Histamin-Intoleranz – Schwierige Diagnose

Wie eine Unverträglichkeit von stark histaminhaltigen Nahrungsmitteln – die Histamin-Intoleranz – diagnostiziert und behandelt wird.

Das vielfach chronische Krankheitsbild der Histamin-Intoleranz – also einer Unverträglichkeit von stark histaminhaltigen Nahrungsmitteln wie Rotwein, Käse, Rohwurst, Fisch und Sauerkraut – bleibt in der Praxis vielfach unerkannt: „Kopfschmerzen nach dem Genuss histaminhaltiger Lebensmittel werden meist der Halswirbelsäule oder dem Wetter zugeordnet, eine verlegte Nase wird gern mit einer Deformation der Nasenscheidewand in Beziehung gebracht, Herzrhythmusstörungen bei jungen Erwachsenen führen zu umfangreichen kardiologischen Untersuchungen, meist mit negativem Ergebnis“, bringt der bekannte Wiener Allergiearzt Dozent Dr. Reinhart Jarisch Beispiele von Symptomen, bei denen in der Regel nicht daran gedacht wird, dass Nahrungsmittelunverträglichkeiten eine Rolle spielen könnten. „Niedriger Blutdruck wird sowieso als ,gottgewollt’ akzeptiert!“

Allergietests fallen bei Histamin-Intoleranz negativ aus

Darüber hinaus sind manche Medikamentenallergien in Wahrheit Histamin-Intoleranzen, und auch Patienten mit Neurodermitis können unter einer Histamin-Unverträglichkeit leiden. Das Problem liegt zum Teil darin, dass die Beschwerden der Histamin-Intoleranz allergieähnlich sind, die entsprechenden Allergietests jedoch negativ ausfallen. „Auch ist nach wie vor unklar, warum einzelne Patienten nur mit Kopfschmerzen, andere mit Herzrhythmusstörungen oder Asthma sowie Durchfällen und niedrigem Blutdruck reagieren“, hebt Experte Jarisch hervor. „Offensichtlich hat jeder Mensch ein prädestiniertes Schwachorgan, das sich bei allfälligen Störungen als Signalorgan präsentiert…“

Die Kombination histaminhaltiger Nahrungsmittel macht’s

So sei zum Beispiel der Fall eines Patienten bekannt, der einen gewissen Weißwein während der Pollensaison nicht, danach aber sehr wohl verträgt. Ebenso kann es sein, dass ein Patient Käse allein oder Wein allein verträgt, die Kombination der histaminhaltigen Lebensmittel jedoch nicht. Erschwerend wirkt, dass die Nahrungsmittel, die biologische und somit nicht standardisierte Produkte sind, unterschiedliche Mengen von Histamin enthalten. Es erfordert genaue Kenntnisse allergischer und histaminbedingter Reaktionen für die Diagnose, die – betont Jarisch – nur von einem Spezialisten – also einem allergologisch tätigen Facharzt, erbracht werden kann.

Die schlimmste Konstellation ist jene, bei der bei dem Patienten eine echte Allergie und eine Histamin-Intoleranz vorliegen. Das heißt, im Rahmen der Allergie wird zuviel Histamin produziert, und im Rahmen der Histamin-Intoleranz kann dieses Histamin nicht abgebaut werden.

Diagnose der Histamin-Intoleranz & Diät

Für die Diagnose einer Histamin-Unverträglichkeit existiert bis heute keine einheitliche Vorgehensweise. Wichtig ist in jedem Fall eine genaue Anamnese, also ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch, im Rahmen dessen unter anderem die Krankheits-Vorgeschichte erhoben wird. In der Regel wird der Arzt in der Folge der Histamin-Intoleranz ähnliche Nahrungsallergien durch entsprechende Tests ausschließen. Im Blut kann die Aktivität des histaminabbauenden Enzyms Diaminoxidase überprüft werden. Oft ist bei Verdacht auf Histamin-Intoleranz aber auch nur eine Eliminationsdiät die Methode der Wahl: Der Patient muss über mehrere Wochen auf histaminhaltige Lebensmittel verzichten. Dabei helfen Listen histaminhaltiger Nahrungsmittel. Liegt eine Histamin-Unverträglichkeit vor, tritt in der Regal relativ schnell eine Besserung der Symptome ein.

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