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Unterschiede der Gehirnfunktionen bei Mann und Frau

Männer ticken anders – Frauen auch. Die geschlechtsspezifischen Denkstrukturen und ihre Bedeutung für die soziale Ungerechtigkeit.

Sämtliche Körperzellen tragen den genetischen Code für die Entwicklung eines Mannes beziehungsweise eine Frau in sich. So auch die Gehirnzellen. Es ist also nur logisch, dass Frauengehirne etwas anders aufgebaut sind als Männergehirne. Doch was sind das für Unterschiede? Und viel wichtiger: Welchen Einfluss haben diese Unterschiede auf das praktische Leben, z.B. den beruflichen Erfolg? Noch im Jahre 2005 äußerte der Präsident der Harvard-Universität die Vermutung, das Unterschiede in der Hirnstruktur mit ein Grund dafür sein könnten, dass viel weniger Frauen als Männer in akademischen Positionen vertreten sind. In unserer aufgeklärten Gesellschaft stößt diese Behauptung auf fast intuitive Ablehnung. Und doch ist es wichtig, diese Meinung mit Hilfe von empirischen Befunden der Neurowissenschaft zu untermauern.

Die Entwicklung des Gehirns in der pränatalen Phase

Schon vor der Geburt weisen männliche und weibliche Gehirne signifikante Unterschiede auf. So wachsen die Nerven weiblicher Föten viel schneller zu den Gesichtsmuskeln, was dazu führt, dass bereits vier Wochen eher als bei männlichen Föten Mundbewegungen ausgeführt werden können. Desweiteren ist eine schnellere Entwicklung der elektrischen Hirnaktivität bei weiblichen Föten beobachtbar. Auch die ersten Lernprozesse schafft die ungeborene Tochter schneller als der Sohn. Bereits im sechsten Schwangerschaftsmonat beginnt der weibliche Fötus zu habituieren, das heißt sich an einen stets gleichen Reiz zu gewöhnen.

Verhaltensunterschiede kurz nach der Geburt

Die Beobachtung des Verhaltens von Neugeborenen ist in diesem Zusammenhang besonders wichtig. Zu diesem Zeitpunkt haben Einflüsse aus der sozialen und kulturellen Umwelt noch kaum Bedeutung, weswegen angeborene Eigenschaften indentifiziert werden können. Die Ergebnisse mögen allerdings überraschend klingen, denn sie entsprechen voll und ganz dem Klischee: Jungen können stundenlang auf Bilder von Autos und Bällen starren, Mädchen dagegen bevorzugen Bilder von Gesichtern oder Puppen.

Verschiedene Begabungen im Erwachsenenleben

Statistisch gesehen sind Frauen besser im Lösen von Aufgaben, die Sprachfähigkeiten erfordern, während Männern alles leichter fällt, was mit räumlicher Vorstellungskraft zusammenhängt. Interessant ist hierbei, dass die räumliche Vorstellungskraft von Frauen sich kurz nach dem Eisprung stark verbessert, also teilweise hormonell bedingt ist. Diese generellen Anlagen spiegeln sich in der Anatomie des Gehirns wieder. Die Teile des Gehirns, die für die sprachliche Aktivität verantwortlich sind, sind bei Frauen viel stärker neuronal vernetzt, bei Männern hingegen sind es die Teile, die für die räumliche Wahrnehmung zuständig sind. Die Untersuchung der Neuronendichte liefert auch die erste Überraschung: Die Vernetzung der Neuronen in der Amygdala ist bei Männern ausgeprägter als bei Frauen. Dieses Organ ist an der Verarbeitung von Emotionen beteiligt. Männer sind also rein anatomisch betrachtet gefühlsbetonter als Frauen.

Auch die Denkprozesse an sich unterscheiden sich. Frauen haben eine stärkere Verbindung zwischen beiden Hirnhälften und können die jeweiligen Inhalte besser in einen Gedankengang integrieren. Männer sind in dieser Hinsicht weniger flexibel. Sie aktivieren meist nur eine Hälfte verstärkt. So ist es auch erklärbar, dass in der Entscheidungsfindung sowie in der alltäglichen Erledigung von Aufgaben verschiedene Lösungsstrategien angewandt werden, die beide zum Ziel führen. Während Männer eher versuchen, das „große Ganze“ zu sehen, wählen Frauen oft einen analytischen, sprachlich orientierten Ansatz.

Gemeinsamkeiten

Trotz der vielen Unterschiede gibt es etliche Bereiche, in denen sich die Geschlechter gleichen:

  • Logisches Denken
  • Verstehen komplexer Zusammenhänge
  • Moralische Vorstellungen
  • Gerechtigkeitsempfinden

Diese Dinge sind nach heutigem Forschungsstand nicht von der Anatomie des Gehirns und damit nicht von einem genetischen Programm abhängig.

Fazit

Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Hirnstruktur sind unbestreitbar. Männer und Frauen haben andere Denkansätze und verfolgen verschiedene Lösungsstrategien. Allerdings heißt das nicht, dass der eine oder der andere Ansatz besser oder schlechter wäre. Genetisch bedingte Unterschiede sind kein Grund für eine Benachteiligung von Frauen in der akademischen Welt. Vielmehr sollte der andere Blickwinkel als wichtige Bereicherung der Wissenschaften willkommen geheißen werden.