Dax und Geld: Aktien rauf – Euro hilft

Wenn man Aktienexperten glauben darf, ist der neuerliche Höhenflug der europäischen Aktien währungsgetrieben. Was steckt wirklich dahinter?

Fällt der Euro, fallen die Aktien, steigt der Euro, steigen die Aktien. Schon seit Jahren kann man dieses Phänomen beobachten. Nur wer genau hinschaut, findet die Erklärung dafür.

Starke Währung und gleichzeitig steigende Aktien – das erscheint unlogisch

Grundsätzlich passt es nicht zusammen, wenn gleichzeitig die Währung und die Aktien eines Landes steigen. So kann man in Japan beobachten, dass der steigende Yen die Aktienmärkte drückt, weil die im Land hergestellten Waren für ausländische Käufer teurer werden. Der Export ist daher gefährdet. Unternehmensgewinne könnten schmelzen. Aktien werden verkauft.

Die Entwicklung der amerikanischen Aktien beeinflusst die Aktien in Europa

Wenn man die Charts des amerikanischen Aktien-Index Dow Jones über die europäischen Indizes wie den deutschen Aktienindex Dax legt, erkannt man einen Gleichlauf der Verlaufslinien. Diese Korrelation erklärt sich durch das Kauf- bzw. Verkaufsverhalten der deutschen Investoren. Die kurzfristig handelnden Spekulanten reagieren sehr schnell. Wenn der Dow Jones fällt, verkaufen die Deutschen einen Teil ihrer Aktien sofort und der Dax fällt mit. Steigt der amerikanische Markt, werden deutsche Aktien spontan gekauft, der Dax steigt. Die Entwicklung der Aktien im Dax hängt fast ausschließlich von der Entwicklung der amerikanischen Aktien ab.

Sogar der außerbörsliche Aktienhandel wird beeinflusst

Um 17:30 Uhr schließt der Handel der Aktien an der deutschen Börse. Bis 22 Uhr deutscher Zeit werden in Amerika Aktien gehandelt. Selbst der sogenannte nachbörsliche Handel verläuft kongruent zum Handel des Dow Jones. Der vorbörsliche Handel ab 07:30 Uhr der deutschen Aktien orientiert sich am Handel der amerikanischen Futures, die über Nacht in Asien gehandelt werden. Bis zur Eröffnung der amerikanischen Börsen um 15:30 Uhr deutscher Zeitrechnung beeinflusst der Verlauf der amerikanischen Futures das Kauf- und Verkaufverhalten bei deutschen Aktien.

Einfluss des Euro auf Aktienhandel

Wer sich die Entwicklung der Euro-Dollar-Verhältnisses anschaut, stellt ebenfalls einen Gleichlauf der Währung, des Dow Jones und des Dax fest. Wenn im Laufe eines Börsentages der Euro steigt, steigen die amerikanischen Futures oder Aktien und die deutschen Aktien steigen ebenfalls. Fällt der Euro wieder, fallen auch die Aktienmärkte.

Kaufverhalten von kurzfristig orientierten Spekulanten

Die Erklärung des Zusammenhangs zwischen Euro-Dollar-Verhältnis und Aktienhandel ist denkbar einfach. Die Leitbörsen sind in den USA. Viele Europäer handeln amerikanische Aktien. Eine amerikanische Aktie wird in Dollar gehandelt. Bei fallendem Dollar wird die Aktie für den Käufer im Euroraum billiger. Bei steigendem Dollar ist der Verkauf von in Dollar notierten Aktien für den kurzfristig handelnden Spekulanten durchaus lukrativ. Umgekehrt verkaufen amerikanische Spekulanten bei fallendem Euro ihre europäischen Aktien und nehmen Währungs- und Kursgewinne mit.

Dollarschwäche oder starker Euro

Wegen der hohen Verschuldung der Amerikaner, die erst kürzlich rund 600 Milliarden Dollar in den amerikanischen Geldmarkt gepumpt haben, könnte man vermuten, dass der Dollar weiter fällt, der Euro steigt und die Aktien in Deutschland weiter steigen. Doch Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Ein weiter steigender Euro könnte die europäische Wirtschaft abwürgen. Für Aktien wäre ein solches Szenario wohl eher nicht förderlich.

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