Auch im Tod mit der Natur vereint – bestattet im Friedwald

Natürlich beschäftigt sich niemand so gerne mit dem Gedanken, einst wieder selbst zu Staub und Asche zerfallen zu müssen, wie es die Naturgesetze nun einmal vorschreiben. Aber dennoch setzen sich immer mehr Menschen mit dem Thema „Bestattung“ auseinander, da sie letztendlich eine für sich selbst angemessene und zum früheren Lebensstil passende Bestattungsform wünschen. Der Einklang mit der Natur gewinnt hier zunehmend an Bedeutung.

Friedhofsgestaltungen sind neu zu überdenken

Einmal abgesehen davon, dass Erdbestattungen inklusive Sarg, langjährige Bezahlung für die dazu gehörende Grabstätte und die hierfür benötigte Grabpflege viel Geld verschlingen, wird insbesondere bei den immer zahlreicher werdenden Single-Haushalten der Gedanke eine Rolle spielen, dass es nach dem Tod ohnehin niemanden mehr geben mag, der ein Grab pflegen will. Aber muss es dann unbedingt eine sterile „Urnenmauer“ oder ein nicht weniger steriles „Urnenfeld“ sein, wo man die letzte Ruhe findet? Das mag ja nun wirklich auch nicht jeder für den Übergang in die Ewigkeit. In Deutschland ist es allerdings per Gesetz nicht so ohne Weiteres gestattet, Angehörige auf dem eigenen Grund und Boden zu beerdigen – selbst wenn ein riesiges Areal an Grundbesitz dies zulassen würde, müssten dann viele Ausnahme-Kriterien in nervenzermürbendem Papierkrieg mit den zuständigen kommunalen Ämtern geklärt werden. Darauf reagieren aber immer mehr Friedhofsverwaltungen: auch den „Friedwäldern“ oder „Ruheforsten“ wird künftig ein gerüttelt Maß an Beachtung geschenkt werden.

Warum unter Bäumen ewig schlafen?

Personalisierte Grabstätten in den Gräberfeldern und -reihen von Friedhöfen mögen ja teils sogar der Kommunikation gemeinsam trauernder Bekannter dienen – sind aber nicht selten wegen der Uniformität oder ungünstiger Lokation im Endeffekt weder dem letzten Willen des Verstorbenen angemessen noch den Hinterbliebenen willkommen. Zudem muss hier auch wirklich die Frage geprüft werden, ob es einen Sinn macht, eine – meist auf 20 Jahre befristete – Grabstelle zu kaufen, wenn sich dann über diese Zeit hinweg keiner findet, der sie saisonal wechselnd bepflanzt und entsprechend versorgt. Da in unserer Zeit auch nicht mehr die religiösen Maximen der Kirchen die Maßstäbe für den eigenen Wunsch des Verbleibs von Seele und Körper nach dem Tod setzen, sind spirituelle und agnostische Lebenseinstellungen mehr und mehr ein Kriterium für die eigene Beisetzung. Wer im Leben stets einen engen Bezug zur Natur gehabt hat, mag diesen ja auch im Tod nicht missen: Da ist ein Wunsch zur ewigen Ruhe in einem „Friedwald“ kaum abzuschlagen.

Auch kleinere Kommunen entdecken den „Friedwald“

Nachfragen nach Sonderwünschen beim Begräbnis erhalten immer mehr Gewicht. So nehmen auch kleinere Kommunen, die über geeignete Areale verfügen, inzwischen die Gelegenheit wahr, als Alternative zur herkömmlichen Grabreihe einen Platz im kommunalen „Friedwald“ zu buchen. Die mit rund 45 000 Einwohnern recht kleine Stadt Hof an der Saale (Oberfranken) – die über ein großzügiges Friedhofs-Gelände verfügt – kommt nun diesen Trends ebenfalls nach.

Spielen die Kosten eine Rolle?

Beim expliziten Wunsch nach bestimmten Bestattungsformen erweist sich die Kostenfrage häufig als nachrangig. Im Vergleich zur herkömmlichen Einsargung bleibt die letzte Ruhe in einem Friedwald – selbst wenn eine Namenstafel am Fuße der Ruhestätte gewünscht ist – auf jeden Fall günstiger. Doch letzten Endes ist es hier der Erfahrung nach die ureigenste Einstellung zum bewussten Leben im Einklang mit der Natur und auch das Verschmelzen mit der Natur im Tode, das die Entscheidung für diese Art des Begräbnisses mit sich bringt.

Keine Bestattungsform für Gegner der Einäscherung

Schlechte Karten haben allerdings jene, die sich nicht einäschern lassen wollen; denn das ist gegenwärtig noch Voraussetzung für eine Bestattung in einem Friedwald oder Ruheforst. Man kann aber natürlich gegenwärtig nicht wissen, ob Städte mit ausgedehntem Waldbesitz früher oder später auch dem Wunsch nach Erdbestattungen nachkommen werden, wo es der Platz erlaubt und die kommunale Finanznot erfordert – man wird sehen.

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