Die Megaherbivorentheorie: wie Tiere unsere Landschaft gestalten

Die Megaherbivorentheorie besagt, dass Herden großer, pflanzenfressender Tiere natürlicherweise unsere Landschaft gestalten würden – gäbe es uns nicht.

Als der moderne Mensch begann sich nach der letzten Eiszeit in Europa auszubreiten übte er einen zunehmenden Jagddruck auf die damals vorkommenden großen Säugetiere, wie Riesenhirsch oder Wollnashorn, aus. Zusammen mit der Klimaveränderung führte dies zum Aussterben etlicher Arten. Will man die Naturlandschaft Mitteleuropas rekonstruieren muss man sich also nicht nur den Menschen „wegdenken“, sondern auch den landschaftsprägenden Einfluss der, vom Menschen ausgerotteten Tiere mitberücksichtigen. Genau zu wissen was der ursprüngliche Zustand unserer Landschaft ohne menschlichen Einfluss wäre ist eine zentrale Frage im Naturschutz. Nur so kann man die Auswirkungen des menschlichen Daseins ersichtlich machen und womöglich gegensteuern.

Was ist die Megaherbivorentheorie?

Als Herbivoren bezeichnet man in der Biologie Tiere, die sich von Pflanzen ernähren. Megaherbivoren sind somit große Pflanzenfresser, wie zum Beispiel Pferd, Elch oder Elefant. Lehrmeinung ist, dass die natürliche Vegetation Mitteleuropas, ohne Einflussnahme durch den Menschen, ein im Großen und Ganzen geschlossener Wald wäre. Dabei wird jedoch nicht bedacht, dass es natürlicher Weise hier beachtliche Herden großer Säugetiere gäbe, welche einen erheblichen Einfluss auf die Vegetationsstruktur hätten.

Wie beeinflussen große Pflanzenfresser die Landschaft?

Einmal verhindern Tiere durch Schälen der Rinde oder Abfressen von Sträuchern, Bäumen und Baumjungwuchs direkt die Ausbildung eines geschlossenen Waldes. Beispielsweise führen, neben unökologischer Waldbewirtschaftung, überhöhte Wildbestände in unseren Wäldern, durch selektiven Verbiss bestimmter Arten (z.B. Tanne), zu veränderten Baumartenzusammensetzungen, da sich die betroffenen Arten nicht mehr so gut verjüngen können.

Andererseits verändern große Tiere die Vegetationstruktur indirekt zum Beispiel durch Tritt, Suhlen, Fegen und Aufdüngung mit Kot oder Kadavern.

Insgesamt wäre die Vegetation offener, parkähnlicher, strukturreicher und die scharfen Grenzen zwischen Offenland und Wald würde verschwinden. Es würden sich also Waldbestände mit offenen Bereichen mosaikartig abwechseln, ähnlich den Savannen in Afrika.

Bedeutung der Megaherbivorentheorie im Naturschutz

Ein Ansatz im Naturschutz ist es Wildnis zu schaffen, indem man auf ausreichend großen Flächen wieder große Herden von Pflanzenfressern heranwachsen lässt. Die Tiere erfüllen dann ihre Funktion als Ökosystem-Ingenieure indem sie die Landschaft offen halten und zusätzliche Strukturen, wie Tränken, Suhlen, Wildwechsel etc., einbringen. Davon profitieren wiederum viele andere Arten, die in einem geschlossenen Wald nicht konkurrenzfähig sind, wie Wachtelkönig oder Kiebitz. Als natürlich vorkommende Säugetierarten kommen beispielsweise Rothirsch, Wisent, Elch oder Wildpferd in Frage. Nichteinheimische, ökologische Stellvertreter wären z.B. Konik-Pferd, Exmoor-Pony, Damhirsch oder Rückzüchtungsformen des Auerochsen (Heckrind, Taurusrind).

Eine weitere Möglichkeit ist die Zucht spezieller Haustierrassen auf großen Naturschutzflächen. So können ökologische Nahrungsmittel produziert und gleichzeitig die Landschaft verwildert werden. Für diese Form der Viehhaltung eignen sich unter anderem Highland- oder Galloway-Rinder, aber auch Hauswasserbüffel oder Mangalitza-Schweine.

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