Der Orgasmus – herbeigesehnt und oft so selten

Frauen als auch Männer wünschen sich den „kleinen Tod“ bei jedem gemeinsamen sexuellen Zusammensein. Nur, zwischen Wahrheit und Realität klafft eine Lücke.

Die „nackten“ Fakten: Statistisch gesehen leidet jede vierte Frau unter Orgasmusstörungen und jeder dritte Mann hat mit „vorzeitiger Samenspende“ zu kämpfen. Wo liegt also das Problem, den „Gipfel der Lust“ gemeinsam zu erklimmen?

Stress, Frust und Lügen

Liebeskiller Nummer eins ist der tagtägliche Stress im Berufsleben, der auch unter die Bettdecke mitgenommen wird. Alles was Stress erzeugt nimmt die Chance auf die höchste Zufriedenheit. In dem Zusammenhang ist es auch der selbstauferlegte Druck, der selbst vor der Schlafzimmertür nicht Halt macht. „Viele Männer meinen, sie wären nur dann gute Liebhaber, wenn sie die Partnerin jedes Mal zum Orgasmus bringen“, so die Medizinerin und Sexualtherapeutin Dr. Elia Bragagna. Wahrheit bringt Paare allerdings besser zusammen. So sollten Frauen mehr ihre Wünsche ansprechen. Dr. Bragagna: „Gelogen wird meist aus Rücksicht, weil die Frauen wissen, dass es dem Mann wichtig ist, ihnen einen Orgasmus zu bescheren.“

Störanfällige Orgasmusfähigkeit

Wenn Tag X ist, an dem es gewohnheitsmäßig zu Werke gehen soll, ist bereits fast alle Chance auf ein ultimatives sexuelles Feuerwerk vertan. Denn vielleicht an diesem Tag ist jeder Partner mit unterschiedlichen Problemen unterwegs gewesen. Dinge, die einen gerade weit mehr beschäftigen als die Lust. Wenn Ängste, Sorgen oder Probleme durch den Kopf spuken fehlt die Entspannung. Keine Gipfelerklimmung, bei der ersten Talstation ist auch schon Endstation. Aber nicht nur der psychische Bereich ist ein Liebeskiller. Dr. Elia Bragagna: „Diabetes oder Bluthochdruck können den Abflug Richtung Lusthimmel entscheidend behindern.“ Auch das Hormonsystem kann eine Misere auslösen. „Veränderungen im Hormonspiegel lassen sich leicht feststellen und behandeln. Testosteronmangel beim Mann kann ebenso zu Lustverlust und Orgasmusproblemen führen wie Östrogenmangel in der Menopause der Frau“, so Bragagna.

Wünsche unbedingt aussprechen

Lovecoach und Kommunikationstrainerin Inéz Krebs zeigt ganz klar Missverständnisse und Störfaktoren auf, die erfülltem Sex im Wege stehen, auf. Für Krebs selbst ist der weibliche Orgasmus ein gewisses Rätsel. Den Frauen, den Männern sowieso, aber auch der Wissenschaft. Warum? Ihrer Ansicht nach können Männer beim Sex ihr Gehirn scheinbar problemlos auf „Standby-Modus“ schalten. Frauen, wenn nicht gerade Lust angesagt ist, kann schon ein Rhythmuswechsel oder eine falsche Bewegung die nahende Orgasmuswelle stoppen. „Aber schummeln bringt nicht wirklich etwas, das kann jede Frau sehr gut. Genauso wie jede Frau an sich orgasmusfähig ist. Es geht darum, eine eigene Sprache mit dem Partner zu entwickeln, mit der man ihm auch sagen kann, was man wünscht und braucht“, so Krebs.

Orgasmus kein „Muss“

Sich mit den eigenen Bedürfnissen zu beschäftigen, den Partner miteinzubeziehen und damit eine liebevolle sexuelle Beziehung zu gestalten. Die perfekte Gestaltung des Sexuallebens. „Es ist ein Mythos, dass ein Orgasmus ein Muss ist. Oft ist Sex auch ohne ganz einfach schön und verbindend“, betont Inéz Krebs. Dr. Elia Bragagna teilt diese Meinung: „Ich bin oft sprachlos, wie viele Menschen sich zu wenig mit eigenen Bedürfnissen beschäftigen. Männer ejakulieren vorzeitig aus der Angst, ihre Partnerin nicht glücklich zu machen beziehungsweise Frauen, die lieber schummeln, als ihm zu sagen, was sie wünschen. Sie alle machen es sich unnötig schwer, beim Sex Erfüllung zu finden.“

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