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Wieder oder wider? – Bedeutungsunterschiede, Verwendung und Vorkommen

„Wieder“ und „wider“ werden hin und wieder verwechselt. Bei Wortzusammensetzungen und der Getrennt- und Zusammenschreibung hilft kein Widerstand, sondern ihre Bedeutung.

Zwar unterscheiden sich „wider“ und „wieder“ hinsichtlich ihrer Schreibweise, ihrer Bedeutung und ihrer Zugehörigkeit zu einer Wortart, lautlich kann man sie jedoch nicht auseinanderhalten. Zu allem Überfluss gehen beide auf einen gemeinsamen Ursprung zurück, war doch das mittelhochdeutsche wider der Komparativ zu dem Adjektiv wit, auf Neuhochdeutsch „weit“. Wider bedeutete demnach „mehr auseinander, weiter weg“. Doch damit nicht genug. Aus dieser Bedeutung entwickelten sich nach und nach andere, unterschiedliche Bedeutungen: „gegenüber und gegen“ und „hin und zurück, zurück und abermals“. Zur Unterscheidung beschlossen einige Gelehrte des 17. Jahrhunderts, die Präposition weiterhin mit einem einfachen i zu schreiben, dem Adverb hingegen ein Dehnungs-e hinzuzufügen. Der Aussprache tat dies keinen Abbruch. Einer Verwechslung allerdings auch nicht.

Doch spätestens in der Schule wird versucht, den Schülern den Unterschied zwischen „wider“ und „wieder“ wieder und wieder einzutrichtern. Nochmals auf den Punkt gebracht lautet der Merkspruch: „Wider mit i bedeutet gegen und wieder mit ie zurück, nochmal (immer wieder) oder erneut.“ So weit, so gut.

Das Wort „wider“ – Verwendung und Vorkommen

Bei dem Wort „wider“ handelt es sich also ganz eindeutig um eine Präposition, seine Bedeutung und Verwendung sind ebenfalls recht eindeutig. Man benutzt diese Präposition immer mit dem Akkusativ. Bis dahin ist alles recht einleuchtend und einfach.

Wider den tierischen Ernst, wider Erwarten, aber nicht wider besseres Wissen kann „wider“ aber auch als Adverb auftauchen – was einem dann völlig zuwider ist oder zumindest widerlich vorkommt – oder auch in verbalen Zusammensetzungen, was einen regelrecht anwidern kann. Diese Widrigkeit kann man erwidern, indem man sich widerspenstig zeigt. Während man sich widerwillig mit dem Gedanken herumplagt, allen Widerwärtigkeiten zu widerstehen, macht sich ein innerer Widerspruch breit. Aber man muss sich einem Widersacher ja nicht widersetzen. Widerstand ist zwecklos, wenn man nichts widerlegen kann. Und so spiegelt das Widerwort die Zuwiderhandlung wider. Auch wenn es einem widerstrebt. Man kann schließlich nicht alles widerrufen oder immer nur widerborstig sein.

Merke: In Zusammensetzungen kann die Bedeutung von „wider“ variieren. So wird es zum Beispiel auch im Sinne von entgegen, unrichtig, ungültig oder unangenehm gebraucht.

Das Wort „wieder“ – Bedeutungsunterschiede, Getrennt- und Zusammenschreibung

Das Adverb „wieder“ wird in der Regel völlig problemlos in Sätze integriert, ohne dass man lange überlegen muss, wie es denn nun geschrieben wird.

  • Er ist wieder zu spät gekommen.

Ebenfalls keinerlei Probleme bereitet das Wort „wiederholen“ – gleich, in welchem Zusammenhang. Man kommt nie in die Versuchung, es mit nur einem i zu schreiben. Man kann immer und immer wieder alles wiederholen, damit man es auch behält oder der andere endlich versteht, was man meint. Man kann aber auch etwas zurückholen, was einem widerrechtlich abgenommen wurde. Allerdings kann man auch etwas wieder holen. Also langsam. Offensichtlich handelt es sich ja wiederum um mindestens zwei unterschiedliche Bedeutungen. Und das hat Auswirkungen auf die Getrennt- und Zusammenschreibung von Verben und davon abgeleiteten Adjektiven.

Im Sinne von „zurück“ werden diese Verbindungen zusammengeschrieben. Merke: Alles, was man in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt, wird unweigerlich fest angeschweißt, damit es nicht wieder verlustig geht:

  • wiedergeben, wiederbeleben, wiedererobern, wiederbekommen, wiedergutmachen

Auch im Sinne von „nochmals bzw. sich ständig wiederholen“ entstehen zusammengelötete Wortverbindungen:

  • wiederkäuen, wiederholbar, wiederkehren, wiederverkaufen, wiederverwertbar

Aber Achtung! Getrennt wird geschrieben, wenn das „Wieder“ als eigenständiges Adverb behandelt wird und „nochmals bzw. erneut“ bedeutet:

  • wieder einfallen, wieder zurückkommen, wieder tun, wieder anfangen

In ganz vielen Fällen steht man jedoch wieder einmal ganz allein vor der Entscheidung, ob man nun getrennt oder zusammenschreibt. Grundsätzlich sind also zwei Schreibweisen möglich, was ja nicht weiter schlimm ist. Es kommt nur auf die Akzentuierung an. Doch die hängt von der Bedeutung ab. Im Sinne von „noch einmal“ oder „zurück“ – oder in übertragenem Sinne – schreibt man zusammen. Der Hauptakzent liegt nur bei „wieder“ oder nur bei dem Verb:

  • wiederaufwachen, wiederbeleben, wiedereingliedern, wiedergeben (den Inhalt eines Textes)
  • Er hat sie gleich wiedererkannt.

Im Sinne von „erneut“ schreibt man getrennt – der Akzent liegt sowohl auf „wieder“ als auch auf dem mit ihm im Zusammenhang stehenden Verb oder Adjektiv:

  • wieder bringen, wieder kaufen, wieder sehen, wieder aufrichten
  • Plötzlich konnte er alles wieder erkennen.

Wiederholung der Widrigkeiten

So kompliziert, wie es sich auf den ersten Blick liest, ist die Verwendung von „wider“ und „wieder“ nun auch wieder nicht. Eigentlich reicht es, den eingangs erwähnten Merkspruch anzuwenden. Der Bedeutungsunterschied lässt sich auch bei Wortzusammensetzungen überprüfen. Keine Widerrede: Im Zweifelsfall spricht nichts gegen eine nochmalige Überprüfung! Und im Falle der Getrennt- und Zusammenschreibung muss man halt das Für und Wider gegeneinander abwägen …