Iontophorese – was bei starkem Schwitzen wirklich hilft

Im Sommer ist es meist am schlimmsten: Hyperhidrose, übermäßige Schweißproduktion. Doch was hilft wirklich dagegen? Erfahrungsbericht einer Betroffenen.

Handschweiß – Andrea Kelzenberg aus Aachen kennt das Problem seit früher Kindheit. Die übermäßige Schweißproduktion konnte bei der 31-Jährigen durch verschiedene Situationen hervorgerufen werden. Eine Ursache war Hitze, sobald das Thermometer 25 Grad überstieg, begannen die Hände zu schwitzen – so stark, dass sich dicke Tropfen bildeten und die Unterarme hinab rannen. Auch die Nerven spielten bei ihrer Form der Hyperhidrose (med. Fachausdruck für übermäßige Schweißproduktion) eine große Rolle: „Schon allein der Gedanke, dass ich einem wichtigen Geschäftspartner die Hand zu Begrüßung reichen müsste, löste einen unaufhörlichen Schweißausbruch aus, für den ich mich schämte, was das Schwitzen wiederum verstärkte.“ Immer wieder musste die kaufmännische Angestellte sich erklären, wenn sie schräge Seitenblicke erntete, nachdem jemand die starke Schweißbildung bemerkte. Auch an den Füßen litt sie unter übermäßiger Schweißproduktion. „Offene Schuhe waren bei mir tabu. Auch im Sommer trug ich grundsätzlich geschlossene Schuhe mit Socken.“

Iontophorese – Behandlung mit Gleichstrom

„Ich war es leid!“ Vieles hatte Andrea schon ausprobiert. „Ich wurde von Arzt zu Arzt geschickt. Der Neurologe gab mir Salbeitabletten, bei der Heilpraktikerin erhielt ich Globulis, der Hautarzt verschrieb mir Salben – doch es half alles nichts – ich dachte über Botoxspritzen und Operationen nach.“ Von einem Bekannten hatte Andrea von der Behandlung durch „Iontophorese“ gehört. In Internet-Foren las sie Berichte von Leidensgenossen, die schrieben, ihnen habe die Iontophorese nachhaltig geholfen.

Sehr skeptisch, aber neugierig besuchte sie eine Hautärztin, die Hyperhidrose mit der Iontophorese-Therapie behandelt. Dabei werden die Hände oder Füße in ein Leitungswasserbad gelegt, über Metalldioden werden Stromstöße im Milliampere-Bereich abgegeben. „Ungläubig und fast schon unwillig begab ich mich an die Therapie“. Zehn Tage lang behandelte Andrea ihre Hände und Füße zu Hause jeweils 10 min. mittels Iontophorese-Therapie. Bereits ab dem 7. Tag hatte sich das Schwitzen auf Normal-Niveau reduziert. Nach dem 10. Tag war sie völlig beschwerdefrei. Andrea konnte ihr Glück nicht fassen: „Auf einmal konnte ich jedem die Hand geben, von einem Tag auf den anderen – ich hätte es am liebsten laut in die Welt gerufen“. Auch offene Schuhe waren plötzlich kein Thema mehr.

Die Therapie muss, nach der anfänglich täglichen Behandlung, einmal wöchentlich je 10 – 15 min. wiederholt werden. „Natürlich ist es etwas lästig, einmal wöchentlich die Therapie durchzuführen. Ich schaue dabei fern, dann geht die Zeit schnell um. Alles kein Vergleich zu den Qualen, die mir das Schwitzen mein Leben lang bereitet hat!“

Der Hautarzt kann helfen

Iontophorese-Geräte können von Hautärzten verschrieben werden, wenn sie sich zur individuellen Behandlung als geeignet erweisen. Bei nachgewiesener Hyperhidrose übernehmen einige Krankenkassen die Kosten (etwa 600 – 1000 EUR). Auch übermäßiger Achselschweiß (Hyperhidrosis axillaris) kann mittels kleiner Schwämmchen (Achselelektroden) mit Iontophorese behandelt werden.

„Ich kann nur jeden mit diesem Problem ermutigen, sich beim Hautarzt zu informieren. Ich wünschte, ich hätte früher davon erfahren, dann wäre mir einiges erspart geblieben“, sagt Andrea heute mit einem Lächeln.

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