Contentmanagement und wie es sich von Redaktion unterscheidet

Was ist eigentlich ein Contentmanager? Das Berufsbild Contentmanager wird von einigen Faktoren beeinflusst, die im Folgenden erklärt und beleuchtet werden. Seit einigen Jahren bemerkt man auf Grund von Fernsehsendungen wie „Galileo“, „Welt der Wunder“ oder auch Guido Knopps wohlbekannten „Hitlers Handlangern“, dass sich auf quasi wundersame Weise – insbesondere mit der tausendsten Einbindung der Frage nach totalem Krieg in die 10.000. Geschichtsdokumentation – Sendungen schneller vermehren als deren Inhalte.

Insbesondere bei sogenannten Edutainment-Sendungen wiederholt sich mehr als der Inhalt, wie man es von Filmen im Sonntagnachmittagprogramm gewohnt ist. Es wiederholt sich insbesondere der Grad der Aktualität des jeweiligen Beitrages. Dieses nervenaufreibende Paradoxon hängt unmittelbar mit dem zusammen, was im Sprachgebrauch der digitalen Welt als Contentmanagement bezeichnet wird.

Contentmanagement, was ist das?

Um diese Aussage verstehen zu können, muss man sich gegenwärtig machen, dass die menschengeschaffene digitale Umwelt sich selbst dazu zwingt, auf effektive Art und Weise Daten abzuspeichern, abzulegen und – in Folge dessen – wiederzuverwerten.

Funktioniert die dafür nötige Verwertungskette aus dem Anlassgeber für die Content-Schöpfung, dem Anlass für die Schöpfung des Content, der Content-Erstellung selbst, der Veröffentlichung des geschaffenen Content und last but not least der immer wieder abrufbaren Archivierung dessen, was man als Content versteht, dann spricht man von funktionierendem Contentmanagement.

Hierbei geht es per se nicht um den Inhalt des jeweils geschaffenen Content. Der Begriff entbindet sich durch seine Austauschbarkeit selbst von jedem redaktionellen Qualitätsanspruch. Es geht prinzipiell nur noch um die Archivierbarkeit der enthaltenen Daten und die Abrufbarkeit des entsprechenden Inhaltes.

Content, seine Beliebigkeit und die Abrufbarkeit

Schaut man, wie es der funktionierende Contentmanager macht, zunächst auf sich selbst und schafft die Plattform für die Veröffentlichungen vor deren Inhalt, so besteht noch nicht unbedingt ein Unterschied zu dem, was ein Nachrichtenmagazin Redaktion nennt. Es werden von der jeweiligen Plattform aus Menschen dazu bewegt, Beiträge zu erstellen, die dann veröffentlicht werden, wenn sie Ansprüchen des Veröffentlichenden entsprechen. Diese Ansprüche könnten etwa Wortanzahl, Rechtschreibung oder Relevanz auf einem zuvor bestimmten Gebiet sein.

Der Unterschied zwischen Contentmanagement und Redaktion ergibt sich erst mit oder besser aus dem späteren Umgang mit dem bereits veröffentlichten Beitrag. Daher werden auch vom Contentmanager prinzipiell keine tagesaktuellen Artikel verwaltet, sondern eher solche Beiträge gefordert, deren Themen „zeitlosen“ Charakter haben. Hier steht nicht der Wert der Nachricht selbst im Vordergrund, sondern der Wert der Archivierung.

Denn im Internet, für weit weniger als Cent-Beträge einen Artikel vorrätig und abrufbar zu halten, lohnt sich schon ab dem ersten bezahlten Click, der bei einem stark diversifizierten Portal täglich zustande kommt. Hauptsache das Archiv – vollkommen egal, was es enthält und welchen Wert der darin enthaltene Content hat – arbeitet auf eine umfassende Vollständigkeit zu allen denkbaren Themen hin.

Eine Nachrichtensendung im Fernsehen oder eine tagesaktuelle Zeitung archiviert zwar auch ihre Beiträge und wird diese zitieren oder wiederholen, wenn es darum geht, ein entsprechendes aktuelles oder andauerndes Thema zu unterfüttern. Es stellt aber ganz bewusst im Gegensatz zum Contentmanager sein Archiv nicht durchgehend abrufbar zur Verfügung.

Contentmanagement und sein Weg ins Fernsehen

Es macht also viel Sinn, im Internet zig hunderttausend Beiträge zu archivieren und jeweils für einzelne interessierte Personen vorrätig zu halten. Der Kosten-Nutzen-Faktor bleibt solange positiv, wie es Menschen gibt, die nach Informationen suchen und die eigene Homepage gute Ränge auf den wichtigsten Suchmaschinen einnimmt.

Problematisch ist jedoch, dass dank Computertechnik und Internet sowohl das Archivieren als auch das Abrufen aus dem Archiv für andere Gewerke genauso vereinfacht wird. Vor allem Fernsehsender, die ihre begrenzten Ressourcen für eigenes Marketing und den einen oder anderen „Blockbuster“ hergeben müssen, erliegen daher der Versuchung, selbst erstellte Beiträge endlos zu repetieren, bis jede einzelne Sendung diese ausgestrahlt hat.

So kommt es nicht selten vor, dass Redakteure, deren Budgets sicher extrem beschränkt sind, sich ohne es zu merken oder um ihrer Karriere Schwung zu geben, in Contentmanager verwandeln müssen. Darum beispielsweise versucht jedes Nachmittagsmagazin unter ihnen taff, Explosiv, Exclusiv, das Sat.1 Magazin oder gar Abenteuer Leben, täglich Wissen und auch solche wie hier ab 4 oder auch Leute Heute sein ohnehin dürftiges Programm mit Beiträgen entsprechender Sender-Herkunft zu erweitern, respektive zu strecken.

Content im Fernsehen – einmal erstellt, zigfach gesendet

Das verantwortliche Senderkonsortium, sagen wir die RTL-Group, die Pro7-Sat.1 AG oder sogar die öffentlich rechtlichen Sender von NDR bis 3Sat, geplagt von Kostendruck und Wettbewerb, sieht dann – einzig aufgrund der technischen Machbarkeit – die Möglichkeit der Ersparnis und gibt Beiträge anderer Sendungen innerhalb der Sendergruppe weiter.

Ganz gleich, ob die Sender hoffen, dass die Zielgruppen der einzelnen Sendungen sich nicht überschneiden oder ob es ihnen egal ist, den einzelnen Sendungen entsteht dadurch der ultimative Vorteil der Kosten- und Arbeitsersparnis.

Das allerdings hat zur Folge, dass sich Wissenschaftsmagazine genau wie Lifestyle- und Klatsch- und Tratschsendungen zu einer nicht unterscheidbaren Menge an Patchwork-Geflimmer im Nachmittags- und Vorabendprogramm entwickelt haben. Kein Wunder also, dass sich das so entwickelte Edutainment, eine Geburt aus finanziell bedingtem Fernsehinzest und grober Einfallslosigkeit, als tagtäglich wi(e)derkäuendes Monstrum präsentiert.

Es wiederholt sich, es zitiert sich selbst, es wächst an seinem eigenen Content, es zieht aus Kamera-Straßenumfragen an mutwillig ausgewählten Passanten soziologische Schlüsse und es wird in absehbarer Zeit dazu führen, dass das Archiv als solches entwertet wird und damit auch der aller Ehren werte Beruf des Contentmanagers, den viele nur zu gerne wieder Archivar nennen würden. Aber das würde ja wieder den Fernsehredakteuren nicht gerecht.

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