper wird die Hilfe jedoch dankbar annehmen und es doppelt und dreifach zurückgeben.