Abgelaufene und angebrochene Medikamente richtig entsorgen

Arzneimittelwirkstoffe reichern sich in Umwelt und Trinkwasser mit unabsehbaren Folgen an. Alte Medikamente am besten zur Schadstoffsammelstelle bringen.

Die Antihistaminika gegen den Heuschnupfen, dazu noch Augentropfen und Nasensalbe; die Kopfschmerztabletten gegen die Migräne, die Schilddrüsentabletten und die Kreislauftropfen; die Tropfen gegen die Magenschmerzen und ein Schnupfen ist auch schon wieder im Anmarsch. Verdammt, fast schon wieder die Pille vergessen…

So ein Medikamentenmix kommt schnell zustande, und es ist nicht nur das Abführmittel, das über die Toilette in unsere Abwässer gelangt. Laut dem Projekt „Strategien zum Umgang mit Arzneimittelwirkstoffen im Trinkwasser“ (start) hat man zu Beginn der 1990er Jahre im Berliner Trinkwasser Medikamentenreste nachweisen können. Mittlerweile sind es über hundert Substanzen, die in Gewässern, Grund- und Trinkwasser gefunden wurden, am häufigsten Schmerzmittel, Lipidsenker, Antiepileptika, Antibiotika und Beta-Blocker.

Laut Bayerischem Landesamt für Umwelt ist der Medikamenteneintrag in die Flüsse sogar größer als der von Pflanzenschutzmittel (Siehe dazu auch: UmweltWissen – Arzneistoffe in der Umwelt. Hg.: Bayerisches Landesamt für Umwelt. Augsburg 2008) Da stellt sich die Frage, wie schädlich dies für Mensch und Umwelt ist.

Wie gelangen die Arzneimittelwirkstoffe in die Umwelt?

Es ist ein weiter Weg für einen Arzneiwirkstoff, an den Bestimmungsort zu gelangen. Enzyme im Speichel und Magensäure müssen beispielsweise überwunden werden. Daher ist man besonders bemüht, für eine gewisse Stabilität zu sorgen. Diese führt dann dazu, dass sich der Wirkstoff oder seine Abbauprodukte so hartnäckig halten, dass sie wieder ausgeschieden werden und sogar in der Kläranlage nicht abgebaut werden können. Zusätzlich gelangen auch Tierarzneimittel zum Teil über die Gülle auf die Felder und so ins Grundwasser.

Bis zu 30.000 Tonnen nicht verwendeter oder abgelaufener Medikamente werden in Deutschland jährlich weggeworfen. Eine Umfrage durch „start“ hat ergeben, dass in Deutschland jeder Siebte Tabletten über die Toilette entsorgt und bei flüssigen Arzneien sogar jeder Zweite. Wirft man sie in den Hausmüll, kann es unter Umständen sein, dass Pillen und Co. auf einer Deponie landen und Niederschläge die Wirkstoffe in den Boden spülen.

Umweltgefahren durch Medikamentenrückstände?

Die Konzentration von Arzneimittelrückständen im Abwasser ist zwar wesentlich geringer als im menschlichen Körper, doch ist auf Dauer mit Beeinträchtigungen der Umwelt zu rechnen. Noch ist zu wenig über Abbauprodukte und mögliche Wechselwirkungen mit anderen in der Umwelt befindlichen Chemikalien bekannt und es liegen keine Langzeitstudien vor.

Doch verweist man häufig auf folgende Beispiele: Die Verweiblichung von männlichen Fischen in der Nähe von Kläranlagen wurde nachweislich mit der Antibabypille in Verbindung gebracht. In Indien und Pakistan hat ein Antirheumatikum zum Aussterben von drei Geierarten geführt, weil sie verendete Rinder aasten, denen dieses Mittel verabreicht worden war. Es wird befürchtet, dass beispielsweise Antibiotika in der Natur nützliche Keime abtöten, Antiparasitika Nützlingen wie Bienen schaden, Antiepileptika neurotoxische Wirkung entfalten und Zytostatika die Fortpflanzungsfähigkeit von Organismen beeinträchtigen können.

Arzneimittelrückstände im Trinkwasser

Laut „start“ wurden in Deutschland bisher fünfzehn verschiedene Wirkstoffe in Trinkwasserproben nachgewiesen. Auf europäischer Ebene gibt es für Trinkwasser bisher keine Grenzwerte für Medikamentenwirkstoffe, in Deutschland nur einen unverbindlichen Vorsorgegrenzwert. Experten meinen, dass keine Gesundheitsgefährdungen für den Menschen zu befürchten seien. Als Beispiel wird die nachgewiesene Menge eines Antiepilektikums im Trinkwasser angeführt, die bei 30 Nanogramm pro Liter liege. Würde man siebzig Jahre lang jeden Tag zwei Liter von diesem Wasser trinken, käme man nicht mal auf ein Tausendstel der empfohlenen Tagesdosis.

Jedoch ist noch unbekannt, wie die lebenslange Aufnahme solcher Stoffe über das Trinkwasser im Wechselspiel mit anderen Stoffen zu bewerten ist, auch bei geringer Konzentration. Alles in allem wird klar, dass für Mensch und Umwelt vorsorglich der Medikamenteneintrag in die Umwelt auf ein Mindestmaß reduziert werden muss. Dies erfordert einen angemessenen Umgang mit Arzneimitteln und das richtige Entsorgen.

Die richtige Entsorgung von Medikamenten

Der sicherste Weg, abgelaufene und nicht mehr gebrauchte Medikamente zu entsorgen, ist es, sie bei der Schadstoffsammelstelle oder auf einem Wertstoffhof abzugeben, der diesen Service anbietet. Um die Stoffe unschädlich zu machen, müssen sie thermisch behandelt werden. Dies ist beim Restmüll nicht immer der Fall. Hier sollte man erst beim lokalen Entsorger nachfragen, ob der Müll auch direkt verbrannt wird. Dann kann man alte Arzneimittel auch über die Restmülltonne entsorgen, was rechtlich erlaubt ist. Falls Kinder im Haushalt sind, sollte man allerdings aufpassen und Beta-Blocker und Co. vorher gut einpacken.

Apotheken sind nicht dazu verpflichtet, abgelaufene Arznei anzunehmen. Manche lehnen dies auch ab, da sie die Entsorgung selbst zahlen müssen, so dass es auch in einer Apotheke passieren kann, dass der Hustensaft im Ausguss landet. Wenn man sicher gehen möchte, sollte man den Apotheker seiner Wahl vorher fragen, ob er einem Service angeschlossen ist, der die Medikamente zur thermischen Entsorgung einsammelt.

Das Spenden von Medikamenten ist nur unter bestimmten Auflagen möglich. Meist werden in Entwicklungsländern ganz andere Medikamente gebraucht als in westlichen Industrieländern. Den Volksleiden Diabetes und Herz-/Kreislauferkrankungen in Deutschland stehen dort beispielsweise Krankheiten wie Malaria und Tuberkulose gegenüber. Informationen zu dem Thema Arzneimittelspenden erhält man bei der Fachstelle für Gesundheit in der Einen Welt (DIFÄM).

Tabletten gehören nicht ins Klo

Auf gar keinen Fall sollte Arznei über Toilette oder Ausguss entsorgt werden. Seien es Tabletten, Tropfen, Säfte, Salben oder sonstiges. Leider gibt es Erkrankungen, die Medikamente unabdingbar machen. Doch bei einem Schnupfen sollte man sich überlegen, ob es das Nasenspray sein muss oder ob man nicht lieber mit Kamillenblüten inhaliert.

Gegen Heuschnupfen und Kopfschmerzen wirkt Akkupunktur nachweislich. Die Kosten für die Nadelbehandlung hat man schnell wieder raus, da man sich bei Erfolg über Jahre die Medikamente sparen kann. Auch bei der Packungsgröße sollte man eher zur kleineren Variante greifen, wenn man die Wahl hat. Insgesamt wäre ein bewusster Umgang mit Medikamenten wünschenswert. Aber am besten ist es natürlich, wenn man sie erst gar nicht braucht. Also, bleiben Sie gesund!

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