Entspannter geht’s mit Body-Walking

Wer weder Jogging mag noch Yoga, kann mit Body-Walking einen Mittelweg zwischen Laufen und Meditieren finden. Viele Menschen sitzen den ganzen Tag.

Das beginnt schon morgens auf dem Weg zur Arbeit, wenn sie mit Bus, Zug oder dem eigenen Auto ins Büro fahren. Nach 8,9 oder noch mehr Stunden am Schreibtisch verläuft die Rückfahrt ebenso. In unserer mobilen Gesellschaft werden die Anfahrtswege immer länger. Ist man abends endlich Zuhause fehlt wohl den meisten die Energie oder Lust, sich noch sportlich zu betätigen. Da Abschalten von der Arbeit oft schwer fällt, probiert man es irgendwann mit einem Entspannungsverfahren. Wer dann beim Autogenen Training oder der Progressiven Muskelentspannung seine Übungen wieder im Sitzen absolviert, wundert sich vielleicht, warum er nicht wirklich entspannen kann dabei und die Gedanken sich im Kreis drehen.

Bewegung wirkt entspannend

Das mag auf den ersten Blick paradox erscheinen, ist aber wahr. Denn durch Bewegung baut der Körper Stress ab und „neutralisiert“ dessen negative Begleiterscheinungen wie hohen Blutdruck oder gestiegene Blutfettwerte. Eigentlich wissen wir ja alle, wie wichtig körperliche Bewegung als Ausgleich zum hektischen, anstrengenden Alltag wäre. Doch manche Menschen scheuen den Gang ins Fitnesscenter, und Joggen ist auch nicht jedermanns Sache. So gesund Schwimmen sein mag, man ist eben vom Wetter abhängig. Denn nicht überall ist ein Hallenbad in der Nähe. Warum es nicht mal mit Walking versuchen? Das denkt so mancher und gibt bald wieder auf, weil ihm das schnelle Gehen keinen Spaß macht, weder mit Stöcken, noch ohne. Es müsste doch etwas geben, wobei man sich bewegt und gleichzeitig entspannt dabei. Leider ist Meditation im Gehen gar nicht so einfach zu erlernen. Und der Foxwalk nach Indianerart mag manchem Mitteleuropäer eher lächerlich erscheinen. Warum es also nicht mal mit Body-Walking versuchen?

Was versteht man unter Body-Walking?

Nordic Walking dürfte den meisten Menschen mittlerweile ein Begriff sein. Doch was versteht man unter Hill Walking oder Power Walking? Wird „Indoor Walking“ tatsächlich im Zimmer gemacht? Schleppt man beim Gewichts-Walking (Wogging) noch andere Lasten mit als das eigene Körpergewicht? Und welche Gangart verbirgt sich hinter Body-Walking? Wer mehr zu den genannten Sonderformen erfahren möchte, dem sei ein Blick auf den Geher-Rundbrief empfohlen. Für Body-Walking findet sich dort folgende Definition: „Bodywalking ist – einfach gesagt – Yoga im Gehen. Hier steht nicht der Sport im Vordergrund, sondern vielmehr die Meditation. Die Atmung wird hier besonders berücksichtigt. Ganz wichtig auch, dass Seele und Natur in Einklang stehen“. Da diese Beschreibung, wie alle Definitionen im Rundbrief, sehr kurz gehalten ist, soll im Folgenden näher auf diese besondere Form des Walkings eingegangen werden.

Was ist anders am Body-Walking?

Die Technik ist bei allen Walking-Formen dieselbe. Eine hilfreiche Kurzbeschreibung findet sich im eingangs erwähnten Geher-Rundbrief. Da man beim Body-Walking langsamer läuft als bei den anderen Varianten, muss den Pulswerten jedoch keine große Aufmerksamkeit geschenkt werden. Man läuft nicht auf Leistung. Daher kann die Vorbereitungsphase mit intensivem Dehnen und Strecken verkürzt werden. Ganz weglassen sollte man sie nicht. Wer eine kurze Übung zum Aufwärmen der Muskeln sucht, kann es mit dem sogenannten Kochlöffelrühren versuchen. Durch den Wechsel zwischen Rechts und Links werden die Energien im Körper ausgeglichen. Deshalb dient diese Übung gerne auch als Einleitung für Tai Chi oder Qigong.

Beim Body-Walking wird bewusst kein Tempo vorgegeben. Man beginnt eher gemächlich und steigert die Geschwindigkeit allmählich. Jeder darf seinen eigenen Laufrhythmus finden. Zeit aber sollte man sich dafür nehmen und in jedem Fall auf gutes Schuhwerk Wert legen. Denn es dauert eine Weile, bis man beim Laufen einen meditativen Zustand erreicht. Wem nach einer halben Stunde die Füße weh tun oder die Gelenke schmerzen, der dürfte das Body-Walking als wenig entspannend empfinden. Bequeme Kleidung wird empfohlen, damit die Atmung beim Laufen nicht durch einen zu engen Kragen oder Hosenbund eingeengt wird.

Warum wirkt Body-Walking entspannend?

Wer Body-Walking machen möchte, der sucht sich dazu natürlich eine ruhige Umgebung abseits der Straßen. Dort wirkt dann schon die Landschaft selbst auf die meisten Menschen entspannend. Das liegt nur teilweise an der Stille und der guten Luft. Auch die Farbe Grün hat einen wohltuenden Einfluss auf Körper, Geist und Seele. Ihre Schwingungen wirken ausgleichend auf den Energiehaushalt und mildern Stress-Symptome. Wer nun in seinem persönlichen Rhythmus läuft, tritt mit der Natur in Resonanz. Nach einer Weile empfindet man sich als Teil des großen Ganzen. Hektik und innere Unruhe weichen einem Gefühl von tiefer Ruhe und Geborgenheit. Der Schlüssel zum richtigen Tempo ist dabei die Atmung. Wer beim Body-Walking außer Atem gerät, läuft definitiv zu schnell. Wem dabei langweilig wird, der geht zu langsam. Eine mittlere Laufgeschwindigkeit ist ideal, um sich aufs Gehen und Atmen zu konzentrieren. Dann haben auch störende Gedanken kaum eine Chance. Der Atemstrom sollte ganz bewusst in alle Körperteile fließen. Am besten stellt man sich vor, wie beim Ausatmen alle Anspannung von einem abfällt. Mit dem Einatmen nimmt man dann neue Energie auf.

Bevor man das Body-Walking beenden möchte, wird das Tempo allmählich gedrosselt. Zum Schluss läuft man fast wie in Zeitlupe, um dann zum Stillstand zu kommen. Anschließend nimmt man sich Zeit, um noch einige Minuten nachzuspüren. Das geht am besten mit geschlossenen Augen und locker hängenden Armen. Auch hier kann man die Konzentration bewusst auf die Atmung lenken, um die entspannende Wirkung noch zu vertiefen. Zum Beenden des meditativen Zustands ist wie nach jeder Entspannungsübung die Zurücknahme wichtig, um wieder ganz wach zu werden. Man ballt die Fäuste, spannt die Arme fest an und zieht mit Schwung nach oben. Diese Bewegung wird drei- bis viermal wiederholt und mit einigen tiefen Atemzügen kombiniert. Dann schüttelt man Arme und Beine aus und sollte sich nun erfrischt und munter fühlen. Wer das Body-Walking am Abend als Einschlafhilfe absolviert, gestaltet diese Zurücknahme weniger intensiv.

Für wen ist Bodywalking geeignet?

Wem Joggen zu anstrengend ist und Autogenes Training zu langweilig ist, der sollte zumindest einen Versuch mit Bodywalking wagen. Zudem ist diese „Gehmeditation“ eine gute Alternative für all‘ jene, denen die Bewegungsabläufe im Tai Chi oder Qigong zu kompliziert scheinen. Wer bereits regelmäßig Walking betreibt, kann seine Touren durch Body-Walking ergänzen oder auch ersetzen. Beim Nordic-Walking geht das leider kaum, da die Stöcke hinderlich sind. Empfehlenswert ist Body-Walking für Menschen, die täglich mehr als 9 Stunden im Sitzen verbringen. Auch wer sich kaum im Freien aufhält oder überhaupt keinen Sport treibt, sollte versuchen, auf diese Weise in die Gänge zu kommen. Für Menschen mit Übergewicht und/oder einem Ruhepuls von mehr als 80 Schlägen pro Minute wäre Body-Walking die ideale Strategie gegen Bewegungsmangel. Im Zweifelsfall sollte man vor Beginn des Trainings ärztlichen Rat einholen.

Wann ist Vorsicht geboten?

Menschen mit Herzrhythmusstörungen und/oder Atemnot dürfen nicht Walken. Dasselbe gilt nach einer Operation und bei akuten Infekten. Selbst bei Husten oder Schnupfen ist es besser, auf jede Art von sportlicher Betätigung zu verzichten, um den Herzmuskel zu schonen. Wer unter Gelenkbeschwerden, Durchblutungsstörungen der Beine oder hohem Blutdruck leidet, sollte vorher seinen Arzt zu Rate ziehen. Für herzkranke Patienten empfiehlt sich ein therapeutisches Gehtraining. In der Infarktnachsorge kommen dabei spezielle Herzfrequenz-Messgeräte zum Einsatz als eine Art Frühwarnsystem, wenn Komplikationen auftreten.

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