Die neuromuskuläre Skoliose – Behandlung der muskulär bedingten Verkrümmung der Wirbelsäule

Neuromuskuläre Skoliosen treten weitaus seltener auf als idiopathische Skoliosen. Meist hilft bei ihnen eine konservative Therapie nicht weiter.

Orthopäden unterscheiden zwischen drei Arten von Skoliosen. Die kongenitale Skoliose ist eine angeborene Fehlbildung. Sie tritt am seltensten auf. Die idiopathische Skoliose ist eine Verkrümmung der Wirbelsäule, die keine bekannten Ursachen hat. Mit 80 Prozent aller auftretenden Fälle ist sie am weitesten verbreitet. Die neuromuskuläre Skoliose ist die dritte Skolioseart. Wie der Name schon sagt, ist deren Ursache muskulär bedingt. Sie tritt mit Beginn einer muskulären Erkrankung und oft schon im jungen Lebensalter auf.

Unterschiede zwischen idiopathischen und neuromuskulären Skoliosen

Die neuromuskulären Skoliosen unterscheiden sich in zwei wichtigen Punkten von idiopathischen Skoliosen: Sowohl das Voranschreiten als auch der Ort der Krümmung sind bei neuromuskulären Skoliosen anders. Auch nach Abschluss des Wachstums kann sich eine neuromuskuläre Skoliose noch stark verschlechtern. Ebenso ist das Risiko, dass die Wirbelsäule immer krummer wird höher als bei idiopathischen Skoliosen.

Merkmale einer neuromuskulären Skoliose

Das typischste Merkmal einer neuromuskulären Skoliose ist der Verlust der Wirbelsäulenbalance. Damit sind wiederum ein Rumpfüberhang und eine Kippung des Beckens verbunden. Außerdem sind andere Organe von der Erkrankung der neuromuskulären Skoliose betroffen. Die Lungenfunktion kann stärker eingeschränkt werden als bei anderen Skoliosearten und auch die Harnwege können beispielsweise erkranken.

Konservative Behandlungsmöglichkeiten der neuromuskulären Skoliose

Konservative Behandlungsmöglichkeiten wie Korsetttherapien sind bei neuromuskulären Skoliosen oft erfolglos und können eine Operation meistens nicht ersetzen. Bei sehr jungen Kinder wird eine Operation oft noch durch eine Korsetttherapie hinausgezögert, um der Wirbelsäule noch weiteres Wachstum zu ermöglichen.

Eine Operation ist bei neuromuskulären Skoliosen oft unausweichlich

Spätestens ab einem Verkrümmungswinkel von 50 Grad sollte eine neuromuskuläre Skoliose operiert werden. Die Operationsmethoden sind in den letzten Jahren viel moderner und sicherer geworden. So lassen die Ärzte den Patienten beispielsweise während der Operation kurz aufwachen und fordern ihn auf, seine Beine zu bewegen. Mit diesem Aufwachtest soll geprüft werden, ob die Nervenfunktionen der Beine in Ordnung sind.

Welche Vorteile bringt eine frühe Operation?

Eine Operation im jungen Lebensalter hat einige Vorteile. So ist die Operation bei einer geringeren Krümmung noch nicht so aufwendig und die Chance bei der Begradigung der Wirbelsäule ein gutes Ergebnis zu erzielen ist sehr hoch. Ebenso ist die Versteifungsstrecke der Wirbel geringer. Wenn weniger Wirbel versteift werden, bleiben mehr Wirbel übrig, die noch wachsen können. Ebenso ist eine Versteifung hinunter bis zum Becken seltener der Fall. Das heißt, dass mehr Bewegungsfreiheit des Patienten erhalten bleibt. Trotzdem bleibt zu erwähnen, dass vor so einem wichtigen Schritt unbedingt die Meinung von Experten eingeholt werden sollte.

Nach einer Operation ist es wichtig, den richtigen Sitz der eingesetzten Implantate in regelmäßigen Abständen prüfen zu lassen. Denn gerade bei neuromuskulären Skoliosen wurden, häufiger als bei anderen operierten Skoliosen, Verschiebungen der Implantate beobachtet. Insgesamt kommen diese Verschiebungen allerdings eher selten vor.

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