Ernährungsverhalten: Einflüsse der Medien

Medien spielen eine besondere – nicht zu unterschätzende – Rolle bei der Entwicklung persönlicher Ernährungsgewohnheiten.

Medien haben ganz unterschiedliche Einflüsse auf unser Ess- und Ernährungsverhalten. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Vermittlung von Ernährungsthemen, im Zusammenhang mit Lernprozessen und vor allem als Lehrmittel in Bildung und Erziehung.

Printmedien – Vermittlung von Idealen anhand von Text und BIld

Bücher, Zeitschriften, Zeitungen u. ä. propagieren Schönheitsideale, die meist überzogenen bildhaften Darstellungen versinnbildlichen das „Schöne“. Damit wird der soziale Druck bezüglich des Schlankseins noch verstärkt. Auf der anderen Seite wird der Nutzer von Printmedien mit Berichten über erfolgreiche Gewichtsabnahmen geradezu überschüttet. Passend dazu noch eine Anzeige für ein Schlankheitsprodukt oder entsprechende Rezepte. Die Vielfalt solcher Beiträge ist kaum zu überschauen/durchschauen. Insbesondere für Kinder und Jugendliche ist es daher hilfreich, einen kritischen Umgang mit derartigen Medienangeboten zu erlernen. Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen Printmedien und Übergewicht gibt es bisher jedoch nicht, hier sei lediglich auf die auch in Printmedien auftauchende Lebensmittelwerbung verwiesen.

Fernsehen und seine Bedeutung für die Entwicklung von Übergewicht

Fernsehkonsum in Maßen kann durchaus bilden, bewegen, unterhalten und bei vielen die äußere und innere Einsamkeit vergessen lassen. Wenn bei Kindern der Bildschirm jedoch anstelle der Eltern zum Vorbild wird, kann hoher Fernsehkonsum auch Schaden anrichten. Dies bestätigt auch eine Untersuchung von Koletzko (2005), wonach sich mit steigendem Medienkonsum das Risiko für Übergewicht im Kindesalter deutlich und statistisch signifikant erhöht. Kinder, die zum Zeitpunkt der Einschulung mindestens 2 Stunden täglich vor dem Fernseher oder mit elektronischen Spielen verbringen, sind doppelt so häufig übergewichtig wie Kinder, bei denen dies seltener oder nie der Fall ist.

Mehrere Studien weisen auf den Zusammenhang zwischen erhöhtem Fernsehkonsum und Übergewicht hin. So war bei Grundschülern in 6 bayerischen Gemeinden die Wahrscheinlichkeit für Übergewicht nach Korrektur für weitere beeinflussende Faktoren abhängig vom Konsum elektronischer Medien (Fernsehen und elektronisches Spielzeug). Bei einem Medienkonsum von täglich bis zu 2h stieg die für andere Einflussfaktoren adjustierte Wahrscheinlichkeit für Übergewicht auf 140%, bei mehr als 2h auf 170% im Vergleich zu Kindern mit seltenem Medienkonsum. (Kalies et al. 2001) Im Vergleich zu Kindern, die nie bis selten elektronische Medien konsumieren, haben Kinder mit starkem Medienkonsum (täglich bis zu 2 Stunden) ein 1,4faches und Kinder mit exzessivem Medienkonsum (täglich über 2 Stunden) ein 1,7fach erhöhtes Risiko für Übergewicht. Dabei spielt einerseits die verminderte körperliche Aktivität (Bewegungsarmut), andererseits der vielfach unbewusste und unkontrollierte Konsum von minderwertigen Nahrungsmitteln eine Rolle.

Im Hinblick auf Werbung für ungesunde Lebensmittel steht das Fernsehen allerdings ebenso in der Diskussion und Kritik. Wie im Ernährungsbericht 2004 dargelegt, werden Ernährungsthemen im Fernsehen nicht nur in der Werbung, sondern oft auch beiläufig als Aspekt im Bild verpackt. Diese Darstellung und Wirkung von Ernährungsinformationen im Fernsehen entspricht weitestgehend nicht den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. (DGE 2004) Die Repräsentation von Lebensmitteln weicht oft deutlich negativ von den Normen für eine gesund erhaltene Ernährung ab und ist daher kritisch zu bewerten. Studien, die eine direkte Beziehung zwischen der Höhe des Fernsehkonsums und dem Grad des Übergewichts feststellen konnten (Hastings et al. 2003) geben verschiedene Ursachen hierfür an:

  • Wer mehr fernsieht, sieht mehr Werbung, isst mehr von den beworbenen Produkten und setzt Übergewicht an.
  • Wer mehr fernsieht ist weitgehend inaktiv, verbraucht weniger Energie und wird übergewichtig.
  • Wer mehr fernsieht, konsumiert begleitend dazu mehr energiehaltige Snacks und Getränke und nimmt auf Grund der überhöhten Nahrungszufuhr zu.
  • Umkehrschluss: Je übergewichtiger Personen sind, desto lieber geben sie sich Tätigkeiten (wie fernsehen) hin, die wenig Aktivität erfordern und Energie verbrauchen.

Werbung und ihr tatsächlicher Einfluß auf Kauf- und Verzehrsentscheidungen

In einer 2004 durchgeführten Emnid-Umfrage wurden 400 Lehrer nach den Hauptursachen für die steigende Zahl übergewichtiger Kinder befragt. Neben Bewegungsmangel und falschen Essgewohnheiten gaben 38% die Werbung und 13% fehlende Aufklärung als eine der Hauptursachen an. Inwieweit die unter Alltagsbedingungen stattfindende Werbung für Nahrungs- und Genussmittel entscheidend für die Ausbreitung des Übergewichts unter Kindern und Jugendlichen verantwortlich ist, wurde bisher noch nicht ausreichend untersucht. Die Frage, ob Fernsehwerbung dick macht, wird derzeit verneint. Dies liegt an der Vielzahl von Gründen für den Zusammenhang zwischen der Höhe des Fernsehkonsums und dem Übergewicht, wie beispielsweise Inaktivität und Verzehr während des Fernsehens. Allerdings stellte sich in neueren Erhebungen (Diehl 2005) klar heraus, dass Jugendliche, die mehr fernsehen (und damit auch mehr Werbung ausgesetzt sind), die beworbenen Produkte im Durchschnitt häufiger verzehren. Diese Beziehung gilt auch für die mit den beworbenen Produkten assoziierten Gruppen (Süßigkeiten, Fast Food, salzige Snacks etc.). Darüber hinaus bevorzugen Jugendliche eindeutig Privatsender, die wiederum massiv Werbung zeigen.

Zusammenhang zwischen (Fernseh-)Werbung und Übergewicht

Kritiker vermuten, dass viele Kinder und Jugendliche dem Gesamteindruck der Werbung für Lebens- und Genussmittel unkritisch gegenübersteht und der Meinung ist, hier würden ausnahmslos Komponenten einer gesunden Ernährung empfohlen. Fernsehwerbung für bestehende, modifizierte oder neue Food-Produkte liefert Kindern und Jugendlichen die beabsichtigten Produktinformationen, prägt sich ein, verändert ihre Präferenzen planmäßig und führt zu einem stärkeren Verzehr des Beworbenen.

Ein direkter Zusammenhang zwischen TV-Konsum und Übergewicht konnte jedoch bisher nicht nachgewiesen werden. (Diehl 2005) Ein insgesamt hoher Verzehr beworbener Produktgruppen geht also nicht zwangsläufig mit Übergewicht einher.

Dennoch machen Gesundheitspolitiker und Verbraucherschützer die TV-Werbung von Süßwaren und fettreichen Snacks mit verantwortlich für das zunehmende Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen. Nach einer Studie der Universität Gießen (Schneider 2005) liegt die schnelle Schlussfolgerung, dass die verlockenden Werbebotschaften der Genussmittel-Hersteller Schuld am Konsumverhalten der jugendlichen Zuschauer seien, als massiver Einflussfaktor zunächst nahe, ist aber empirisch nicht nachzuweisen. Denn in den vergangenen zehn Jahren ist das Übergewicht stetig gestiegen, der Fernsehkonsum der bis 14-Jährigen in diesem Zeitraum aber konstant geblieben.

Ein Werbeverbot für bestimmte „schädliche“ Lebensmittel scheint das Problem nicht zu lösen, wie u. a. Beispiele aus der kanadischen Provinz Québec und Schweden zeigen. Hier ist an Kinder gerichtete Food-Werbung seit Jahren verboten, die Verbreitung von Übergewicht ist gleichzeitig aber nicht gesunken. Obwohl die Berieselung mit Food-Werbung massiv ist, gibt es keine Beweise dafür, dass dadurch der Gesamtverzehr von Süßwaren steigt. Werbekampagnen verfolgten primär das Ziel, den Verkauf einer bestimmten Marke zu steigern. Jugendliche, die mehr fernsehen, verzehren lediglich die beworbenen Marken häufiger, nicht aber mengenmäßig mehr „ungesunde“ Lebensmittel als ihre Altersgenossen.

Unter Berücksichtigung anderer Studien kann man daher annehmen: Je höher der Fernsehkonsum, umso geringer der Energieverbrauch bei gleichzeitig höherer Kalorienaufnahme. (Schneider 2005)

Unbestritten ist, dass Werbung wesentlich dazu beiträgt, den Lebens- und auch Ernährungsstil zu formen. Dies führt zu einem verstärkten Auftreten von Übergewicht. Auf der anderen Seite kann den hauptsächlich Werbenden nicht angelastet werden, dass die Lebensmittel-Werbung so wenig Spots für Obst, Gemüse und Vollkornprodukte enthält. (Diehl 2005)

Computer und Internet

In der Diskussion um Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen spielt auch deren Lebensstil zunehmend eine wichtige Rolle. Chronischer Bewegungsmangel, stundenlanges sitzen vor dem Computer, sowie die schwindende Popularität traditioneller Sportarten bei Kindern und Jugendlichen lassen das Gewicht ansteigen. Dass bei der Entstehung von Übergewicht auch genetische Faktoren eine Rolle spielen können, gilt heutzutage als erwiesen. Allerdings werden die psychischen Faktoren, die Übergewicht verursachen können, immer noch häufig unterschätzt. Bei vielen Kindern ist Essen ein Stress- und Angstlöser und wirkt gegen Langeweile. Die starken Veränderungen im Lebensstil von Kindern und Jugendlichen seit den 80er Jahren zeigen einen direkten Zusammenhang zwischen körperlicher Inaktivität und Übergewicht. Der zunehmende Medienkonsum hat darauf einen starken Einfluss. Computer- und Videospiele zählen zu den bevorzugten Freizeitbeschäftigungen. Der Zusammenhang zwischen Medienkonsum und Übergewicht konnte in mehreren Studien belegt werden. Es konnte bereits gezeigt werden, dass eingeschränkter Medienkonsum eine viel versprechende Strategie zur Behandlung und Verhinderung von Übergewicht darstellt.

Das Internet entwickelt sich mehr und mehr zu einem Medium für alle. Die Nutzergruppen werden vielschichtiger, die Altersverteilung breiter und auch der Anteil weiblicher Nutzer steigt kontinuierlich. Dennoch bleiben Bildung, Einkommen und Lebensstil entscheidende Faktoren für die regelmäßige Online-Nutzung. (Jahnen 2001) Im Internet kommen alle Medien, alle Präsentationsformen zusammen. Im Netz findet man

  • Texte,
  • Bilder,
  • Filme,
  • Sprache,
  • Musik und
  • Daten

in jeder denkbaren Kombination. Für seine Nutzer bedeutet Internet darüber hinaus elektronische Post und es bietet unendliche Möglichkeiten, sich selbst in Schrift, Bild und Ton auszudrücken.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.