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Wie entsteht Selbstverletzendes Verhalten

Selbstverletzendes Verhalten. Informationen zu dem Symptom des selbstverletzenden Verhaltens. Wie kommt es dazu, welche Arten gibt es und wie kommt es zu diesem Teufelskreis?

Das Symptom des selbstverletzenden Verhaltens wird oft – selbst in wissenschaftlicher Literatur – mit der Borderline Persönlichkeitsstörung gleichgesetzt. Jedoch ist zu beachten, dass nicht jede Person, die unter dem Syndrom Borderline leidet, sich selbst verletzt und in der Umkehr, nicht jeder, der zu Autoaggression neigt, ein Borderliner ist.

Warum selbstverletzendes Verhalten?

Autoaggression, die gegen die eigene Person gerichtete Aggression, ist der deutliche Ausdruck eines seelischen Notstandes, welche meistens keine Maßnahme ist, um Aufmerksamkeit zu erzielen. Die Betroffenen stehen hierbei unter hohem, nicht mehr ertragbarem emotionalem Druck. Gefühle wie Trauer, Angst, Wut, Frustration oder Hilfslosigkeit richten sie nicht, wie die meisten Menschen, gegen andere, sondern gegen sich selbst. Es muss als eine Art Selbstfürsorge angesehen werden, da es dazu dient, Druck, Anspannung und Überbelastung abzubauen und weitere Selbstgefährdungen wie etwa einen Suizid abzuwenden. Die körperlichen Schmerzen überdecken die seelischen Qualen und das Gefühl der Leere wirkt dadurch entlastend. Es wirkt auch effektiver als Medikamente oder Gespräche, wenn auch nur kurz- oder mittelfristig.

Arten selbstverletzenden Verhaltens

Es werden drei verschiedene Arten der Selbstverletzung unterschieden.

  1. Artifizielle Störung: Betroffene täuschen Krankheitszeichen vor und sind der Überzeugung, dass die Folgeerkrankung nicht auf eine Handlung von ihnen selbst zurückzuführen ist. Vortäuschungen geschehen häufig durch die Injektion von toxischen Substanzen.
  2. Simulation: Bei der Simulation handelt es sich um eine Selbstverletzung, welche zweckgebunden geschieht, um zum Beispiel bedauert zu werden oder um nicht an einer Klausur teilnehmen zu müssen.
  3. Offene Selbstverletzung: Bei dieser Art der Autoaggression bezeichnet man die mehrmalige Gewebebeschädigung am eigenen Körper durch Schneiden, Verbrennen oder Ähnliches ohne eine suizidale Absicht.

Selbstverletzung und Komorbidität

Selbstverletzendes Verhalten tritt meist immer vergesellschaftlicht mit (mindestens) einer weiteren psychischen Störung beziehungsweise Krankheit auf, wie zum Beispiel:

Selbstverletzendes Verhalten – ein Teufelskreis

Die Episoden der Selbstbeschädigung resultieren häufig aus

  • konkreten Versagensängsten
  • Misserfolgen
  • emotionalem Druck
  • Selbsthass
  • intensiv empfundener Einsamkeit
  • sozialer Isolation

Das Selbstverletzen erfolgt meistens alleine, in einem entfernten Raum, seltener findet es impulsiv beziehungsweise spontan statt. Die Betroffenen ringen vorher mit sich und befinden sich in einem verwirrten Zustand, da sie gegen den Impuls der Selbstverletzung versuchen anzugehen, andererseits jedoch sehr stark den Drang zum Beispiel nach dem Ritzen spüren. So ist die Selbstverletzung häufig das Resultat eines inneren Kampfes. Beim Akt der Selbstverletzung befinden sich die Betroffenen in einem dissoziativen Zustand, einem Akt der Selbstentfremdung. Die Realität wird nicht mehr wahrgenommen, das eigene Körpergefühl besteht nicht mehr, Betroffene sind quasi aufgespalten in einen handelnden und einen wahrnehmenden Teil. Der Körper wird hierbei praktisch von außen betrachtet, als wäre es nicht der eigene Körper, sondern der eines Fremden. Dies ist die Erklärung von Experten, warum Betroffene während der Selbstverletzung auch keinen Schmerz empfinden. Der Akt des Verletzens erfolgt oft zwanghaft, unkontrolliert, wie in Trance. Häufig fehlt die Erinnerung an den Vorgang, welchen man mit einem autistischen Zustand vergleichen kann.

Fließt Blut nach dem Setzen eines Schnittes beziehungsweise mehrerer Schnitte, fühlen die Betroffenen zunächst Entspannung, Erleichterung, langsam kommt das Gefühl des Schmerzes. Die Dissoziation wird mit dem Fühlen der zugefügten Wunden beendet, die körperlichen Schmerzen lassen die seelischen Qualen und die innere Leere in den Hintergrund rücken, weshalb die Betroffenen sich gelöst und befreit fühlen können. Körper und Seele sind nun wieder verbunden, sind wieder eins, klare Gedanken können langsam wieder gefasst werden. Durch diesen Mechanismus können weitere, gefährlichere Taten, wie beispielsweise Suizidversuche, abgewendet werden. Doch sobald die neu entstandenen Wunden realisiert werden, entsteht häufig ein Schamgefühl sowie Wut und Frustration darüber, dass man schwach war und den inneren Kampf verloren hat. Angst vor sozialer Ächtung schleicht sich ein. Der innere Druck nimmt erneut seinen Lauf – der Teufelskreis beginnt von vorn.