Geschichte des Motorrads Yamaha SR 500

Eine Legende auf zwei Rädern mit Kultfaktor. Die SR 500 wurde von 1978 bis 1999 gebaut. Mit Tropfentank, Speichenrädern und viel Chrom lässt sie das Herz der Motorradfahrer bis heute höher schlagen.

Ihren Ursprung hatte der freche Kurvenräuber in einem grobstolligen Geländemotorrad. Die ebenfalls schnell zur Legende avancierte Yamaha XT 500 brachte die Motorradfahrer auf den Geschmack. Wenig Gewicht, ein einfach aufgebauter Motor mit Durchzug aus dem Drehzahlkeller und ein wendiges Fahrwerk machten das Fahren auf verwinkelten Straßen zum Vergnügen. Nur die funzelige Beleuchtung aus der sechs Volt starken Scheinwerferbirne und die groben Enduroreifen waren nicht nach jedermanns Geschmack. Zum Glück reagierte Yamaha schnell und konsequent. Mit Teilen der klassischen XS 650 und einigen Änderungen an Rahmen und Fahrwerk trimmte man in Japan den Geländegänger auf reinen Straßenräuber. Ein Kontrast zu den Boliden a la Honda CBX.

Vibrationen und Kraft aus einem einfachen Motor

Das Herz eines jeden Motorrades ist der Motor. Das Aggregat der SR 500 zeigt sich da als echter Charakterdarsteller. 499 cm3 Hubraum entwickeln in der offenen Version 34 Pferdestärken. Die Leistung entsteht mit einer überraschend simplen Technik. Ein Zylinder, zwei Ventile, vier Takte reichen zum Vorankommen. Der Kickstarter bescherte der SR 500 in ihren Kindertagen den Ruf, zickig beim Start zu sein. Dabei springt eine gut eingestellte SR 500 auch nicht besser oder schlechter als andere Motorräder an.

Die Vibrationen dabei gehören zu einem echten Single dazu und halten sich in Grenzen. Zumal der Motor sich nur in einem engen Drehzahlbereich richtig wohl fühlt. Doch auch so knabbern die Lebensäußerungen des Singles gerne an diversen Anbauteilen wie Blinker- und Nummernschildhaltern, Batteriefach oder Auspuffhaltern. Wer seinem Motor ein langes Leben gönnen will, der fährt ihn nach dem Start behutsam warm und meidet die Vollgashatz auf langen Autobahnetappen.

Klassische Linie bei Fahrwerk und Ausstattung

Viel Chrom und eine aufrecht-versammelte Sitzposition machen das SR 500 fahren zum optischen Vergnügen. Der breite Lenker vermittelt mit dem niedrigen Gewicht von gerade 170 Kilogramm mit vollem zwölf-Liter-Tank eine süchtig machende Handlichkeit. Da stören die leicht bockige Gabel und die mit wenig Federweg gesegneten Federbeine auch nicht sehr.

Der echte SR-Fahrer stellt sich auf die kleinen Eigenheiten seines Bikes ein und genießt die klassische Art Motorrad zu fahren. Denn auf keinem anderen Motorrad sitzt es sich ähnlich englisch-klassisch mit aufrechtem Oberkörper und ideal angewinkelten Beinen. Dabei neigt sich der breite Lenker sanft den Händen des Fahrers entgegen und vermittelt diesem immer das Gefühl, alles unter Kontrolle haben zu können.

Dabei hilft der kraftvoll ziehende Motor und das sauber abgestimmte Getriebe. Licht in das Dunkel mancher Nachtfahrt bringt eine Halogenlampe im stilvoll verchromten Gehäuse. Die Bordelektrik arbeitet mit 12 Volt Spannung. Genug um eine kontaktlose Transistor-Zündung einbauen zu können. Bis 1992 gab es die SR 500 mit einer Scheibenbremse im Vorderrad. Von da an zierte die seit 1988 wahlweise erhältliche Duplex-Trommelbremse die Frontansicht.

Modell-Pflege, um Gutes noch Besser zu machen

Das Bessere ist der Feind des Guten. Nach diesem Motto spendierte Yamaha seinem Verkaufsschlager im Laufe seiner 21-jährigen Präsenz auf dem deutschen Motorradmarkt einige Verbesserungen. Mit dem Wechsel vom Typ 2J4 auf den Typ 48T im Jahre 1984 bekommt die SR 500 eine Art Generalüberholung spendiert.

So wechselte die Frischölversorgung der Ventile von der Ein- zur Auslassseite, die Schwingenachse bekam einen Schmiernippel spendiert und am Kolben reduziert ein stärkerer Abstreifring den Ölverbrauch. Der Plastikbürzel an der Sitzbank nimmt seinen Abschied, Vorderrad, Lenker und Scheinwerfer schrumpfen zu Gunsten einer noch eleganteren Linie. Diese unterstreichen auch die feinen Aluausleger der Soziusrasten.

Hohe Zuladung macht die SR 500 beliebt bei Motorradreisenden

Auch wenn man sie meist in heimischen Gefilden fahren sieht, die SR 500 hat sich als Reisemotorrad einen guten Namen gemacht. Zwar sind die Federbeine im serienmäßigen Zustand mit den möglichen 216 Kilogramm Zuladung überfordert und schlagen durch. Doch standfeste Alternativen aus dem Zubehör in Verbindung mit einer aufgerüsteten Vorderradgabel sorgen für annehmbaren Fahrkomfort. Und dann geht die SR mit ihren Passagieren über Stock und Stein. Gepäckträger und Koffer hatte Yamaha im Sortiment, alles andere möglicherweise noch nötige lieferte der Zubehörhandel.

Gebraucht immer noch eine gute Wahl

Auch zehn Jahre nach ihrem Baustopp ist die SR 500 noch immer ein beliebtes Motorrad. 1998 waren noch gut 20.000 Stück zugelassen. Für den Interessenten gibt es also immer noch genügend Auswahl. Am attraktivsten sind die Modelle des Typs 48T der Baujahre 1987 bis 1990. Sie lassen sich legal auf die volle Leistung von 34 PS entdrosseln. Außerdem sind bei ihnen schon die Technik-Verbesserungen enthalten.

Trotzdem sollte man die Augen und Ohren bei der Besichtigung aufhalten. Die Lebensäußerungen des Motors geben Hinweise auf dessen inneren Zustand. Trotz des einfach aufgebauten Motors lohnen Reparaturen eines verschlissenen Ventiltriebes oder einer defekten Lichtmaschine meist nicht. Auch eine festgerostete Schwingenachse oder ein verbogener Hauptständer bedeuten schnell einen wirtschaftlichen Totalschaden. Wer auf Nummer sicher gehen will, der nimmt einen SR-Besitzer zur Besichtigung mit und informiert sich vorher im Internet über die Stärken und Schwächen dieses Einzylinders.

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