Airbus modernisiert seine A320-Produktfamilie

Mit neuen Triebwerken und aerodynamischen Modifikationen kommt Airbus der Forderung nach effizienteren Flugzeugen ohne eine Neuentwicklung nach.

Ab Frühjahr 2016 wird Airbus sein erfolgreichstes Modell, den A320, optional mit neuen und effizienteren Triebwerken anbieten. Der europäische Flugzeughersteller erhofft sich dadurch noch einmal mehr Bestellungen – und will dem direkten Konkurrenten Boeing davon fliegen.

Der A320neo soll umweltverträglich sein und Einsparungen ermöglichen

Die größte Veränderung der neuen A320-Produktfamilie sind neue und effizientere Triebwerke – deswegen auch der Zusatz A320neo („new engine option“). Die Airlines können dabei zwischen Antrieben vom us-amerikanischen Hersteller Pratt & Whitney und dem französisch-amerikanischen Konsortium CFM wählen. Der britische Hersteller Rolls-Royce bietet hingegen keine Option an. Neben neuen Triebwerken werden die bei Airbus „Sharklets“ genannten hochgezogenen Flügelenden aerodynamisch optimiert, wodurch der Widerstand erheblich verringert wird. Die neuen Sharklets werden ab Ende 2012 mit allen A320-Modellen ausgeliefert, die neue Triebwerksoption ist voraussichtlich ab Frühjahr 2016 verfügbar.

Durch diese Modifikationen sollen laut Airbus Treibstoffeinsparungen von bis zu 15 Prozent möglich sein, was neben einem umweltfreundlicheren Betrieb vor allem Kosteneinsparungen für die Airlines bedeutet. Zudem sollen die neuen Triebwerke leiser sein, niedrigere Betriebskosten aufweisen und entweder über eine 950 km größere Reichweite oder eine um zwei Tonnen erhöhte Nutzlast verfügen. Die neuen Triebwerksvarianten werden für die Modelle A319, A320 und A321 angeboten, lediglich bei der kleinsten Variante A318 ist die Option nicht geplant.

Umweltverträglichkeit wird bei Airbus zu einem immer größeren Thema

Bereits seit einigen Jahren fordern Airlines rund um den Globus umweltfreundlichere und effizientere Flugzeuge. Dies hängt zum einen mit dem größeren Umweltbewusstsein der Kunden zusammen. Der rasant zunehmende Flugverkehr steht auch bei Umweltschützern immer öfter auf der Agenda und kaum eine große Airline kommt noch ohne ein Konzept zum Umweltschutz aus. Zum anderen fordert der Wettbewerb gerade im Bereich von Mittel- und Kurzstreckenflugzeugen eine höhere Effizienz und somit eine Kostenreduktion.

Neben dem großen Konkurrenten Boeing bieten auch Hersteller wie Bombardier, Embraer oder Comac Flugzeuge in diesem Segment an. Bei neu entwickelten Flugzeugen wie der A350 oder der Boeing 787 „Dreamliner“ ist die Umweltverträglichkeit sogar ein bedeutendes Marketingargument.

Airbus fehlen die Kapazitäten für Neuentwicklungen

Wohl überlegt hat Airbus die Entscheidung getroffen, bis auf weiteres keine Neuentwicklung der A320-Familie vorzunehmen und stattdessen die bestehenden Produkte zu modifizieren. Die Investition beläuft sich nach Airbus auf etwa 1 Milliarde Euro, was im Vergleich zu einer kompletten Neuentwicklung eher günstig ist. Dafür verspricht sich der europäische Flugzeughersteller in den nächsten 15 Jahren zusätzliche 4.000 Bestellungen.

Eine völlige Neuentwicklung wäre neben Kostengründen wohl auch kapazitativ nicht möglich gewesen. Die derzeitigen Neuentwicklungen des Militärtransporters A400M und des Langstreckenjets A350 fordern Airbus in allen Bereichen. Daneben sind die Ingenieure auch beim Großraumflugzeug A380 noch mit kleineren Modifikationen beschäftigt. Der Konkurrent Boeing dürfte die Entscheidung mit etwas Erleichterung aufnehmen, denkt man dort doch auch gerade über die Zukunft der Boeing 737 nach. So ist zumindest etwas zeitlicher Druck aus der Notwendigkeit einer Neuentwicklung genommen.

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