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Fibromyalgie – schwer zu erkennen, schwer zu behandeln

Fibromyalgie ist eine Krankheit mit vielen Gesichtern. Die chronische Schmerzkrankheit wird deshalb häufig erst spät erkannt und adäquat behandelt.

Fibromyalgie wird heute als Fibromyalgie-Syndrom oder abgekürzt FMS bezeichnet, da das Beschwerdebild aus einem ganzen Symptomkomplex besteht. Wörtlich aus der Medizinersprache übersetzt, bedeutet der Begriff „Faser-Muskel-Schmerz“. Schmerz ist auch das herausragendste Symptom der Erkrankung, die als Sonderform des Weichteilrheumatismus gilt. Die Betroffenen klagen über chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen, die als reißend und ziehend beschrieben werden und sowohl tagsüber als auch nachts auftreten. Typisch für das Fibromyalgiesyndrom sind heftige Druckschmerzen an so genannten „Tender points“. Dies sind genau definierte Druckpunkte, die meist an Muskel-Sehnen-Übergängen zu finden sind. Die weiteren Begleitsymptome bieten ein buntes Bild:

  • Allgemeine Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Morgensteifigkeit der Gliedmaßen
  • Schwellungsgefühle in Händen, Füßen und Gesicht
  • Reizmagen und Reizdarm
  • Atem- und Herzbeschwerden
  • Mundtrockenheit
  • Schmerzhafte Regelblutungen
  • Kalte Hände und Füße

Dazu kommen psychische Symptome wie Depressivität, Konzentrationsstörungen oder auch Angst- und Panikattacken.

Die Vielgestaltigkeit der Symptome ist wohl der Grund, dass viele der schätzungsweise 2 Millionen Deutschen, die an Fibromyalgie leiden, einen langen Weg hinter sich haben, bis ihre Erkrankung als Fibromyalgie erkannt wird.

Für die Diagnose des FMS gelten klar definierte Klassifikationskriterien

Die amerikanische Gesellschaft für Rheumatologie (ACR) gab im Jahr 1990 die folgenden Richtlinien für die Stellung der Diagnose „Fibromyalgie-Syndrom“:

  1. Schmerzen in 3 Körperregionen oder mehr über mindestens 3 Monate
  2. Beim Druck mit dem Daumen auf ausgesuchte „Tender points“ sind mindestens 11 schmerzhaft
  3. Ausschluss anderer Erkrankungen (entzündliches Rheuma, Abnutzungserscheinungen)

Es ist bezeichnend für das Fibromyalgie-Syndrom, dass sich keine organischen Veränderungen finden lassen, die Laborwerte zeigen kein entzündliches Geschehen an und geben ebenso wenig Hinweise auf das Krankheitsbild wie die Röntgendiagnostik. Die Diagnose wird anhand der Krankengeschichte und der körperlichen Untersuchung gestellt.

Die Ursache des Fibromyalgie-Syndroms konnte noch nicht geklärt werden

Eine familiäre Häufung konnte nachgewiesen werden, so dass man von einer genetischen Veranlagung ausgeht. Auch wird immer wieder das Auftreten nach vorausgehenden Virusinfekten, entzündlich- rheumatischen Erkrankungen und Operationen beobachtet. Diskutiert wird auch eine Störung des Schmerzgedächtnisses im Gehirn, die auslösend wirken könnte. Unbestritten können psychisch belastende Situationen wie Stress, Burn out, chronische berufliche und familiäre Überforderung zur Entstehung des FMS beitragen.

Das Fibromyalgie-Syndrom führt nicht zu Versteifungen der Gelenke und zu Herabsetzung der Lebenserwartung, aber die Lebensqualität kann deutlich eingeschränkt sein. Mit Patientenschulungsprogrammen lernen aber viele Betroffene mit der Zeit, mit den Beschwerden und mit ihrer Erkrankung zurecht zu kommen.

Das FMS kann durch medizinische Maßnahmen nicht geheilt, nur gelindert werden

Die Behandlung lässt sich in drei Bereiche einteilen:

  • Bewegung und physikalische Maßnahmen
  • Medikamente
  • Psychologische Hilfe

Bei der Therapie bedarf es der aktiven Mithilfe des Patienten, der angehalten wird, in einem Tagebuch aufzuschreiben, wie die einzelnen Behandlungsmaßnahmen wirken. Im Bereich der Physikalischen Therapie haben sich insbesondere Anwendungen von Ganzkörperwärmetherapie in Form von Sauna oder Infrarotkabinen bewährt. Die Ausübung einer leichten Ausdauersportart wie Nordic Walking, Schwimmen, Radfahren, Wandern, ganz nach den jeweiligen Interessen des Patienten, wirkt sich günstig für den Verlauf der Erkrankung aus. In Studien wurde beispielsweise belegt, dass schon tägliches Spazierengehen dazu beiträgt, Schmerz als weniger belastend zu empfinden.

Medikamentös werden insbesondere Antidepressiva vom Typ der trizyklischen Antidepressiva eingesetzt. Durch ihre schlafbegünstigende Wirkung tragen sie zu einem verbesserten Schlafverhalten bei und reduzieren langfristig auch Schmerzen. Schmerzmittel vom Typ des Ibuprofen, Diclofenac und Acetylsalicylsäure werden ebenfalls verordnet, scheinen aber langfristig nur einen geringen Effekt zu haben.

Mit speziell auf Schmerztherapie abgestimmten Behandlungstechniken der kognitiven Verhaltenstherapie und tiefenpsychologischen Therapie können nicht nur die psychischen Komponenten der Erkrankung beeinflusst, sondern auch die Schmerzen gebessert werden. Es wurde immer wieder konstatiert, dass ein frühzeitig (in den ersten 2 Krankheitsjahren) diagnostiziertes und behandeltes FMS doch 50%ige Chancen auf nahezu vollständigen Rückgang der Krankheitserscheinungen hat.