Eifersucht in Liebesbeziehungen

Welche Konsequenzen haben unterschiedliche Bindungsstile? Eifersucht und Liebe werden oft in einem Atemzug genannt, weil sie sich gegenseitig bedingen. Die Wechselwirkung hängt von verschiedenen Faktoren ab.

„Lieber Kröte sein

Und von den Dünsten eines Kerkers leben,

Als dass ein Winkel im geliebten Wesen

Für andre sei!“

Shakespeare, Othello

Eifersucht – die dunkle Seite der Liebe – dient als Inspiration von unzähligen Kunstwerken und beschäftigt seit Anbeginn die Verliebten. Es sind ihre Intensität und Sprunghaftigkeit, die im Zentrum des Interesses stehen. Aber sie verbirgt in sich viel mehr. Bei Eifersucht lässt sich eine Mischung verschiedener Emotionen identifizieren: wie Ärger, Trauer, Angst, Neid, Unsicherheit, Verwirrung und Verminderung des Selbstwertgefühls.

Typen und Variante

In der Forschung unterscheidet man meist zwischen drei Typen: Verdachts-, Gewissheits- und Vernachlässigungseifersucht. Bei dem dritten Typus handelt es sich nicht um die Untreue im eigentlichen Sinne, sondern um das Gefühl, vernachlässigt zu werden. Diese Art von Illoyalität deuten die Betroffenen als Treulosigkeit.

Eine andere Differenzierung bietet die Unterteilung in zwei Variante: emotionale und sexuelle Eifersucht. Dabei wird oft der geschlechtspezifische Unterschied hervorgehoben.

Für Frauen soll sich die emotionale Untreue als bedeutender erweisen; Männer reagieren angeblich stärker auf sexuelle Unbeständigkeit. Diese These stellen einige Wissenschaftler in Frage: Sie sei entweder ein Ergebnis der bestimmten Fragestellung oder auf die Geschlechtsstereotypen zurückzuführen.

In einer Studie von zwei amerikanischen Psychologen David DeSteno und Peter Salovey (1996) fragte man nach persönlichen Überzeugungen und entdeckte folgende Korrelate: Wer daran glaubt, dass sexuelle Untreue auch die emotionale nach sich zieht, beurteilt die sexuelle Untreue als die schlimmere. Wer davon überzeugt ist, dass die emotionale Untreue die sexuelle impliziert, bewertet die emotionale Untreue als schwerwiegender. Jene, die an eine Verknüpfung von sexueller und emotionaler Untreue glauben, erleben Eifersucht intensiver und fühlen sich doppelt betrogen.

Art der Bindung

Wie intensiv die Eifersucht erlebt wird, hängt vorwiegend von der Struktur der Liebesbeziehung ab: genau genommen vom Bindungsstil. Der Bindungsstil lässt sich besonders an zwei Punkten beobachten: Wunsch nach Nähe und Angst vor Verlust des Partners. Zu nennen sind drei Hauptstile: der sichere, der ängstlich-ambivalente und der vermeidende.

Den sicheren Bindungsstil kennzeichnet der Wunsch nach Nähe gepaart mit dem Vertrauen, dass der Partner die eigene Liebe erwidert. Dieses Zutrauen schützt vor übermäßiger Eifersucht.

Anders bei dem ängstlich-ambivalenten Bindungsstil: Der Betroffene glaubt nicht, dass der Partner ausreichend seinem Wunsch nach Nähe entgegnet, und befürchtet den Verlust des Geliebten.

Bei dem vermeidenden Bindungsstil lässt sich nur ein geringer Wunsch nach Nähe feststellen. Die Distanz scheint das Aufkommen von der Eifersucht zu verhindern.

Anfällig für Eifersucht

Angst begünstigt die Entstehung der Eifersucht. Die ängstlich-ambivalent Gebundenen sind demnach besonders anfällig. Einerseits haben sie in der Beziehung viel zu verlieren, anderseits „prophezeien“ sie den Verlust von vornherein und scheinen dafür den Grund unbedingt finden zu wollen.

Eine emotionale Abhängigkeit vom Partner und Überzeugung, dass es keine Alternativen zu der Beziehung gibt, führt nahezu zwangsläufig zur quellenden Eifersucht.

Wer in der Liebe eine eigenständige Identität bewahrt, wird dagegen weniger eifersüchtig. Daraus lässt sich einfach schließen, dass die Stärkung des Selbstwertgefühls hilft, sich erfolgreich mit Eifersuchtsanfällen auseinanderzusetzen.

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