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Schmerzen beim Sex: Frauenleiden Vestibulitis und Vaginismus

Über Schmerzen im Genitalbereich spricht keine Frau gern. Doch die Krankheiten Vestibulitis und Vaginismus sind keine Seltenheiten mehr.

Jucken und Brennen in der Scheide, aber der Gynäkologe kann nichts feststellen. Unbeschreibliches Kribbeln, das sich mal nach Krämpfen, dann wieder nach einem Ziehen oder einem dumpfen Pochen anfühlt. Bei jeder Berührung kommt der Schmerz, obwohl sich sonst alles gut anfühlt. Oder einfach Schmerzen beim Sex. Das Gefühl, die Vagina sei zu eng für den Partner, zu trocken und es sticht und zieht überall.

Diese Symptome kennen viele Frauen. Im Internet finden sich Selbsthilfeforen, wo Frau sich mit Frau austauscht, über erste negative Erfahrungen beim Gynäkologen spricht, der sie für psychisch labil erklärt: „Medizinisch ist nichts mehr festzustellen. Entspannen Sie sich, dann wird der Schmerz schon von allein weggehen.“ Oder: „Prüfen Sie, ob Sie den Sex mit ihrem Partner wirklich wollen. Sie verkrampfen sich.“

Ärzte, die ihre Patientinnen beim Beschreiben solcher Symptome nicht ernst nehmen, sind nicht auf dem aktuellen Stand der Medizin. Längst ist bewiesen, dass es Krankheiten wie Vestibulitis oder Vaginismus tatsächlich gibt, deren Diagnostik und Behandlung zwar noch in der Entwicklung, die Symptome aber therapierbar sind. Da die Forschung noch in den Kinderschuhen steckt, kennen sich deutsche Gynäkologen teilweise sehr schlecht aus. Im Netz stößt man derzeit fast ausschließlich auf englische Internetseiten.

Vaginismus

Das Verkrampfen der Scheide beim Sex oder beim Einführen eines Tampons wird als Vaginismus bezeichnet und kann medizinische oder psychische Gründe haben. Heilmethoden sind neben der alternativen Medizin vor allem die Therapie mit Dilatoren. Das sind glatte, konische Stäbe in unterschiedlichen Größen, wodurch die Vagina nach und nach sanft geweitet wird.

Vulväres Vestibulitis-Syndrom

Professor Dr. Mendling in Berlin ist Spezialist für das noch außergewöhnliche Frauenleiden Vestibulitis. Die Symptome der Krankheit beschreibt er wie folgt: „Das vulväre Vestibulitis-Syndrom ist gekennzeichnet durch Schmerzen – Brennen, Stechen, Reizung, Wundsein – und starke Empfindlichkeit bzw. Überempfindlichkeit im Introitus vaginae, so dass eine vaginale Penetration jeder Art nicht schmerzfrei möglich oder sogar unmöglich ist.“ Im Kreuzberger Vivantes Klinikum diagnostiziert er das Syndrom und empfiehlt Therapiemethoden wie die Reizstrom- und Neuraltherapie. Auch das Kantonspital Baden hat sich auf die Vestibulitis – auch Burning Vulva genannt – spezialisiert. Hier wird sogar operiert. Da jedoch alle Therapieformen noch lange nicht ausreichend erprobt worden sind, sollte die betroffene Frau die Therapiemethode nach eingehender Beratung sorgsam wählen, im Zweifel immer erst zur alternativen Medizin – wie Salben und Sitzbäder – greifen und so für sich entscheiden, was das Richtige ist.

Kompetenz, Verständnis und Geduld

Wichtig ist für die leidende Frau in erster Linie, einen Arzt zu finden, der sich ihres Problems kompetent annimmt und sie vor allem ernst nimmt. Natürlich spielt bei vielen Krankheiten auch die Psyche eine Rolle. Gerade bei einem so empfindlichen Körperteil wie der Vagina. Denn wenn der erste Schreck über das eigene Unwohlsein überwunden ist, kommen die Ängste in Bezug auf den Partner und das Sexualleben. Die eigene Verzweiflung, selbst keine Lust mehr empfinden, geschweige denn dem anderen welche verschaffen zu können, nagt oft so sehr an der Frau, dass das Sexualleben komplett einschläft. Daraus folgen wieder Zweifel und Ängste, die auch Auswirkungen auf die Krankheit haben. Deshalb ist es einerseits wichtig, sich von einem Arzt behandeln zu lassen, der einen nicht für psychisch krank erklärt und sich um mögliche Behandlungsmaßnahmen bemüht, andererseits aber auch von Zeit zu Zeit auf die eigene Befindlichkeit aufmerksam macht.

Frauen, die unter einer solchen Krankheit wie dem Vaginismus oder dem Vulvären Vestibulitis-Symdrom leiden, sollten mit sich selbst sehr geduldig sein, sich Entspannung gönnen und sich verwöhnen lassen. Mit der Krankheit leben ist keine einfache Entscheidung – vor allem weil der Weg einige Zeit in Anspruch nehmen kann – aber es ist immer besser als gegen sie zu arbeiten.