Handyvideos – Mutproben mit Konsequenzen

Gewaltvideos und Pornografie. Nur zwei Möglichkeiten von Handyfilmen, die auf deutschen Schulhöfen kursieren. Doch die Jugendlichen wollen sie oftmals gar nicht.

Die meisten Jugendlichen haben ein Handy. Damit sind sie ständig und überall für jeden erreichbar. In den vergangenen Jahren entwickelten sich diese Geräte immer weiter. Telefonieren war früher, filmen ist heute. Damit wurde auch eine bedenkliche Entwicklung eingeläutet, denn Aufnahmen können überall und jederzeit gemacht werden, was nicht ohne Auswirkungen auf das Verhalten der Jugendlichen bleibt, die diesen Umstand ausnutzen. Und auch die Verbreitung dieser Videos dauert nur noch Sekunden, die Zahl der Erreichbaren liegt immens hoch. Auf diese Weise kursieren unzählige Videos auf den Schulhöfen und Kinderzimmern.

Was wird verbreitet?

Bilder und Videos haben die klassischen Textbotschaften abgelöst. Die Jugendlichen filmen Begebenheiten, die oft nur zufälliger Natur sind. In vielen Fällen werden allerdings auch Filme ganz bewusst gedreht und verbreitet. Viele der Teenager sammeln diese Videos, an die auch Kinder herankommen können, wenn sie ein Handy haben.

Die Themen sind weit gefächert. Sie reichen von „normaler“ Pornografie und den sexuellen Handlungen mit Tieren über Gewaltvideos, bis hin zu sog. „Snuff“-Videos, bei denen Menschen sterben – teilweise auf brutalste Art und Weise.

Neben professionellen Videos, die aus dem Internet heruntergeladen werden, gibt es die selbstgedrehten Kurzfilme. Die Inhalte unterscheiden sich nur wenig von den professionellen Streifen und Dokumentationen. Schüler werden auf Toiletten gequält und in Situationen dargestellt, die gegen jedes Recht verstoßen. Strafbare Handlungen werden nicht selten gefilmt und versendet.

Es kursieren allerdings auch Videos, die frei erfunden sind. Technische Spielereien machen eine Vermischung zwischen Wahrheit und Fiktion oft unmöglich. Die Unterscheidung ist sehr schwer und viele Jugendliche schaffen es sogar, die Szenen so zu manipulieren, dass nur ein Profi den Unterschied zwischen echt und unecht erkennt.

Was bezwecken die Jugendlichen damit?

Oft genug ist das Versenden der Videos nicht mehr als eine makabere Mutprobe. Angestiftet werden die Teenager von ihrem Freundeskreis. Schlimme Hintergedanken haben sie in den seltensten Fällen. In vielen Fällen haben sie sich vor dem Versenden keine Gedanken über etwaige Konsequenzen gemacht.

Meistens sind es auch einfach nur Szenen, die als lustig empfunden werden. Pornografie steht hier ganz oben. Die Handys nehmen die Nähe zu einer Situation und rücken sie deshalb weit von den Teenagern weg. Auch in diesem Fall denken sie sich nichts dabei.

Und auch wenn sie Selbstgedrehtes versenden, sind die Gedanken an die Konsequenzen in den meisten Fällen im Hintergrund. Das große Erwachen kommt bei Jugendlichen erst dann, wenn es eine direkte Konsequenz auf den Film gibt.

Fast immer sind es Jungen, die solche Videos und Bilder versenden. In einigen Fällen tun es allerdings auch die Mädchen. Sie löschen die Videos allerdings recht schnell, so dass sie kaum auf einem Handy zu finden sind.

Die Eltern bekommen meistens von den Jugendlichen, die ein solches Video empfangen haben, keine Information darüber. Schon immer waren Mutproben für die Jugend etwas Besonderes, dass nicht weitergegeben wurde. Die meisten Eltern werden ein solches Video nie sehen, es sei denn, der Zufall spielt mit, und es wird zufällig entdeckt.

Ist die nächste Generation verroht?

Wird der Fokus nur auf das Thema gelenkt, entsteht sehr schnell der Eindruck, die Jugend würde zusehends verrohen. Handyvideos sind aber nur ein kleiner Ausschnitt aus der Welt der Jugendlichen. Werden die Teenager in ihrer Gesamtheit betrachtet, ergibt sich ein anderes Bild, das den Videos im Kern widerspricht. Noch immer sind die Jugendlichen, auch wenn sie die Videos sammeln, vollkommen normal. Auch Partnerschaft, Liebe, Treue und Sexualität werden noch immer eher konservativ gesehen. Die meisten der Nachkömmlinge können auch mit Gewaltdarstellungen nicht viel anfangen und viele verurteilen sie.

Richtige und falsche Reaktionen von Eltern

Oft genug wird die Schule für die Videos verantwortlich gemacht. Die Lehrer hätten nicht aufgepasst oder es würde in der Schule niemanden interessieren. Die Wahrheit ist, dass Lehrer keine Ahnung haben, wer solche Videos dreht und verbreitet. Schließlich werden die Filme nicht in aller Öffentlichkeit aufgenommen und nicht im Computerunterricht aus dem Internet geladen. Und auch die Schulführung ist sehr daran interessiert, dass solche Videos nicht in Umlauf kommen. Die Schulen stehen im Focus der Öffentlichkeit und die Duldung oder sogar das Auftauchen solcher Bilder können einer Schule enorm schaden. Die Schule weiß sicher von dem Problem. Sind die Eltern bereit sich einen Abend Zeit zu nehmen, dann organisieren viele Schulen einen Informationsabend für die Eltern und sprechen sich auch mit ihnen ab.

Eltern sollten das Handy nicht wegnehmen. Ein Teenager kann die Filme immer noch sehen, wenn auch nicht mehr auf seinem eigenen Mobiltelefon. Durch die Wegnahme distanziert sich das Kind von den Eltern, denn es hat schließlich Nachteile durch ein offenes Gespräch.

Die Teenager müssen ohne Vorurteile und Vorwürfe darauf angesprochen werden. Aufklärung ist Priorität. Die meisten Jugendlichen wissen nicht, dass sie mit der Verbreitung eine Straftat begehen.

Eine Möglichkeit ist auch, die Bluetooth-Funktion abzuschalten oder ein Handy zu kaufen, das diese Funktion nicht hat.

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